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Stoßfrei durch die Nanostruktur
Die kleinste Silizium-Brücke der Welt steht in Bochum. Mit
unkonventionellen Präparationstechniken werden schon heute
Strukturen hergestellt, deren Maßstab Atomabstände bilden.
Doch in diesen ultrakleinen Dimensionen können Elektronen Wellencharakter
zeigen. Die Folge sind neue, so genannte Quanteneigenschaften. Ob
diese auch zu einem "Quantensprung" in die Nanoelektronik-Ära
führen, ist noch ungewiss - und doch schon heute Gegenstand
der Forschung.
Seit Einführung der integrierten Schaltungen, der Silizium-Mikrochips,
werden ihre Einzelbauelemente regelmäßig immer kleiner:
Etwa alle fünf Jahre verringern sich die Strukturabmessungen
auf die Hälfte (Abb. 2).
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Abb. 2:
Halbleiter-Mikrochips werden immer kleiner: Die Prognosen der
,,SIA Roadmap for Semiconductors" (leere Punkte) und ihre
Extrapolation über 2014 hinaus sind jedoch ungewiss. Die
Farbskala zeigt den Übergang von klassischen Bauelementen
zu solchen auf der Basis von Quanteneffekten. Strukturerzeugung
(rechts) durch Hochdrucklampen (HL), Excimerlaser (EL) verschiedener
Wellenlänge oder Plasmaquellen (PQ). ,,EXP" sind beschriebene
experimentelle Verfahren. |
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Betrugen sie 1970 noch rund 15 µm (1 Mikrometer = 0,001 Millimeter),
werden sie in wenigen Jahren die magische Grenze von 0,1 µm
oder 100 nm (1 Nanometer = 0, 000 001 Millimeter ) unterschreiten
und das Zeitalter der ,,Nano"- Elektronik einläuten. Wird
das immer so weiter gehen oder gibt es unüberwindliche physikalisch-technische
Grenzen? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Chiphersteller,
sondern auch einige tausend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
die weltweit auf dem Gebiet der Halbleiter-Nanotechnologie tätig
sind. Wenn auch eine schlüssige Antwort derzeit nicht gegeben
werden kann, so sind doch Teil-Antworten möglich. Zum einen
sind industriell anwendbare lithographische Verfahren zur Strukturgebung
unterhalb von etwa 100 nm noch nicht verfügbar, unter etwa
10 nm gibt es Ansätze von Herstellungsprozessen im Forschungslabor.
Doppelnatur: mal Teilchen, mal Welle
Zum anderen macht sich in Nanostrukturen die "Doppelnatur"
der Elektronen bemerkbar, die nicht nur Teilchen, sondern auch Wellencharakter
besitzen können. In ultrakleinen Strukturen treten unter bestimmten
Bedingungen Elektronenwellen (Abb. 3) auf, die interferieren, d.h.
sich verstärkend oder auslöschend überlagern und
damit zu neuen, sog. Quanteneigenschaften in elektronischen Bauelementen
führen.
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Abb. 3:
Stehende Elektronenwellen quer zur Engstelle einer Halbleiter-Nanostruktur.
Durch die seitliche Begrenzung der Struktur entsteht ein Potentialminimum
(schwarze Kurve), in dem die Welle ortsfest "steht".
Die Zahl der Knoten bestimmt die Energie der Elektronen, sie
ist hier durch die Lage der jeweiligen Grundlinie der Wellen
wiedergegeben. |
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Elektronenwellen können "Hindernisse" überwinden
- sie "durchtunneln" , wenn diese nicht wesentlich länger
sind, als die Wellenlänge des Ladungsträgers selbst. Hindernisse
für die Elektronen stellen in der Nanostruktur die verschiedenen
elektrostatischen Potentiale (potentielle Energie) dar. Elektronen
bewegen sich in der Nanostruktur wie in einer "Potentiallandschaft"
mit Hügeln und Tälern.
Auch die sog. Coulomb-Abstoßungskraft zwischen den geladenen
Elektronen kann in Nanostrukturen zu Einzelelektroneneffekten führen,
die in herkömmlichen Bauelementen keine Rolle spielen: Wenn
ein kleiner Raumbereich von Potentialwänden umgeben ist und
so eine Potentialmulde ("Quantenpunkt") gebildet wird,
kann diese nicht mehr kontinuierlich mit Elektronen angefüllt
bzw. geladen werden. Das Hinzufügen des nächsten Elektrons
erfordert eine zusätzliche ,,Coulomb-Energie", die umso
größer sein muss, je kleiner der Quantenpunkt ist, weil
sich die Ladungsträger immer schwerer ausweichen können.
Für Chiphersteller ein Problem, für Forscher eine Spielwiese
Das Auftreten der ungewohnten Effekte ist für die Chiphersteller
ein großes Problem, denn will man die neuen Eigenschaften
zukünftig nutzen, dann müsste ein komplett neuer Baukasten
von Modellen zur Simulation der Bauelemente zur Verfügung stehen.
Für die Forschung hingegen eröffnen diese Effekte eine
Spielwiese sowohl für ein grundlegendes Studium der elektronischen
Eigenschaften von Nanostrukturen als auch für die Entwicklung
neuartiger Bauelemente.
Unsere Bemühungen um die Herstellung von Halbleiter-Nanostrukturen
konzentrieren sich von Anfang an auf experimentelle Strukturierungsverfahren
(s. Abb. 2), denn eine hohe Stückzahl je Zeit wie z.B. 50 Wafer
pro Stunde im industriellen Prozess spielt hier ebenso wenig eine
Rolle wie eine hohe Ausbeute an funktionierenden Proben. Ziel sind
dagegen die besonders kleinen Strukturen, soll doch gerade die ,,terra
incognita" dieser ultrakleinen Abmessungen erforscht werden.
Eine der verwendeten Techniken ist die seit Jahrzehnten etablierte
Elektronenstrahllithographie. Grundlegende Verbesserungen bei der
Erzeugung und Formung des Elektronenstrahls machen dieses Verfahren
heute gerade für das Forschungslabor interessant. Die Technik
beruht auf einem Rasterelektronenmikroskop (REM), das zum Abbilden
kleiner Strukturen ohnehin unverzichtbar ist (Abb. 4).
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Abb. 4:
Bei der Arbeit im sog. Reinraum: Das wichtigste Arbeitsgerät
ist das Rasterelektronenmikroskop (REM) eigentlich zum Abbilden
kleiner Strukturen gedacht, "zeichnet" es hier die
Nanostrukturen vor. |
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Durch ein Zusatzgerät kann mit dem fokussierten Elektronenstrahl
entlang vorgegebener Linien und Flächen über eine Probe
,,geschrieben" werden, die zuvor mit einem Polymerfilm von
einigen 10 nm Dicke beschichtet wurde. Die auftreffenden Elektronen
zerschlagen die Molekülketten des Polymers in kleine Bruchstücke.
Nachdem diese in einem Entwicklerbad herausgelöst wurden, liegt
der Halbleiter dort bloß und kann durch Ätzen in einer
wässrigen Lösung angegriffen werden. Dabei entsteht unter
den Linien ein Graben, dessen Abmessungen durch die Form der Öffnungen
im Polymerfilm sowie von der Reaktivität der Ätzlösung
und der Ätzdauer bestimmt wird. Die minimale Strukturbreite
dieses Verfahrens liegt bei etwa 20 nm. Im Vergleich zu den industriell
üblichen Trockenätzprozessen, bei denen die Oberfläche
durch Beschuss mit reaktiven Teilchen abgetragen wird, ermöglicht
Nassätzen mit einer geeigneten Lösung eine viel geringere
Schädigungstiefe an der Halbleiteroberfläche.
Wir haben mit Hilfe der Elektronenstrahllithographie Nanostrukturen
in einem Schichtsystem aus Silizium (Si) und einer Legierung aus
ca. 70% Si und 30% Germanium (Ge) hergestellt.
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