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Schmidt Henrike, Katy Teubener (2005):
"Russian-Cyberspace.org. Das Internet als Form des kooperativen
wissenschaftlichen Arbeitens - eine praktische Umsetzung und ihre theoretische
Fundierung". Kurzdarstellung des Wettbewerbsbeitrags für den
Altdorfer Leibniz-Preis 2005.
Die Möglichkeiten der Nutzung des Internet sind im bundesdeutschen Wissenschaftsbetrieb - ungeachtet aller Willenserklärungen und Förderprogramme - bei weitem nicht ausgeschöpft. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Internet weiten Teilen der Wissenschaft immer noch primär als Instrument der Recherche und Repräsentation dient und nicht als Publikations- und Kommunikationsplattform. Die "Visitenkarten-Funktion", auf die sich wissenschaftliche Homepages oft beschränken, wird jedoch weder der Potenz noch dem Charme des Mediums gerecht. Die tatsächliche Herausforderung des Internet für die Wissenschaft bleibt bis heute bestehen. Sie liegt nicht auf der Ebene der Technik, sondern auf der Ebene des Denkens. Diese Herausforderung liegt darin, eine wohl dosierte Skepsis gegenüber "Faktizität" und "Authentizität" der Realitäten des On- wie des Offline mit der Begeisterung für das kreative Potential eines vernetzten, kollektiven Denkens und Arbeitens zu verbinden. In der Praxis herrscht dennoch oft eine Interpretation des Internet als einem "Instrument" vor, die Formen und Grenzen seiner Nutzung bestimmt. Mit Russian-cyberspace.org wollen wir eine solche "Instrumentalisierung" des Internet vermeiden, indem wir die verschiedensten Funktionen der Publikation, der Kommunikation und der Diskussion bündeln, unter anderem durch die Einbeziehung von Foren und Weblogs, und die internationale Lehre in die Forschung integrieren. Dabei hilft der Blick über den Tellerrand: Die Einbeziehung unterschiedlicher "kultureller Kodierungen" der Internet-Nutzung, in unserem Fall des russischen Internet, verhindert die Tradierung automatisierter Verhaltensweisen. Diese interkulturellen "Optionen" sind für die westliche Wissensgesellschaft, die sich so gerne als Motor des weltweiten Fortschritts sieht, ihrerseits von Bedeutung. Denn oft werden unter scheinbar ungünstigen Bedingungen besonders kreative Möglichkeiten der Nutzung des Internet entwickelt. Dies gilt zumal für den Bereich der sozialen oder kooperativen Ästhetik, also der gemeinschaftlichen Nutzung vernetzter Kommunikationstechnologien, die in den individualisierten und medien-gesättigten Gesellschaften westlichen Typus häufig in den Hintergrund tritt. Russian-cyberspace.org wird von der VolkswagenStiftung gefördert.
Henrike Schmidt, Leiterin des Projektes Russian-Cyberspace.org
am Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur der Ruhr-Universität
Bochum, widmet sich schwerpunktmäßig zeitgenössischer
russischer Kultur und Literatur, insbesondere moderner Lyrik und russischer
Internetkultur. Zur Person von Dr. Katy Teubener Katy Teubener, Mitarbeiterin des Projektes Russian-Cyberspace.org am Institut für Soziologie der Universität Münster, beschäftigt sich neben Fragestellungen zum Strukturwandel der Öffentlichkeit durch Neue Medien mit innovativen Formen computergestützter Kommunikation und Kooperation in nationaler sowie internationaler Forschung und Lehre.
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