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RUBENS 98

1. Juni 2005

Vom Labor zu Ebay

In der Biologie wurden 70 Mikroskope gestohlen, acht tauchten wieder auf



An der Ruhr-Uni ließ ein besonders dreister Diebstahl aufhorchen: 70 Mikroskope sind aus ND verschwunden. Dank der Eigeninitiative der Biologen konnten acht Geräte bislang zurückgeholt werden.


Diebstähle in öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden sind nichts Neues. Die Ruhr-Uni bildet da keine Ausnahme: Fernseher, PC, Videorecorder – all das sind Wertgegenstände, die sich in fast allen Gebäuden der Uni finden lassen und eine scheinbar unwiderstehliche Anziehungskraft auf Diebe ausüben – vor allem, weil Unis nicht nur von der Freiheit des Denkens, sondern auch von ihrem freien Zugang leben.
Im Durchschnitt gehen im Dezernat 5 (Technische Hochschulbetriebe) 50 bis 60 Anzeigen pro Jahr ein. „Darunter fallen aber auch Sachbeschädigungen und Diebstähle von Landeseigentum außerhalb des Unigeländes“, erklärt der zuständige Sachbearbeiter Helge Hammes. Manchmal seien es einfach nur Möbel, die umgeräumt wurden und nun als unauffindbar gelten. Eine Anzeige ganz anderen Kalibers musste Hammes der Polizeiinspektion Ost im Januar 2004 melden: den Diebstahl von Stereo- und Lichtmikroskopen aus dem ND. In zwei Schüben, die einige Zeit auseinander lagen, wurden in der Fakultät für Biologie 70 Geräte entwendet – Sachschaden: über 100.000 Euro.

Gute Ortskenntnisse

Bei Dekan Prof. Thomas Stützel hielten sich Bestürzung und Verwunderung in etwa die Waage, da die Geräte ohne Anzeichen gewaltsamen Eindringens aus geschlossenen Schränken in verschlossenen Räumen entwendet wurden. „Der oder die Täter müssen gute Ortskenntnisse und Zugang zu Schlüsseln gehabt haben“, folgert der Biologe. Er und seine Kollegen wollten sich mit dieser Erkenntnis nicht begnügen. Sie ergriffen die Initiative, als das Verfahren schon eingestellt werden sollte.
Dabei zahlte sich besonders die Beharrlichkeit von Prof. Wolfgang Kirchner aus. Der Verhaltensbiologe entdeckte bei Recherchen über die Internetplattform Ebay eines der gestohlenen Geräte. Er bat einen Bekannten, es für ihn zu ersteigern und hielt anschließend einen eindeutigen Beweis in Händen. Denn die Mikroskope der Ruhr-Uni weisen unveränderliche Besonderheiten auf, die sogar Laien erkennen und die eine zweifelsfreie Zuordnung ermöglichen. Kirchner informierte die Polizei, die eine aufwändige Ermittlungsmaschinerie in Gang setzte, die noch immer auf Hochtouren läuft. Bei Hausdurchsuchungen sammelte die Polizei weitere Beweise.
Zusätzlich wertete sie sichergestellte PCs und unzählige Listen von Ebay-Transaktionen aus, da ein Großteil der Mikroskope übers Internet in ganz Deutschland und ins benachbarte Ausland verkauft wurde. Das bedeutete wochenlange intensive Recherche, kein Detail durfte übersehen werden. „Es hat sich aber gelohnt“, sagt der zuständige Sachbearbeiter, Kriminaloberkommissar Udo Kroll. Er hat die Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchgeführt: „Der Erfolg kann sich sehen lassen, daran hat die Ruhr-Uni durch ihre Eigeninitiative großen Anteil.“ Bislang bekam die Uni acht Mikroskope zurück. Aufgrund neuester Ermittlungsansätze spricht vieles dafür, dass die Kripo an der Ruhr-Uni weiter ermittelt.
Die (bislang) vier Beschuldigten, die sich gegenseitig belastet haben sollen, kommen dem Vernehmen nach aus dem Rheinland und sollen sich seit frühester Kindheit kennen. Durch die Auswertung der PCs wurde nachgewiesen, dass bei den Versteigerungen der Mikroskope die Preise auf professionelle, unlautere Weise in die Höhe getrieben wurden. Der Staatsanwalt wird prüfen, in welchem Umfang die illegalen Gewinne zu versteuern sind. So könnten Regressansprüche von etwa 100.000 Euro auf die Beschuldigten zukommen sowie erhebliche Steuernachzahlungen.

Hohe Belohnung ausgesetzt

Allerdings ist das Aufklären von Straftaten die eine Sache, Prävention eine ganz andere. „Hier kann einiges getan werden“, sagt Udo Kroll. „Wichtig ist es, alle Uni-Angehörigen für derartige Vorgänge zu sensibilisieren.“ Schöpft man Verdacht, sei es besonders wichtig, sich das Gesicht der verdächtigen Person zu merken. Zudem sollte man angeben können, woher die Person kam und wohin sie ging. „Sollte sich der Verdacht später bestätigen, können diese Beobachtungen von unschätzbarem Wert sein“, so Kroll.
Weitere konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung hat die Fakultät für Biologie umgesetzt. So erhalten alle Mikroskope von der eigenen Werkstatt eine spezielle Gravur, es gibt eine punktuelle, spontane Aufsicht an verschiedenen Stellen und die Mikroskope werden regelmäßig gezählt. „Wir können und wollen aus einer Universität keinen Hochsicherheitstrakt machen“, bemerkt Prof. Stützel. „Wir wollen aber mit unserer Eigeninitiative und diesen Maßnahmen ein deutliches Zeichen setzen, dass wir uns nicht einfach so bestehlen lassen!“

Info:
Das Dekanat Biologie belohnt sachdienliche Hinweise mit 1.000 Euro. Wer einen Diebstahlsverdacht hat, kann sich im Dekanat (ND 03/131, -24573) oder direkt bei der Polizei melden: Udo Kroll, Polizeiinspektion Ost, 0234/9093389, E-Mail: Udo.Kroll@bochum.polizei.nrw.de

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Letzte Änderung: 31.05.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik