Die Stadt
Ferghana
ist ein wichtiger Punkt auf der geografischen
Karte
Usbekistans. Sie hat ca. 250.000 Einwohner und besitzt eine gut
entwickelte Industrie. Auf der geopoetischen Karte des russischen
literarischen Internet erscheint
die
Seite der Ferghaner Schule als ein "winziges" und nicht
destotrotz wichtiges Zentrum: Die Bibliothek dieser Schule ist klein
und umfasst nur acht Namen, ist aber trotzdem empfehlenswert. Die
Literatur der Ferghana-Schule wird zu Recht dem russischen Kontext
zugeordnet, auch wenn sie sich gemäß ihrer
Selbstcharakterisierung
an der angelsächsischen Literatur und der Poesie des Mittelmeerraumes
orientiert und somit zu einem kosmopolitischen Gemisch tendiert, das
man auch in der eigenen Historie als einem Schmelztiegel der Kulturen
begründet sieht. Die Bevorzugung dieser historischen Realität gegenüber
der sozialen ist nicht unbegründet: Zwei der Hauptakteure des Projektes,
die Journalisten Abdullajew und Kislow, waren vor einigen Jahren von
der Redaktion einer der ältesten und bedeutendsten Zeitschrift Mittelasiens
Zwezda
Wostoka wegen Non-Konformismus entlassen worden. Die besten ihrer
damaligen Publikationen werden jetzt in der zeitlosen Virtualität
des Internet präsentiert. Trotz oder gerade wegen ihres diasporischen
Status und der Verwurzelung in verschiedenen Kulturen stellen die
ferghanischen Künstler ihr Schaffen nachträglich unter den in den
neunziger Jahren von der Kritik "erfundenen" Namen der "Ferghana-Schule".
E.B.
Stand Juni 2003, freie Analyse ohne Leitfaden



