Sozialwissenschaftlerin
 
   
Bevor Gabriele Frohnhaus Personal-
dezernentin wurde, eröffnete sie ein Woll-
geschäft .

Karriere auf Umwegen


Bevor Gabriele Frohnhaus Personaldezernentin wurde, eröffnete sie ein Wollgeschäft

Sie ging nicht gerne zur Schule, „und eine gute Schülerin war ich auch nicht“, erinnert sich Gabriele Frohnhaus. Ihre Abiturfächer am Mädchengymnasium August-Dicke-Schule in Solingen waren Deutsch, Englisch, Mathe und Chemie. Die Studienwahl fiel ihr schwer. „Meine Praktika in Sozialarbeit waren furchtbar. Das Fach kam also nicht infrage.“ Sie dachte an Pädagogik, versandte mehrere Bewerbungen und bekam einen Platz für Sozialwissenschaften an der Uni Wuppertal angeboten. „Am Anfang wusste ich nicht, was ich mit dem Fach anfangen sollte, aber das Studium war toll.“ Nach dem Studium war der Weg in die Berufstätigkeit schwer. „Ich bewarb mich, bekam aber keinen Job, sondern erst einmal ein Kind.“ Ihr Mann verdiente damals schon, also waren sie finanziell abgesichert. Eine typische geradlinige akademische Laufbahn schlug sie auch nach der Geburt ihrer ersten Tochter nicht ein. „Ich eröffnete mit einer Freundin ein Wollgeschäft.“ Erste Verkaufserfahrungen hatte Gabriele Frohnhaus schon als Studentin auf dem Wochenmarkt gesammelt. „Wir waren damals alle auf dem Biotrip. Daher gab es nur Naturwolle in unserem Geschäft.“ Sie gab auch Spinnkurse, strickte in jeder freien Minute und backte ihr Brot selbst. „Doch als ich meine zweite Tochter und meine Freundin ihr erstes Kind bekam, mussten wir den Laden schließen.“ Die Arbeit war nicht allein zu bewältigen und eine Angestellte konnten sie sich nicht leisten.
„Die Kinderbetreuung allein ist auf Dauer unbefriedigend“, dachte sich die junge Mutter nach einer Weile. Sie beschloss mit Anfang 30 doch noch zu promovieren und erhielt ein Stipendium für ihre Arbeit zum Thema „Feminismus und Mutterschaft.“ Mit der Arbeit gewann sie sogar den mit 10 000 Euro dotierten Elisabeth-Selbert-Preis in Hessen. Danach ging es mit ihrer Karriere voran: Sie war Gleichstellungsbeauftragte, Personalentwicklerin für Führungskräfte und Leiterin des Berufsbildungszentrums der Volkshochschule in ihrer Heimatstadt Solingen. „Letzteres war nicht so mein Ding, zu viel organisatorischer Kram.“ Mit Mitte 40 bewarb sie sich für andere Positionen, schrieb zweieinhalb Jahre lang Bewerbungen, „doch keiner lud mich zum Vorstellungsgespräch ein.“ An der RUB klappte es schließlich.
Hier erhielt sie eine der einflussreichsten Stellen, die die Universität zu vergeben hat: Seit August 2001 ist sie als einzige Nicht-Juristin in NRW Personaldezernentin. Sie ist für alle Beschäftigten in Personalangelegenheiten zuständig. Nur die Professoren haben als Vorgesetzte die Ministerin. Im Alltag bedeutet das: Abschließen von Arbeitsverträgen oder ihre Verlängerung, Höhergruppierungen, Abmahnungen aussprechen, den Einsatz von Teilzeitkräften zeitlich organisieren oder auch Streit zwischen Angestellten und Vorgesetzten schlichten. „Wenn es gar nicht anders geht, müssen wir bei nicht beizulegenden Konflikten jemanden an anderer Stelle unterbringen.“ Der Arbeitsalltag der Personaldezernentin ist nicht vorhersehbar. „Es kann passieren, dass ich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dringend gebraucht werde, dafür muss ich mir im Notfall sofort Zeit nehmen.“ Daher vermeidet sie es, sich den Tag mit Terminen zu blockieren.
Ihre Töchter Elisabeth und Anna-Lena sind mittlerweile 18 und 20 Jahre alt, „andernfalls würde es mit der Kinderbetreuung schwierig, da mein Mann als Manager auch wenig Zeit hat.“ Der Traum vom Glück hat sich für Gabriele Frohnhaus erfüllt: „Mein Beruf füllt mich aus, ich habe zwei tolle Töchter und bin mit meinem Mann schon 24 Jahre verheiratet.“




TIPP
„Einen Spruch aus der Frauenbewegung: Willst du das Leben, dann nimm es dir ganz. Frauen zweifeln zu schnell an sich selbst, doch ihr dürft nie zu niedrig pokern. Manche entdecken ihre Begabungen erst spät, daher solltet ihr euch nicht zu schnell auf eine bestimmte Art des Lebens festlegen.“
Zur Person:

Dr. Gabriele Frohnhaus,
Personaldezernentin an der RUB,
Alter: 46
  << zur Übersicht Portrait 02 nächstes Portrait >>