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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Grandios unperfekt
Lesetipp:
Roman mit Ausflügen an die Ruhr-Uni
Ein Autor, der an der Ruhr-Uni Germanistik lehrt und
einen seiner Helden ebendort Philosophie studieren lässt
daran kann man nicht vorbeigehen. In seinem
Debütroman Hartmut und ich lässt
Oliver Uschmann den Ich-Erzähler (er arbeitet bei
UPS in Herne) und den Philosophie-Studenten Hartmut zu
Beginn in eine 2er-WG in Bochum ziehen. Während
der Erzähler nach der Arbeit an der Playstation oder
in der Badezimmer sitzt, möchte Hartmut die Welt
verbessern. Meist geht es um das naheliegende Stück
Welt: um sich selbst, die eigene Katze, die Nachbarschaft,
die Kommilitonen.
Weil Hartmut findet, die Nachbarn sollten zusammenhalten,
schafft er eine künstliche Notsituation: Er legt
das Wasser- und Stromnetz lahm; doch statt der erhofften
Solidarität stellen sich Räuber ein und nutzen
die Dunkelheit zu Plünderungen. Ebenfalls aus dem
Ruder läuft der Versuch, Kurse zum Unperfektsein
anzubieten als Gegenentwurf zu den Ratgebern für
ein vollkommenes Leben. Unter die Kursteilnehmer mischt
sich ein Jungunternehmer, der aus den anarchischen Kursen
ein perfektes System machen möchte. Zum Erfolg hingegen
gerät der Versuch, den Kommilitonen die ironische
Distanz zum Leben auszutreiben. Hartmut lädt drei
Mitstudenten zu einer Party in die WG, auf der es nur
so von Leuten wimmelt, die ihr eigenes Tun völlig
frei von Ironie betreiben: unmoderne Rockmusik, Saufen
oder Playstation.
Rund 20 solcher Episoden präsentiert Uschmann:
Mal triumphiert Hartmut, mal scheitert er, dann aber grandios.
Vor allem aber ändert er oft und spontan seine
Einstellung, während der Mitbewohner seinen Grundsätzen
(Badewanne und Playstation) treu bleibt. Dadurch wird
er zum sicheren Hafen für Hartmut, der sich auf seinen
Kreuzzügen bisweilen zu verlieren droht.
Abgesehen von einigen arg konstruierten Geschichten (zu
Rassismus auf dem Fußballplatz oder zur Weihnachtsbeleuchtung
im Viertel) zeichnet sich der Roman durch hohen Unterhaltungswert
aus. Hinzu kommt eine Portion Lokalkolorit im Großen
wird das Ruhrgebiet farbig und im Kleinen die Ruhr-Uni,
wie in der folgenden Bemerkung von Hartmut: Dieser
Vollidiot von Student kapiert immer noch nicht, wie er
seine Arbeit schreiben soll. Er sagt, er würde die
Bücher nicht finden. Ich habe ihn gefragt, ob er
mal im Zettelkasten nachgesehen hat oder ob er immer nur
alles in die Suchmaschine tippt. Daraufhin kam die Frage,
welchen Zettelkasten ich meine. Der Mann ist seit zehn
Semestern an der Uni. Was denkt er, wo er da dran vorbeigeht,
wenn er die Bibliothek betritt? An einer Verbrecherkartei?
Info: Oliver Uschmann: Hartmut und ich,
Fischer Taschenbuch Verlag 2005, 240 S., 8,90 Euro
Treibgut
Oliver Uschmann ist Mitbegründer und gern gesehener
Gast von Treibgut, der an der Ruhr-Uni gegründeten
Literaturinitiative. Treibgut lädt im Juli zu zwei
Veranstaltungen an der RUB: 7.7. im Kulturcafé
und 14.7. im Botanischen Garten; Infos dazu: www.rub.de/treibgut.
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