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 Babylon

Die literarische Seite Babylon versteht sich als "Klub der lebenden Dichter", als Vertretung der jungen russischsprachigen Literatur im Internet. Der Name ist dabei gleichsam das Programm: ein Anliegen der Zeitschrift ist die Ko-Existenz verschiedenster "künstlerischer Sprachen", babylonische Sprachenvielfalt eben. Neben avantgardistischen Wortspielereien finden sich deshalb auch Formen traditioneller Literatur, da diese sich - Zitat - noch lange "nicht erschöpft hat". Das Schwergewicht liegt denn auch im Bereich der Poesie. Vertreten sind unter anderen so bekannte Autoren wie Nikolai Baitow, Gennadi Aigi, Wiktor Kriwulin oder - für den Bereich der Prosa - Pawel Krusanow, dessen Roman "Der Biss des Engels" [Ukus angela] in den vergangenen Jahren innerhalb der russischen literarischen Szene für Aufsehen sorgte. Verantwortliche Redakteure sind Dmitri Kusmin und Daniela Dawydow.

Im Gegensatz zu Web-Seiten eher postmodernen Stils, die den Zusammenstoß von hoher und "niedriger" Kultur zelebrieren, pflegt Babylon einen bewußt elitären Anspruch. Im Zuge der viel beschworenen Professionalisierung des russischsprachigen Internet geht es den Initiatoren darum, die Präsenz junger vielversprechender Autoren in den Weiten des literarischen Cyberspace zu stärken und gegen das literarische "Graphomanentum" zu verteidigen. Babylon versteht sich dabei explizit als Mittler zwischen on- und offline-Literatur. Schriftsteller, die noch nicht im Internet publiziert haben, finden hier eine Plattform für den Sprung ins Netz. Gleichfalls soll jedoch auch literarischen Internet-Größen der Weg ins Reich des Papiers eröffnet werden. Die Zeitschrift, die bereits seit 1989 existiert, erscheint deshalb sowohl in einer elektronischen Version als auch in Form von Sammelbänden im Druck. Sie verfügt über verschiedene Rubriken: ergänzend zu den Dossiers der einzelnen Autoren werden die aktuellen Ereignisse des literarischen Lebens in Moskau angekündigt und kommentiert. Obwohl die Initiatoren und Redakteure des Projektes die Existenz einer spezifischen Internet-Literatur (Stichwort Seteratura) vehement bestreiten, finden sich auf ihrer Seite auch einige Hinweise auf reine Netz-Projekte, mit denen die Zeitschrift "sympathisiert". Die künstlerische Gestaltung der Seite übernahm das Studio des in russischen Internet-Kreisen bekannten Designers Artjemi Lebedjew.

Babylon gehört bis heute zu den erfolgreichsten russischen Internetressourcen literarischen Profils und bietet dem Besucher eine Fülle von Informationen und Texten, die sorgfältig recherchiert und regelmäßig aktualisiert werden.

H.S.

Stand Juni 2003, freie Analyse ohne Leitfaden