Die Angst des
Profs vor den Noten ...
Die Evaluationsordnung
der Ruhr-Uni nimmt jetzt alle Fakultäten in die
Pflicht
Schlechte Noten, Angst
vor dem Zeugnis was wie ein Thema für Mittelstufenschüler
klingt, ist in Wahrheit auch eines für Lehrende der
Uni. Denn zum Semesterende füllen Studierende Evaluationsbögen
aus, verteilt werden dabei nicht immer nur Bestnoten.
Allerdings: Während Geisteswissenschaftler bislang
kaum die Möglichkeit solcher Zensurvergabe
hatten, wird bei den Medizinern die Bewertung sogar per
Approbationsordnung vorgeschrieben. Was die angehenden
Ärzte schon kennen, ist jetzt auch für alle
anderen Fakultäten ein Muss: Seit 11. Februar diesen
Jahres ist die Evaluation fester Bestandteil des Qualitätsmanagements
an der gesamten Ruhr-Uni.
Evaluation gehört an vielen Fakultäten
zum absoluten Standard, ist sich Prof. Heinrich
Wottawa (Psychologie) sicher. In der Arbeitseinheit Methodenlehre,
Diagnostik und Evaluation blickt er auf jahrelange Erfahrung
mit Instrumenten zur Bewertung zurück. Der Psychologie-Professor
warnt gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen: Wenn
Studenten Bögen ausfüllen, wird die Welt nicht
automatisch besser. Man sollte schauen, was man realistisch
tun kann, damit manches besser wird. Vielmehr will
Wottawa die Evaluation als Instrument zur systematischen
Steuerung von Prozessen verstanden wissen. Lehrende
sollten die Ergebnisse frei von Druck betrachten, sie
als qualitative Hinweise sehen, auf die man als Lehrender
selbst nicht kommt.
Musterfragebogen als Richtlinie
Evaluation gehört aber nicht zur freiwilligen
Selbstkontrolle, sondern ist per Hochschulgesetz
sogar vorgeschrieben. Dr. Marlon Jopp (Abteilung Planung
und Berichtswesen im Dezernat 1) erinnert sich noch
gut an die massiven Vorbehalte gegenüber der Evaluation,
wobei das im Nachhinein gesehen wohl eher an Unklarheiten
lag, wie man institutionell damit umgeht. Er begleitete
auch den Prozess der internen Evaluationsordnung für
die Ruhr-Uni mit. Dieses Werk ist seit Februar in Kraft,
nun sind die Fakultäten an der Reihe. Sie bilden
Evaluationskommissionen, die den Prozess steuern. Spätestens
für das Wintersemester 2006/ 2007 wird auf der
Grundlage dieser Daten die erste flächendeckende
Lehrveranstaltungsbewertung veröffentlicht werden.
Im Turnus von zwei Jahren gehört eine solche Bewertung
zum Qualitätsmanagement der Ruhr-Uni.
Der Prozess, der gerade anläuft, teilt sich in
mehrere Stufen. Zunächst muss natürlich der
Fragebogen entworfen werden falls eine Fakultät
nicht bereits einen solchen besitzt. Wir bekommen
öfter Anfragen zu dem Musterfragebogen, erklärt
Dr. Jopp. Momentan wird noch an einem Prototypen
gefeilt, vor allem beim Datenschutz gibt es viele Fallstricke.
Der Fragebogen gilt nur als Empfehlung für die
Fakultäten. Auch Professor Wottawa ist der Ansicht,
dass ein einheitlicher Bogen für die gesamte Ruhr-Uni
nicht der Weisheit letzter Schluss sein
kann. Zumal es einem Historiker wenig bringt, wenn er
die Frage nach Laborbedingungen beantworten soll.
Marlon Jopp verrät zu dem Evaluations-Skript so
viel, als darin Fragen allgemeinerer Natur abgehandelt
werden, die durch fachspezifische der Fakultäten
ergänzt werden. Der Vorteil an der Übernahme
unseres Musterbogens liegt darin, dass die damit zusammenhängenden
Verfahren zum Umgang mit den Angaben vom Datenschutzexperten
abgesichert sein werden, so Jopp.
Sensibler Umgang mit Daten
Haben sich die Fakultäten dann auf ihr
Fragebogen-Modell geeinigt, sind die Studenten an der
Reihe: Sie bewerten die Qualität der besuchten
Lehrveranstaltungen. Die benoteten Dozenten erhalten
von der Evaluationskommission ein Feedback, das sie
wiederum mit den Studenten diskutieren können.
Der Umgang mit diesen persönlichen Daten ist freilich
ein sehr sensibler. Nur die Leute in der Evaluationskommission
sehen die Rohdaten. Außer an den Dekan oder die
Dekanin dürfen keine dieser Informationen weitergegeben
werden, betont Dr. Jopp. Lediglich aufgearbeitete
Ergebnisse, die Tendenzen darstellen, nie aber die Leistungen
einzelner, fließen in den Lehrbericht ein. Nach
der Auswertung sind wiederum die Fakultäten gefragt,
die Ergebnisse umzusetzen. Einige Hochschulen
knüpfen die Mittelvergabe bereits an die Ergebnisse
der Evaluation, so Jopp, er sagt aber gleichzeitig:
In Bochum ist an so etwas allerdings nicht gedacht.
Weitere Infos zum Muster des Evaluationsbogens
erteilt Marlon Jopp, UV 3/377; Tel. -24128; E-Mail:
marlon.jopp@uv.rub.de.
Die Evaluationsordnung der Ruhr-Uni findet sich unter
www.uv.rub.de/dezernat1/neu/seiten/amtliche/ab585.pdf
Evelyn
Echle
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