Die Melzigs
40 Jahre
Familienleben mit der Ruhr-Uni
Nicht nur als Arbeitgeberin, sondern auch als Lebensmittelpunkt
diente die Ruhr-Uni vor allem in der Gründungsphase
vielen Menschen. Zum Teil waren und sind davon auch ganze
Familien betroffen, so die Familie Melzig: Drei von ihnen
arbeiteten viele Jahre lang hier, eine weitere ließ
sich zur Kinderärztin ausbilden.
Es war im Mai vor 40 Jahren, als die 21-jährige Marianne
Melzig sich nett zurecht für ihren ersten Uni-Arbeitstag
machte. Der Weg führte die frisch Vermählte
ins Sammelgebäude an der Overbergstraße, "gegenüber
der ehemaligen Personalkantine", direkt zur Vervielfältigung,
wo sie von ihrem Chef, "dem Herrn Klein", erwartet
wurde. "Hier waren auch die Poststelle und die Kasse
untergebracht", erinnert sich Marianne Melzig und
fügt lächelnd hinzu, "dass wir für
alles zuständig waren."
Später zog es den gelernten "Einzelhandelskaufmann"
(Marianne Melzig: "So hieß das früher
noch") mit Chef und Maschine in die südliche
Garderobe des gerade errichteten IB-Gebäudes - "Garderobe
deshalb, weil sie den Maschinen den meisten Platz bot",
erklärt sie und streift in Gedanken "die alten
Nasskopierer, für die wir immer verdunkeln mussten."
Mit dem Chef und den Maschinen kam die agile Mitarbeiterin
auf dem Campus rum: "Bevor die Vervielfältigung
ins neu gebaute Verwaltungsgebäude kam, zog sie von
IB nach GC. Ein Umzug war immer schnell erledigt. Ich
freute mich jedes Mal auf die neue Umgebung und die neuen
Kollegen", blickt sie zurück.
Auto als Leidenschaft
Vier Jahre und vier Monate nach dem ersten Arbeitstag
von Marianne warf ihr junger Ehemann Rudolf einen letzten
prüfenden Blick in den Spiegel, bevor er sich zum
Dienstantritt im Botanischen Garten, "damals unter
Leitung von Prof. Karl Esser", meldete. Ein Jahr
lang transportierte er per LKW Pflanzen zum Versuchsfeld,
das sich 1969 auf dem Gelände der heutigen Fachhochschule
befand. Auch die Verwaltung ("damals in IB")
griff zuweilen auf ihn zurück. Der ausgebildete
Bergmann - mit 14 Jahren auf der Zeche, später
sieben Jahre lang bei Opel - war ohnehin Autoliebhaber
und machte nun sein Hobby zum Beruf. 1970 wechselte
Melzig in die Fahrbereitschaft, wo er mit vier Kollegen
im VW-Bus Professoren und Studierende zu Exkursionen
brachte. Von 1971 bis zum Rentenbeginn im Mai 2005 war
er fürs Rektorat zuständig und fuhr in dieser
Zeit neun verschiedene Rektoren.
So wie sich die Melzigs für die Uni interessierten,
so engagierte sich die Uni für ihre Mitarbeiter,
erinnern sich beide voller Freude. "In den ersten
Jahren bestand ein großer Zusammenhalt. Die Bochumer
Verwaltung war sozial und half den Familien mit Wohnungen.
Wir alle bauten diese Universität gemeinsam auf.
Bei den zentralen Betriebsausflügen aller Fakultäten
trafen wir abends mit den Kindern, den Eltern, den Partnern
zusammen und feierten in der alten Mensa gegenüber
der heutigen FH ein großes Fest", erzählt
Rudolf Melzig, fügt aber an: "Als die Uni
größer wurde, wurde das Familiäre weniger.
Schließlich machte jede Abteilung ihren eigenen
Betriebsausflug." Als Marianne Melzig vor einem
Jahr in Rente ging, fragte sie sich: "Gehöre
ich da noch hin? Vor 40 Jahren ging man nicht aneinander
vorbei wie heute."
Soziale Uni
Im siebten Ehejahr regte sich auch privat das Familienleben
der Melzigs. Kurz vor der Geburt der Tochter rief der
damalige Kanzler Dr. Wolfgang Seel die hochschwangere
Marianne zu sich, um sie persönlich bei einer Tasse
Kaffee zu verabschieden. Das rührt die werdende
Mutter bis heute. Drei Jahre darauf saß sie wieder
am alten Arbeitsplatz, und der Tochter hat sie die Ruhr-Uni
offenbar mit der Muttermilch eingeflößt.
Die Tochter schloss ihr Medizinstudium an der RUB ab
und arbeitet seit Dezember 2000 als Kinderärztin
im Uniklinikum St. Josef-Hospital.
Drei Melzigs waren der Uni aber immer noch zu wenig.
Sigrid Widerek, die zehn Jahre ältere Schwester
von Rudolf Melzig, sorgte bis Ende der 90er-Jahre als
Servicekraft für den ordentlichen Ablauf des Putzbetriebs;
bei größeren Anlässen schmierte sie
den Gästen schmackhafte Brötchen und schenkte
duftenden Kaffee ein.
Rudolf Melzig betrachtet "die ersten Uni-Jahre
als schönste Uni-Erinnerung", schaut aber
mit klarem Blick nach vorn: Kürzlich kaufte er
sich mit der Ehefrau zwei neue Tourenräder. "Wir
planen entlang der Flusstäler eine Radtour von
Bochum nach München. Dort wohnen Freunde und die
Kinder meiner Schwester. Die glauben es noch nicht.
Aber nach einer Woche Radeln Woche sind wir da."
Thea
A. Struchtemeier
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