Den Transfer beflügeln
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Hochschulen in Deutschland sind nicht nur Stätten exzellenter Forschung und Lehre, sondern auch Partner der Wirtschaft und stärken über den Technologietransfer die Innovationskraft der Unternehmen.
Die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung der Hochschulen sind für viele Unternehmen eine wichtige Quelle für neue Produkte und Prozessinnovationen. Daher wirken die Hochschulen in der Region und auch darüber hinaus als Motor für Wachstum und Beschäftigung.
Bund und Land fördern die Zusammenarbeit von Hochschule und Wirtschaft durch entsprechend ausgerichtete Förderprogramme und strukturelle Maßnahmen. Aber auch die Hochschulen unterstützen den Transfer von Innovationen in die Wirtschaft durch vielfältige Aktivitäten. Dabei findet der Innovationstransfer auf verschiedensten Ebenen statt.
Der häufigste und effizienteste Weg des Transfers ist sicherlich die direkte Kooperation zwischen wirtschaftsnah ausgerichteten Lehrstühlen und Unternehmen.
Gemeinsame Projekte, aber auch der Transfer von Wissen über Köpfe bilden dabei die Basis für eine langfristig angelegte Zusammenarbeit.
Auf der anderen Seite sind Transferstellen, zentral in den Hochschulverwaltungen angesiedelt, häufig erste Ansprechpartner für Unternehmen. Sie beraten im Vorfeld einer Kooperation und begleiten gegebenenfalls die Projekte. Die Transferstellen sind auch für Wissenschaftler Ansprechpartner für Themen wie Patentierung und Gründung.
Neue Wege des Transfers hat die Ruhr-Universität Bochum 1998 mit der Gründung der rubitec – Gesellschaft für Innovation und Technologie mbH beschritten und die Aufgaben des Technologietransfers in eine eigenständige Gesellschaft überführt. Als hundertprozentige Tochtergesellschaft war die rubitec die erste Gesellschaft dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Angesiedelt auf dem Campus ist die Gesellschaft eng mit der Universität verbunden und mit mittlerweile 18 Mitarbeitern fest am Markt etabliert.
Die rubitec betreibt Technologietransfer unter kommerziellen Gesichtspunkten und ist auf verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv. Sie initiiert und managt Forschungs- und Entwicklungsprojekte, bewertet, schützt und vermarktet Erfindungen, vermarktet Produktentwicklungen aus den Lehrstühlen, bietet technische Dienstleistungen an und unterstützt in vielfältiger Weise Ausgründungen von Hochschulwissenschaftlern. Der Mix aus Unterstützung der Wissenschaft und kommerzieller Tätigkeit macht dabei den besonderen Reiz aus.
Kritisch bleibt jedoch anzumerken, dass der Rahmen für die Kooperation von Hochschulen mit der Wirtschaft zunehmend durch rechtliche Vorgaben bestimmt wird. Dabei spielen neben strukturellen mittlerweile auch wettbewerbsrechtliche Vorgaben eine wichtige Rolle, wie sie der „EU-Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen für Forschung und technologische Entwicklung“ vorgibt. Die Forschung für oder mit Unternehmen zählt als Auftragsforschung zu den wirtschaftlichen Tätigkeiten der Hochschule, die zu Marktpreisen oder marktgerechten Bedingungen ausgeübt werden müssen. Zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen sind die Hochschulen zudem gehalten, allen Unternehmen ihre Leistungen zu gleichen Rahmenbedingungen anzubieten. Der mit Transfervorhaben einhergehende formale Aufwand nimmt immer weiter zu, und die Regelungsdichte ist mittlerweile so hoch, dass die ursprüngliche Zielsetzung, Innovationen aus der Forschung rasch in Wachstum und Beschäftigung umzusetzen, sicherlich vielfach nicht mehr erreicht wird.
Mit dem vorliegenden Heft möchten wir Ihnen, trotz einiger kritischer Anmerkungen, einen kleinen Ausschnitt aus den Transferaktivitäten der Ruhr-Universität Bochum vorstellen. Wir haben für Sie ein interessantes Spektrum unserer Arbeit zusammengestellt, mit dem wir die Leistungen der Ruhr-Universität im Bereich des Technologietransfers unter Beweis stellen möchten.
Über Ihr Interesse und Ihre Rückmeldung würden wir uns freuen.
Dr. Karl Grosse, Geschäftsführer
rubitec GmbH
