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Site-Portraits | ||||||||||
Der Tel Aviv Schriftstellerklub Format Die Ressource ist ansprechend und lebendig gestaltet, ihr Aufbau stringent. Schon auf der Startseite empfängt die LeserInnen neben einer Fotografie Tel Avivs das Panorama der achtundzwanzig AutorInnen, die zu den "Berufsschriftstellern des russischsprachigen Israel“ zählen. Die Hauptseite betritt man durch einen Klick auf das Enter-Symbol.
Der Navigation auf der Seite dient eine einfache Menüleiste. Die Materialien der Rubrik "Kritik“ sind auf demokratische Art und Weise in alphabetischer Reihenfolge angeführt. In den Foren des Klubs und des Journals "22“ sowie im Gästebuch ist Feedback erwünscht; Rüpeleien sind aber in jedem Falle zu vermeiden, worauf das Bild eines durchgestrichenen Schweins hinweist. Die Foren werden moderiert. Der Zugriff auf die interaktiven Möglichkeiten der Seite erfordert eine Anmeldung, wird mancherorts ohne Genehmigung auch verwehrt. In den Foren trifft man auf Nicknames, unter den Akteuren der Ressource jedoch nicht. Eventuellen Ansprüchen derjenigen, deren Texte nicht gewürdigt und abgelehnt wurden, kommt man zuvor: "Im Falle der Ablehnung Ihrer Texte, bitten wir Sie inständig nicht zu fluchen, keine empörten Briefe zu schicken und nicht mit göttlichen Strafen zu drohen. Das bringt nichts.“ Die Devise des Gästebuches lautet: "Grafologie nicht in Grafomanie ausarten lassen!“ Mit einer eigenen Rubrik ist die so genannte Literaturwerkstatt der "Sonneninsel“, eines befreundeten israelischen Online-Journals, vertreten. Dieses Projekt "bietet die Möglichkeit der Rezension eines beliebigen Textes durch einen professionellen Literaten - einem so genannten "Diensthabenden der Werkstatt“ - und informiert auch über Neuigkeiten aus dem Klub-Leben. In der Rubrik "Galerie“ sind zeitgenössische Fotoarbeiten und Bilder ausgestellt, die thematisch mit Israel in Verbindung stehen.
Zu den Zielen der Ressource zählt weder die Gründung einer literarischen Internet-Community noch die Integration der russischsprachigen literarischen Diaspora in den russischen Kontext. Die geographische Lokalisierung – Israel, Tel Aviv – erfüllt eine selektive und akkumulative Funktion in der Strukturierung des Inhalts. Qualitatives Kriterium für die Zusammenstellung des Inhalts ist ein dokumentierter Professionalismus. Die multimedialen und interaktiven Möglichkeiten des Internet werden maßvoll genutzt. Die Werte und Verhaltensregeln für das "Online“-Leben werden auf der Site kategorisch befolgt. Für das Internet typische Formen der Visualisierung und Verbalisierung werden nicht genutzt. Auch richtet sich das Projekt an keine spezielle Zielgruppe. Das Design der Site ist pragmatisch, stützt sich auf keine historischen oder künstlerischen Traditionen. Die Ressource wird regelmäßig aktualisiert. Kontext Der Schriftsteller Jakow Schechter ist Vorsitzender des Klubs und genießt unter den Akteuren dieser Vereinigung ein hohes Ansehen. Er beschreibt dessen Ziele und Aufgaben in einem für die "Babylonische Bibliothek“ geführten und in der Zeitschrift "Westi“ [Nachrichten] veröffentlichten Interview folgendermaßen:
Zwei Jahre später haben sich Situation und Pläne des Klubs ein wenig geändert. In einem besonderen Appell auf der Site formuliert der Vorsitzende die Aufgaben und Regeln, die das Bestehen des Klubs ausmachen folgendermaßen:
Die Situation der Emigrationsschriftsteller, die ihre Zugehörigkeit zur neuen Heimat drastisch empfinden und doch fortfahren auf Russisch zu schreiben, wird von Schechter gewissermaßen idealisiert. Gleichzeitig lässt er keine Vereinfachungen gelten.
Die Betrachtung aller Facetten des entsprechenden schöpferischen Prozesses führt zur Selbst-Identifikation Schechters sowie der anderen Akteure des Klubs mit der russischsprachigen jüdischen Literatur: "Wie soll man bestimmen, ob diese Texte der jüdischen Literatur, der Literatur über die Juden oder der von Juden geschriebenen Literatur zuzuordnen sind? Mir scheint, dass es hier nur ein Hauptmerkmal gibt: die Widerspiegelung der jüdischen Selbsterkenntnis in künstlerischer Form. Meines Erachtens ist eben dies das Hauptkriterium der Zugehörigkeit zur jüdischen Literatur, und nicht die Nationalität des Autors.“ Das Verhältnis des offline operierenden Klubs zu der eigenen Internetseite trägt den Beigeschmack eines kaum verborgenen väterlichen Stolzes und einer gewissen Hoffnung auf die Kompensation dessen, was Schechter als ein nützliches Fehlen jedweder Bekanntheit bezeichnet: "Inwieweit unsere literarische Arbeit für das lesende Publikum interessant ist, kann man anhand der Besucherzahl der Internetseite unseres Klubs beurteilen. Diese Zahl wächst beständig und hat schon die fünfzehntausend pro Monat überstiegen. Geographisch gesehen – ungefähr fünfzig Länder. Das sind für eine literarische Seite überaus beeindruckende Zahlen.“ Das Internet wird dennoch nicht einfach als ein erweitertes Publikationsmedium
verstanden und genutzt, wie die die literarische Tätigkeit Schechters
selbst zeigt. Im Jahr 2000 wurde sein Werk |
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