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RUBENS 98

1. Juni 2005

Unklare Zielplanung

Ein Blick auf die ersten, meist provisorischen Gebäude der Ruhr-Uni



Wenn wir heute über die 40-jährige Geschichte der Ruhr-Uni nachdenken, fallen uns als erstes Menschen und Ereignisse ein. Bei den Gebäuden denken wir vor allem an die, die wir vor uns sehen. Jetzt möchten wir an die Uni-Gebäude erinnern, die nur vorübergehend genutzt wurden.

Getragene Atmosphäre, ernsthafter, würdevoller Auftritt aller Beteiligten, der Tragweite des Ereignisses angemessen. Das vermitteln uns die Fotos der feierlichen Eröffnung der Universität Bochum am 30. Juni 1965. Einzig die Gattin des Ministerpräsidenten schien mit ihrem sommerlichen, poppig gepunkteten Kleid den Rahmen zu sprengen – sie war eine von sehr wenigen Damen, die dem Festakt beiwohnten. Dunkle Anzüge (auf der Einladungskarte explizit erbeten) und Talare bestimmten das Bild. Die Rektoren der deutschen Universitäten waren aufgefordert, im Ornat zu erscheinen. Sie nahmen in der ersten Reihe auf der Bühne Platz, die nordrhein-westfälischen Magnifizenzen zuvorderst, dahinter der „Lehrkörper“ der Uni Bochum, d. h. die 67 bis zu diesem Zeitpunkt berufenen Professoren.

Kette und Mantel

Zentrale Akte der Veranstaltung an diesem Mittwoch Vormittag im Bochumer Schauspielhaus waren nach der Ansprache des Ministerpräsidenten Meyers und dem Bericht des Vorsitzenden des Gründungsausschusses die Ablegung des Eides durch den tags zuvor gewählten Rektor Prof. Heinrich Greeven und die Verleihung der Insignien durch den Kultusminister – in Bochum waren dies Rektormantel und -kette. Umrahmt wurde die Feier vom Orchester der Stadt Bochum. Im Anschluss standen Busse bereit, die die Gäste zum Campus beförderten, wo diese in der Mensa einen Imbiss einnehmen und anschließend einige Geschosse „und das Dach“ des Gebäudes IA besichtigen konnten. In der dritten Etage war zur Information eine kleine Bauausstellung erstellt.
Der Eröffnung der ersten Neugründung einer Universität in der Bundesrepublik Deutschland war ein jahrlanger Entscheidungsprozess vorausgegangen, der hinsichtlich des Standortes zuletzt nur noch politische Motivationen zu kennen schien. Dessen ungeachtet stieg man in Düsseldorf 1961 in die konkrete Planung ein. Bereits vor der Landtagsentscheidung zugunsten Bochums machte sich die Landesregierung daran, namhafte Professoren deutscher Universitäten in einen Gründungsausschuss zu berufen, der im Dezember 1962 seine Konzeption („Denkschrift“) vorlegte, und ebenfalls 1962 wurde ein „städtebaulicher Ideenwettbewerb“ für die architektonische Gestaltung der Uni ausgeschrieben, aus dem im Februar 1963 das Düsseldorfer Büro Hentrich/Petschnigg als Sieger hervorging. Nach Überarbeitung des Entwurfs wurden offiziell am 2. Januar 1964 die Bauarbeiten auf dem Campus aufgenommen.
Angesichts des engen Zeitrahmens nimmt es nicht wunder, dass die Eröffnungsfeier außerhalb der Uni stattfinden musste. Bis zum 30. Juni 1965 waren gerade einmal zwei der 13 Hochbauten bezugsfertig (IA und IB), daneben waren zwei Wohnheime und die Mensa am sog. Übergangsforum (östlich der I-Reihe) fertig. Gleichwohl sollte vier Monate später der Lehrbetrieb aufgenommen werden. In allen der seinerzeit 18 Abteilungen waren Professoren berufen. Bis zur Umsetzung der baulichen Gesamtplanung war also Improvisation vonnöten.
An Übergangslösungen hatte man schon früh gedacht. Das erste Gebäude der Uni überhaupt, das spätere Wohnheim Overbergstraße, wurde bereits 1962 (vor dem Ideenwettbewerb), zunächst als „Sammelgebäude“ errichtet und als vorläufiges Institutsgebäude mit Assistentenwohnungen genutzt. Für die weiteren Provisorien griff man auf bestehende, zum Teil aufwändig anzupassende Bausubstanz zurück, und es steht sinnbildlich für den Strukturwandel in der Stadt, dass hierzu Gebäude stillgelegter Zechen herangezogen wurden.

Natürlich in alten Zechen

Die Zeche Klosterbusch im Süden des Campus diente ab 1962 der „Büchersammlung“, der späteren Unibibliothek, als Herberge, wobei die Waschkaue einem erheblichen Umbau unterzogen wurde, um sie als Magazin nutzen zu können. Ebenfalls im Lottental fanden die Institute für Allgemeine Botanik bzw. für Physiologische Chemie Unterschlupf.
In die Kaue der Zeche Friederika, zwei Kilometer stadteinwärts gelegen, zogen im April 1964 die Ostasienwissenschaften. Als die Uni-Verwaltung das auf demselben Gelände gelegene Verwaltungsgebäude in Richtung Campus verließ (Oktober 1965), rückten sie in dieses nach und teilten es sich fortan mit den Fachrichtungen Mathematik, Anatomie, Physiologie u. a.
Die Unibibliothek übrigens zog noch 1965 „hinauf“ ins IB und nahm hier den Ausleihbetrieb auf. Bevor sie 1974 ihr eigentliches Gebäude am Forum beziehen konnte, musste sie noch für zwei Jahre in die (inzwischen „alte“) Mensa ausweichen, weil IB für die Bedürfnisse der Ingenieure umgebaut werden musste.
Andere blieben, viele für Jahre, in ihren Provisorien, z.B. im Lottental. Unter dem vermeintlich witzigen Titel „Klage im Kloster“ berichtete der „Spiegel“ 1967 von einem Memorandum von 40 Bochumer Gelehrten, von denen bezeichnenderweise noch 23 - aus Platzmangel in Bochum - an ihrer alten Wirkungsstätte in fernen Städten saßen. Die Wissenschaftler beklagten sich über die unhaltbaren Zustände, die eine massive Behinderung der Forschung darstellten und aus diesem Grund zu einem Ausbleiben der Studenten führten.
Den enormen Bauanstrengungen auf dem Campus zum Trotz – Konflikte konnten nicht ausbleiben, wenn Wissenschaftler mit unhaltbaren Versprechungen („Vollbetrieb ab dem WS 67/68“) an die Uni geholt wurden. Die betroffenen Mediziner im Lottental und in der Friederikastraße konnten „ihr“ Gebäude MA erst im April 1971 beziehen, waren damit aber keineswegs die letzten. Während Prorektor Schwartzkopff „unklare Zielplanung“ ausmachte, brachte es ein Sprecher des Bauministeriums auf den Punkt: „Bochum war eine politische Entscheidung. Die Planer wurden erst hinterher gefragt.“



Jörg Lorenz
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Letzte Änderung: 31.05.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik