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 Moskowskije pisatelji - Moskauer Schriftsteller

Die Internetseite "Moskauer Schriftsteller“ wurde im September 2001 von dem Moskauer Autor G. G. Gacura, der auch jetzt noch Betreiber der Site ist, ins Leben gerufen. Bei dieser Ressource handelt es sich um die offizielle Informationsseite der sechs (!) Moskauer Schriftstellerverbände, die insgesamt über 3500 Mitglieder in und um Moskau vertreten. Das Projekt wird von der Gewerkschaftsleitung des Moskauer Schriftstellerverbandes - Gacura hat dort das Amt des stellvertretenden Direktors inne -, der Organisation des Moskauer Schriftstellerverbandes und der Internetfirma Yandex unterstützt. Weiterhin zählen verschiedene Moskauer AutorInnen zu den Förderern. Trotz der Zugehörigkeit zu dem Moskauer Webring "Graschdanskaja set“ [Bürgerliches Netz], das von der analytischen Abteilung des Moskauer Bürgermeisters als Informationsnetzwerk ins Leben gerufen wurde, besteht bei der Unterhaltung dieses scheinbar auf Enthusiasmus beruhenden Projekts ein Mangel an finanziellen Mitteln. So sucht man zum Beispiel mit dem Angebot von "Werbefläche“ Sponsoren für die technische Verbesserung der Seite zu gewinnen. Verlinkt ist "Moskowskije pisatjeli“ des Weiteren mit Yandex, Rambler.ru, mail.ru, SpyLOG, hotlog, aport und Allbest.ru, den großen Suchmaschinen also.

Die Ressource, die auch in englischer Übersetzung existiert, trägt primär informativen Charakter, ist frei zugänglich und richtet sich an AutorInnen, Verlage und interessierte LeserInnen. Laut den Angaben auf der Site erfreut sich "Moskowskije pisatjeli“ neben Besuchern aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten eines weltweiten Publikums. Aufschluss über die Pflege der Site und die Häufigkeit ihrer Aktualisierung wird nicht gegeben. Es bestehen keine Diskussions-, Kritik- oder Mitgestaltungsmöglichkeiten für die LeserInnen/BesucherInnen. Kontaktaufnahme mit dem Betreiber der Ressource ist lediglich per E-Mail möglich. Der auf der Seite verwendete sprachliche Stil ist, dem informativen Charakter entsprechend, sachlich-neutral gehalten. Neben der Aufgabe "zu informieren“ verfolgt man kein weiteres konkretes Konzept. Das Informationsangebot ist breit gefächert und reicht von der Geschichte der Schriftstellerverbände der Sowjetunion und des gegenwärtigen Russland bis hin zu einzelnen Literaten und ihren Werken. Es bestehen umfangreiche Listen über die Moskauer Schriftstellerverbände, deren Leiter und AutorInnen sowie die entsprechenden Kontaktadressen. In Zusammenhang mit diesen Verbänden sind auch die verschiedenen Literatur-Preise, die diese ausloben, aufgelistet und erklärt.

Vertreten sind mit ihren Biographien und Werken auch KritikerInnen, LiteraturwissenschaftlerInnen, PublizistInnen, ÜbersetzerInnen und solche Moskauer AutorInnen, die keiner der Schriftstellervereinigungen angehörig sind. Allerdings sind die Informationen oft unvollständig oder lückenhaft. Weiterhin gibt es Rubriken, in denen Fotos und Anekdoten gesammelt werden. Schließlich informiert man über Projekte auf dem Gebiet der Buchgrafik und des Web-Designs, werden in einer weiteren Unter-Rubrik Angaben zu aktuellen literarischen Veranstaltungen gemacht. Im Rahmen der Ressource wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Urheberrechte der Autoren zu wahren und bei Zitaten entsprechende Verweise anzugeben sind.

Das Design der Seite wirkt überladen und amateurhaft, verwendete Bilder und Hintergrundgrafiken in den einzelnen Rubriken erschweren mehr die Überschaubarkeit und Lesbarkeit, als dass sie dekorativen Zwecken dienten. Auch die Struktur, die keinem besonderen Prinzip zu unterliegen scheint, ist der Orientierung und Navigation auf der Seite eher abträglich. Die auf der Startseite verwendete Symbolik (russische Flagge; zweiköpfiger Adler; Grigori, der Drachentöter) und die Bildelemente (Ausschnitt eines Gemäldes von Moskau), die zunächst einen Bezug zum historischen Russland herstellen, werden in den folgenden Rubriken nicht konsequent weiterverfolgt. Die Identifikation der Stadt Moskau als Metropole und politische Hauptstadt Russlands wird offen in Szene gesetzt. Die (fehlende) Professionalität des Web-Auftritts dieser Berufsorganisation der Moskauer SchriftstellerInnen macht hingegen deutlich, dass dem Internet hier als einer Form der literarischen Öffentlichkeit keine besondere Bedeutung zugemessen wird beziehungsweise andere Institutionen diese Funktion übernommen haben.

M.B.

Stand Sommer 2004