Physikerin
 
   
Hoch-
schwanger wurde Martina Havenith-
Newen Professorin an der RUB.

Der Glaube versetzt Berge

Hochschwanger wurde Martina Havenith-Newen Professorin an der RUB

Aufgewachsenen im kleinen Ort Mechernich in der Eifel absolvierte Martina Havenith-Newen die Schule mit Bravour. „Mein Notendurchschnitt war so gut, dass meine Lehrer meinten, ich müsse unbedingt Medizin studieren.“ Sie selbst hielt es für absurd eine Studienwahl auf diese Art und Weise zu treffen. „Ein Studium ist immer harte Arbeit, daher muss man von einem Fach fasziniert sein, um durchhalten zu können.“ Als Schülerin faszinierte sie vor allem die Astronomie und die Physik. „Es waren die Bücher und Fernsehsendungen von Hoimar von Dithfurth und Heinz Haber, die mein Interesse für die Fächer weckten.“ An der Uni Bonn schrieb sie sich für die Fächer Mathe, Physik und Astronomie ein. Nach ihrer Diplomprüfung ging sie für ein Jahr in die USA an die Universität Berkeley. Dort untersuchte sie mit physikalischen Techniken chemische Verbindungen. Als Doktorandin fuhr sie eigens nach Holland, um dieselben Untersuchungen weiterführen zu können. „In Deutschland fehlte die passende technische Ausrüstung.“ Zurück in Bonn habilitierte sie sich bei Professor Wolfgang Urban, der bereits ihre Doktorarbeit betreut hatte. Während dieser Zeit bekam sie ihre erste Tochter Jannika. Hochschwanger mit der zweiten Tochter Carina bewarb sie sich um eine Professur in Potsdam und in Bochum. „Ich war im sechsten Monat, als ich mein Vorstellungsgespräch an der RUB hatte.“ Ihre Schwangerschaft hielt weder die Uni in Potsdam, noch die Gesprächspartner in Bochum davon ab, sie an die erste Stelle der Bewerbungsliste zu setzen. „Es ist wichtig, dass man an sich selbst glaubt, dann kann man auch andere von sich überzeugen.“
Seit 1998 ist Martina Havenith-Newen Professorin am Lehrstuhl Physikalische Chemie II. „Leider gab es keine Kindertagesstätte an der RUB.“ In der ersten Zeit teilte sie sich mit ihrem Mann Albert Newen die Kinderbetreuung. Auch eine Nachbarin unterstützte das Paar ergänzend. „Ich habe den Ruf an die Bochumer Uni erst angenommen, als ich einen Kita-Platz sicher hatte.“ Die Professorin wünscht sich eine bessere Kinderbetreuung in Deutschland. „In Skandinavien ist das überhaupt kein Problem, da gibt es schon Kita-Plätze für Einjährige.“ Berufstätigen Frauen werde es hierzulande viel zu schwer gemacht. Den Haushalt neben ihrer Tätigkeit als Professorin perfekt zu führen, ist zeitlich nicht machbar. „Daher haben wir eine Haushaltshilfe.“
Im beruflichen Alltag lehrt sie, betreut Studenten und Doktorandinnen und arbeitet mit ihnen zusammen an Versuchen und Forschungsaufträgen. Mit Hilfe von moderner Lasertechnik werden die spezifischen Frequenzen (oder Farben) ermittelt, bei denen ein Molekül Licht aufnehmen kann. Diese Frequenzen sind so charakteristisch, dass sie auch als "chemischer Fingerabdruck" bezeichnet werden. Anhand der Menge des absorbierten Lichtes kann man nun den Wassergehalt im Salatblatt genau ermitteln. Damit kann man bestimmen, wie schnell ein einzelnes Feldsalatblatt austrocknet, und um wie viel länger es als ganzes Bündel „frisch“ bleibt. Ihre Forschungsergebnisse werden zum Beispiel in der Medizin gebraucht. „Wir erforschen, wie sich der Wassergehalt in Zellen bei der Zugabe von Medikamenten verändert.“ Auch die Industrie interessiert sich mittlerweile für diese Technik. „Sie wollen damit die Qualität ihrer Lebensmittel überprüfen.“



TIPP
„Schülerinnen sollten ihren eigenen Weg gehen und nicht versuchen, das Leben eines anderen zu leben. Es ist nicht entscheidend, dass man anderen gefällt. Man kann es sowieso nicht allen recht machen. Frauen sollten insgesamt positiver denken und vor allem selbst aktiv werden, wenn sie etwas erreichen wollen.“
Zur Person:

Prof. Dr. Martina Havenith-Newen,
Lehrstuhl für Physikalische Chemie II, RUB
Alter: 40
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