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Der Boom der wilden Walnuss

Bis 2002 war in Bochum nur ein einziger wilder Walnussbaum bekannt. Heute sind es unzählige – die Walnuss boomt. Wieso, das untersucht Ingo Hetzel vom Geographischen Institut der Ruhr-Universität. Von Herten über Recklinghausen und Herne bis nach Bochum erstreckt sich sein Untersuchungsgebiet. In fast jedem Wald wachsen hier Walnussbäume, doch keiner ist älter als acht Jahre. Ab 2007 gibt es einen regelrechten Boom, der Forschern Rätsel aufgibt. Ingo Hetzel verzeichnete alle gefundenen Walnussbäume, vermaß und fotografierte 520 von ihnen. Er maß den Lichteinfall mit einem „Sonnenschein-Sensor“, analysierte die Umgebung, nahm Bodenproben und analysiert deren Nährstoffgehalt. Eine Auswertung der Klimadaten für Bochum seit Anfang des 20. Jahrhunderts ergab einen ersten Anhaltspunkt: Seit 1999 lässt sich eine sprunghafte Erwärmung nachweisen, mit mehr warmen und weniger Frosttagen. Die Wärme dürfte der Vermehrung der Bäume zugutegekommen sein. Als alleinige Erklärung kann das Klima aber nicht dienen. Denn auch nach dem harten und langen Winter 2009/10 gab es wieder reichlich Walnuss-Nachwuchs in den Wäldern. Der Geograph forschte weiter. Zu fast jedem wilden Walnussbaum fand er einen „Mutterbaum“, der in einem Garten steht, und kam auf die Idee, die jeweiligen Besitzer zu befragen. Viele von ihnen waren gar nicht überrascht, dass sich die Walnuss so munter fortpflanzt. „Ist doch klar – es gibt ja auch viel mehr Eichhörnchen!“, hieß es oft. Die Nüsse sind für Eichhörnchen ein willkommenes Nahrungsmittel, das sie für den Winter verstecken, dann aber oft vergessen. Je mehr Eichhörnchen, desto mehr Aussaat, könnte man vermuten.