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Schmidt, Henrike (2004): Warnung vor "marodierenden Netzpiraten“ - Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow beschwört "die dunkle Seite des Internet“ und fordert dessen staatliche Regulierung, 23.05.2004.
Das Internet und seine "dunklen Seiten“
hat der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow dieser Tage im Visier.
In der renommierten russischen Tageszeitung
Banner in der Internet-Zeitschrift Die Motive der in düsteren Farben suggestiv gezeichneten
Netz-Apokalypse sind so wenig originell wie die Lösungsvorschläge.
So fallen auch die Internet-Medien und Desinformationskampagnen Das russische Internet weist tatsächlich eine Affinität
zu medienpolitischen Desinformationskampagnen auf, die allerdings vorrangig
in den politisch bewegten Jahren 1998-2000 zu verzeichnen waren. Bürgermeister
Luschkow wurde als Präsidentschaftskandidat im damaligen Wahlkampf
zu einem der populärsten Opfer einer solchen Aktion: im Netz wurde
ein "Klon“ der offiziellen Site des Politikers mit fingierten
Informationen lanciert. In den Skandal um die angebliche Schließung
der Ressource war pikanterweise der Fond für effektive Politik
verwickelt, der auch einige Internet-Projekte für Wladimir Putin
betreut hat. Im Präsidialwahlkampf des Jahres 2004 spielte das
russische Internet hingegen kaum mehr eine Rolle ( Stattliche Zuwächse und staatliche Regulierung Ca. 10-13% der russischen Bevölkerung nutzen das
Internet heute, Tendenz steigend. In Moskau ist bereits gut ein Drittel
der Einwohner regelmäßig online. Mit dem zahlenmäßigen
und wirtschaftlichen Erstarken gehen verstärkt Versuche einher,
von staatlicher Seite auf das Medium Einfluss zu nehmen. Seit Beginn
des Jahres 2004 sind Gerüchte im Umlauf, nach denen ein neues "Internet-Gesetz“
zu erwarten sei. Dieses sehe möglicherweise auch eine Registrationspflicht
für User vor. Solche Gesetzesinitiativen erschüttern das russische
Internet in regelmäßigen Abständen. Nach Meinung des
Journalisten Anton Nosik ist von einer Zensur im russischen Internet
in der Praxis dennoch nicht zu sprechen ( Copyright und Globalisierung Die erwähnte Sozialer Protest und politischer Widerstand Wie in aller Welt dient das Internet auch in Russland
der Artikulation von sozialem Protest und politischem Widerstand. Seit
dem vergangenen Jahr existiert beispielsweise eine Website des Architekten
Aleksandr Moaev, die sich unter dem Titel Logo der Website-Initiative Auf der Site der Denkmalschützer werden nun
Unterschriften gesammelt für einen offenen Brief an den Präsidenten
Wladimir Putin und die Moskauer Stadtregierung, in dem der Schutz des
historischen Stadtkerns vor Pseudo-Renovierung und architektonischer
Prunksucht gefordert wird. "Sie haben die Möglichkeit Ihr
Recht auf die Stadt, in der Sie leben, zu verteidigen“, appellieren
die Initiatoren an die BürgerInnen der Stadt. Bereits über
2.000 Personen - darunter Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler,
Manager - haben den Brief unterschrieben. In der flammenden Kolumne
des Moskauer Bürgermeisters finden das "Moskau, das es nicht
mehr gibt“ und seine virtuelle Repräsentanz keine Erwähnung.
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