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RUBENS 98

1. Juni 2005

Feuer oder Wasser


Prof. Walter Maresch ist von der laufenden Teilsanierung gebeutelt


Auf den frisch gewaschenen Stühlen darf man nicht Platz nehmen, am nächsten Tag kommen die Glaser – eigentlich ist die Baustelle zwar draußen, doch das Büro von Prof. Walter Maresch (60) auf NA 03 Süd war inzwischen mehrfach von Wassereinbruch und Bränden betroffen. Zuletzt zweimal innerhalb von zehn Tagen, als es erst einen Schwelbrand in einer Trennfuge in seinem Büro gab (21.4.) und dann ein Teerkocher vor seinem Fenster unter freiem Himmel ausbrannte (2.5.). Im Gespräch mit Jens Wylkop erzählt der Mineraloge von den Vorfällen, seiner Motivation und seiner Meinung zur Campussanierung.


RUBENS: Herr Maresch, sind Sie vom Pech verfolgt?

Maresch: Ich kann nur betonen: Hier hat es auch kriminellen Pfusch gegeben, indem brennbares Material wie Papier und Schaumstoff in der Fuge verbaut wurde. Wenn nicht jemand ständig hinter den Arbeitern her ist, wird gepfuscht, das ist einfach so. Die Fuge war jedoch nur ein Beispiel, wir haben noch ganz andere Sachen erlebt. Als unser Flachdach entkiest wurde, war dieses Büro zum Himmel hin offen, dabei ist Bauschutt auf einen Balken unter der Decke gefallen. Letztes Jahr war hier alles verschimmelt, da kam eine Firma und hat den Schimmel entfernt, anschließend haben die Maler das Büro neu gestrichen. Nur zufällig entdeckten wir später, dass bei beiden Arbeiten um diesen Schutt herum gewerkelt wurde – der lag ganz einfach noch da!

RUBENS: Wie dringend warten Sie auf den Startschuss zur Campussanierung und den Bau eines Ausweichgebäudes?
Maresch: Das Ausweichgebäude werde ich in meiner aktiven Zeit nicht mehr erleben. Die gesamte Lage ist aus meiner Sicht eine „no win Situation“: Das ist wie der Unterschied zwischen Lebensgefahr und Todesgefahr. Mir fällt es nur schwer zu glauben, dass es angesichts des Geldes, das schon in die Teilsanierungen gesteckt wurde, noch Mittel für ein Ausweichgebäude geben wird. Wir brauchen also eine Lösung, bis das Ausweichgebäude irgendwann steht. Das dauert lange.

RUBENS: Können Sie denn Ihre Arbeit noch unter normalen Bedingungen fortführen?

Maresch: Es ist sehr schwierig und demotivierend, ich könnte viel Böses sagen. So lange wir diese Koppelung von Bauarbeiten und laufendem Betrieb noch haben, ist einfach kein vernünftiges Arbeiten möglich. Ich bin Wissenschaftler, soll forschen und lehren, inzwischen fühle ich mich jedoch als Mitglied der Bauplanung und -aufsicht, als Psychologe und Psychiater. Ich soll die Leute hier irgendwie beruhigen und doch motivieren, da stoße ich irgendwann auch an meine Grenzen.

RUBENS: Haben Sie Mitarbeiter, die unter diesen Bedingungen lieber woanders arbeiten möchten?
Maresch: Wenn die Stellensituation wie vor 30 Jahren wäre, gewiss.

RUBENS: Ganz offen gefragt: Haben Sie Angst, hier zu arbeiten?

Maresch: Angst würde ich nicht sagen, es ist demotivierend. Vor allem, weil es mir schwer fällt, die anderen zu motivieren. Was soll ich zum Beispiel unserer Sekretärin sagen, wenn es wieder stinkt oder lärmt? Soll ich wegen des Teergestanks und nervtötenden Lärms Lehrveranstaltungen streichen, die Studierende dringend benötigen? Ich selbst fühle mich nicht in Gefahr, doch ich sehe, dass meine Mitarbeiter nicht glücklich sind. Letztendlich muss ich hier vor Ort die Entscheidung übernehmen und meine Mitarbeiter nach Hause schicken, wenn Gefahr droht.

RUBENS: Wie fühlen Sie sich persönlich in dieser Situation?
Maresch: Meine Geschichte ist ja mittlerweile landauf, landab bekannt unter den Kollegen – das nimmt man irgendwann mit einem gewissen Galgenhumor, wenn man beim Telefonieren angesichts des Lärms im Hintergrund wieder auf die „Baustelle Maresch“ angesprochen wird.

RUBENS: Fühlen Sie sich von der Hochschulleitung ausreichend unterstützt?

Maresch: Im vergangenen Jahr beim Wassereinbruch nein. Das war aber so etwas wie ein „heilender Krach“ zwischen unserer Fakultät und dem Rektorat. Jetzt sind alle für unsere Situation sensibilisiert. Ich sehe jedoch das Problem der Universitätsleitung: Wenn ich selbst eine Lösung hätte, würde ich sie vorschlagen, doch ich habe kein Patentrezept. Große Probleme bereiten die Strukturen und Zuständigkeiten zwischen Rektorat, Dezernat 5, Bau- und Liegenschaftsbetrieb und der ausführenden Baufirma. Fakt ist: Wir alle baden aus, was 30 Jahre lang von der Landesregierung versäumt worden ist.

RUBENS: Was halten Sie vom derzeitigen Konzept der Campussanierung?
Maresch: Unsere Strukturen sind über viele Jahre gewachsen, natürlich muss man sie überdenken. Wenn wir jedoch von vornherein sagen, wir müssen bis zu einem Drittel Raum einsparen, kann das nicht funktionieren. Um es deutlich zu sagen: Wenn wir hier ausziehen müssten mit all den hochsensiblen Apparaturen und allem, was eingespielt ist, wäre das für mich in meiner aktiven Laufbahn der wissenschaftliche Tod. Auch die geplante räumliche Trennung von Laboren und Büros wäre für uns tödlich: Wir müssen ständig Kontakt zu unseren Apparaturen halten, sonst können wir gar nicht arbeiten.



Campussanierung
Der Campus soll bekanntlich grundsaniert werden (RUBENS 87): Ein Standortentwicklungskonzept sowie ein technisches Gutachten mit dem Sanierungsbedarf liegen vor. Nun wartet die Uni auf ein Startzeichen der Landesregierung, das darin bestehen sollte, zunächst ein neues Gebäude zu errichten. So wäre es möglich, eines der jetzigen Gebäude zwecks Sanierung frei zu ziehen. Nach und nach würden die anderen Gebäude folgen.
Das neue Gebäude würde nicht zur Erweiterung der universitären Flächen führen, stattdessen ist eine Flächenreduzierung geplant. Die Ruhr-Uni würde Liegenschaften außerhalb des engeren Campus sowie zwei Hochhäuser aufgeben. Nach dem Vorbild der Umnutzung der ursprünglich für die Klinische Medizin errichteten Gebäude MB und MC, die als Technologiezentrum bzw. Bürogebäude genutzt werden, könnten die frei werdenden Flächen universitätsnahen technologie- und dienstleistungsorientierten Firmen angeboten werden. Die Sanierung der Uni soll nach aktuellen Schätzungen zehn bis zwölf Jahre dauern.



jw
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Letzte Änderung: 31.05.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik