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 Schriftstellervereinigung Laurence Sterne

Die Schriftstellervereinigung Laurence Sterne [Literaturnoe ob-edinenie im. L. Sterna] versammelt(e) junge russischsprachige AutorInnen unter einem gemeinsamen virtuellen Dach. Im Gegensatz zu Babylon oder Speaking-in-tongues steht hier jedoch nicht der biblische Mythos Pate, sondern die literaturhistorische Tradition. Das innovative und experimentelle Werk des englischen Schriftstellers Laurence Sterne (1713-1768), dessen Roman Das Leben und die Ansichten Tristram Shandys in Russland im 18. und 19. Jahrhundert Furore machte, dient als Inspiration und Leitbild. Die Organisationsform dieses "Klubs der jungen Dichter" ist im Vergleich zum überwiegenden Teil der Netzpublikationen recht restriktiv: es handelt sich um einen literarischen Salon nach dem Prinzip der "geschlossenen Gesellschaft". Nur wenige AutorInnen werden nach eingehender Prüfung ihrer Werke in den Klub aufgenommen. Auf den Seiten der Schriftstellervereinigung werden ausschließlich Texte von diesen "Klub-Mitgliedern" vorgestellt. Dabei handelt es sich in der Regel um "works in progress", Texte also, die im Entstehen begriffen sind und bisweilen harter Kritik durch die schreibenden Kollegen unterzogen werden. Leiter dieses "virtuellen Seminars" ist der St. Petersburger Literat Aleksandr Schitinski, in dessen Verlag auch Publikationen der hier versammelten Jung-Schriftsteller erscheinen. Die Internet-Öffentlichkeit ist im Gegensatz zu vielen anderen literarischen Projekten in ihrer aktiven Teilnahme auf den Gästebuchkommentar beschränkt. Die vielfältig diskutierten Tendenzen zu einer Beschneidung der grundsätzlich offenen Struktur des Internet werden hier besonders deutlich, ebenso wie die Aktivitätsschwankungen, denen insbesondere die interaktiven Web-Ressourcen unterliegen: Die Schrifstellervereinigung Laurence Sterne hat im Jahr 2001 kaum mehr Lebenszeichen von sich gegeben.

H.S.

Stand Juni 2003, freie Analyse ohne Leitfaden