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Das Bewusstsein des Internet ist kartographisch.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Geschichte des Unterhaltungsportals
"Tschertowy Kulitschki", was sich sinngemäß in etwa mit "Der
Teufel weiß wo: am Rande der Welt" übersetzen lässt. So wird der
Internetsurfer sofort mit der räumlichen Dimension des scheinbar doch
raumlosen Netzlebens konfrontiert. Das Portal entstand aus dem Klub
der Husaren, einer informellen Vereinigung von Usern aus Russland,
den Vereinigten Staaten, Israel, Europa, dem Baltikum und den GUS-Staaten.
Seit den Anfängen im Jahre 1996 blüht in den Tschertowy Kulitschki
eine geografische Metaphorik: Die ersten Mitarbeiter des Projekts
"fahren nach Kulitschki um das Neuland urbar zu machen", "gründen
die Hauptstadt", und nach den ersten Jahren erfolgreicher Tätigkeit
nennt man das Ganze sogar einen "Archipel" - eine Gruppe einer
Vielzahl selbstständiger Seiten. Dieser "Archipel" wurde 1998
von der amerikanischen Zeitschrift Wired als das beste Unterhaltungsportal
des RuNet gefeiert, mehr als 300.000 Besucher pro Vierteljahr stellte
allein das russische Publikum. Die Bewohner dieser virtuellen Inselgruppe
entwickelten sogar eine "Metro",
deren Plan aber sehr an Moskau erinnert. 1997 zog das populäre Portal
aus Amerika nach Russland um, die Peripherie wird zum Zentrum.
Die literarische Linie der Kulitschki-Metro
verbindet mehrere Haltestellen miteinander. Die "freie
Stadt Limerick" ist eine davon und setzt die geografische Metaphorik
fort - hier finden sich eine Vielzahl in spielerischer Form präsentierter
Limericks zu sämtlichen Themen des städtischen Lebens vom Rathaus bis
zum Bordell. Allerdings ähnelt die hübsch gestaltete Ressource einer
Totenstadt, wird sie doch seit 1998 kaum mehr aktualisiert und befindet
sich heute im Archiv von Kulitschki. Eine weitere Haltestelle
ist die periodische literarische Zeitschrift Periferija, die
als offenes Forum den Kontakt und die Mitarbeit ihrer LeserInnen sucht.
E.B.
Stand Juni 2003, freie
Analyse ohne Leitfaden
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