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 Cyrano

Der ironische Blick auf die melancholische Gestimmtheit der Welt und der Literatur bewegte eine Reihe von Autoren der  Literarischen Vereinigung Laurence Sterne zur Gründung eines eigenen Almanachs für ironische Literatur, die sich "nicht die Heilung der Schwären und Wunden der Welt" zum Ziel gesetzt hat. Ironie sei dabei keinesfalls zu verwechseln mit Humor, so das Kredo der Publikation, die dabei angesichts der Popularität humoristischer und anekdotischer Literatur im russischen Internet einen ständigen Balanceakt zu vollbringen hat. In der Tradition Cyrano de Bergeracs stellt der Almanach eine Auswahl verschiedener Textsorten und Genres vor, sowohl von zeitgenössischen russischen Autoren, als auch in einer Chrestomatie russischer und fremdsprachlicher Texte von Villon bis Brodski. Die graphisch aufwendig und sehr schön gestaltete Seite präsentiert neben verschiedenen Rubriken für Prosa, Poesie, Parodien, Essays oder Aphorismen einen gesonderten "literarischen Freiraum", die Voliere, in der die Redakteure des Almanachs ihren ganz eigenen Internet-Text aus ironischen Anmerkungen und Verwechselspielen in Szene setzen. Die institutionelle und personelle Verknüpfung des elektronischen Almanachs mit anderen literarischen Ressourcen des russischen Internet ist groß, viele der Redakteure und Autoren sind maßgeblich an weiteren Literaturprojekten beteiligt. Doch scheint die Publikation, die auch am "Ring Literarischer Web-Ressourcen"  Literosphäre beteiligt ist, ihre Blütezeit bereits im Sommer 1999 erlebt zu haben. Einige wenige neue Texte wurden auf der Seite zuletzt im Frühjahr 2001 publiziert. Und so steht Cyrano als unfreiwillig ironisches Mahnmal für die Vergänglichkeit der Internet-Welt.

H.S.

Stand Juni 2003, freie Analyse ohne Leitfaden