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Nicht nur um kulturelle und literarische,
sondern auch um kulinarische Kontexte geht es auf der Internet-Seite
der in Japan lebenden russischen Literaturwissenschaftler Wadim Smolenski
und Dmitri Kowalenin. Neben einer Einführung in die Kunst der Zubereitung
wie des Verzehrs der japanischen Sushi erhält der Leser Kostproben der
zeitgenössischen japanischen Literatur, die ihm übersetzt in mundgerechten
Stücken dargeboten wird.
Im Gegensatz zu anderen
russischsprachigen Internet-Publikationen der Emigration bietet Sushi.ru
somit weniger ein Forum für russischsprachige SchriftstellerInnen
in Japan, als vielmehr einen Treffpunkt für russische Fans der japanischen
Küche und Kultur. Schließlich erfreuen sich die Minimalismen der japanischen
Poesie gerade in der zeitgenössischen russischen Literatur einer großen
Beliebtheit. Doch pflegt Sushi.ru nicht nur die kleine Form:
die Seite kann in gewisser Weise als Homepage des japanischen Romanciers
Haruki Murakami betrachtet werden. Gleich mehrere seiner Werke sind
hier in der Übersetzung durch Kowalenin auf Russisch online zugängig.
Der Roman Schafsjagd [Ochota na owec] wurde in Moskau zum Verkaufsschlager
des Jahres 2000. Sushi.ru ist somit mehr als nur eine unterhaltsame
und liebevoll gepflegte Privat-Publikation im russischsprachigen Internet.
Sie verdeutlicht, auf welch vielfältige Art und Weise das neue Medium
zwischen den Kulturen vermitteln kann. Und schließlich weist die Seite
noch eine weitere Kuriosität auf: Smolenski läßt die mittelalterliche
Kunst einer ars memorativa wieder aufleben und verfaßt mnemotechnische
Novellen. Ungeachtet ihrer Pragmatik, nämlich die englische Sprache
in erzählerischer Form zu vermitteln - und das im übrigen auf Russisch!,
beanspruchen die Texte durchaus eigenen literarischen Wert. Die Publikation
erhielt im Jahr 2001 den ersten Preis des Intel-Internetwettbewerbs
der Russländischen Akademie für das Internet (RAI) in der Kategorie
"Literatur".
H.S.
Stand Juni 2003, freie
Analyse ohne Leitfaden

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