Cilja Harders ließ sich beeinflussen – heute ist sie Junior- professorin.
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Eine Freundin führte sie auf den richtigen Weg
Cilja Harders ließ sich beeinflussen – heute ist sie Juniorprofessorin
„Politikwissenschaft ist so ein tolles Fach“, schwärmte Stefanie ihrer Freundin Cilja Harders nach dem Abitur vor. Cilja dachte sich „Ach ja, warum nicht, dann studiere ich das auch mal.“ Als Hauptfach belegte sie zunächst Germanistik in ihrem Lehramtsstudium in Freiburg. Sie entwickelte jedoch wahre Leidenschaft für Politik und wechselte das Hauptfach. Aus dem Lehramtsstudium wurde nach dem zweiten Semester ein Magister. Als zweites Nebenfach wählte sie Soziologie und wechselte kurze Zeit später an die Uni nach Hamburg. Die Freundin aber brach das Studium der Politik wieder ab. Als „altes Nordlicht“, geboren in Itzehoe, fühlte Cilja sich sehr wohl in Hamburg. „Ich würde auch heute gerne dort leben.“ An der Uni wurde Professor Rainer Tetzlaff ihr Vorbild und Doktorvater: „Er war sehr tolerant und ließ auch andere Meinungen gelten.“ Sein Spezialgebiet war Entwicklungspolitik, das weckte ihr Interesse. Die junge Studentin erhielt ein Stipendium und ging nach Kairo, „um die Demokratisierung in Ägypten zu untersuchen.“ Für ihre Doktorarbeit reiste sie ein zweites Mal dorthin. „Zwei Jahre lang forschte ich in Armutsvierteln und befragte die Einheimischen.“ Und das sogar in ihrer Landessprache, denn Cilja Harders spricht neben Englisch und Französisch auch Arabisch. Ihre erste Stelle nach dem Studium nahm sie bei der Heinrich Böll Stiftung in Hamburg an. Als Referentin für politische Bildung lag ihr Schwerpunkt in der Frauen- und Geschlechterpolitik. „Was ich da gelernt habe, kann ich heute noch sehr gut gebrauchen.“
Heute ist sie mit ihren 35 Jahren Juniorprofessorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung an der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB. Sozialwissenschaft ist als Studienfach selten. „Das ist eine Bochumer Spezialität.“ Das Fach ist sehr vielseitig. „Eigentlich braucht jede Behörde Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit diesen Fachkenntnissen.“ Auch als Lehrerinnen oder Journalisten hätten Absolventen eine Chance. Cilja Harders Schwerpunkt ist der Nahe Osten geblieben. „Ich war gerade wieder in Ägypten und in Marokko, um Interviews zu Fragen der Sicherheitspolitik nach dem 11. September zu führen.“ An ihrem Lehrstuhl wird viel geforscht zum Thema „Krieg und Frieden“, „es geht aber auch um Fragen der Geschlechterverhältnisse.“ Am meisten genießt sie es, ihre eigene Chefin zu sein. In ihrer Position lässt die Uni ihr die Freiheit, Entscheidungen selbst zu treffen. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, unter anderen zu arbeiten. Hätte ich nicht diese Position, würde ich mich selbstständig machen.“
Was macht eine Juniorprofessorin den ganzen Tag? „In der Regel stehe ich um 7.15 Uhr auf und fahre zur Uni. Da warten meist schon 40 bis 60 EMails in meiner Mailbox auf mich.“ Neben der Vorbereitung ihrer Lehrveranstaltungen, besucht sie Tagungen, schreibt Artikel für Fachbücher und entwickelt mit Kolleginnen im Fakultätsrat Lehrpläne für die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. Feierabend ist selten vor 20 Uhr. Und ihre Hobbys? „Lesen und ´rumlungern“, lacht Cilja Harders.
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