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RUBENS 98

1. Juni 2005

Die Melzigs

40 Jahre Familienleben mit der Ruhr-Uni



Nicht nur als Arbeitgeberin, sondern auch als Lebensmittelpunkt diente die Ruhr-Uni vor allem in der Gründungsphase vielen Menschen. Zum Teil waren und sind davon auch ganze Familien betroffen, so die Familie Melzig: Drei von ihnen arbeiteten viele Jahre lang hier, eine weitere ließ sich zur Kinderärztin ausbilden.


Es war im Mai vor 40 Jahren, als die 21-jährige Marianne Melzig sich nett zurecht für ihren ersten Uni-Arbeitstag machte. Der Weg führte die frisch Vermählte ins Sammelgebäude an der Overbergstraße, "gegenüber der ehemaligen Personalkantine", direkt zur Vervielfältigung, wo sie von ihrem Chef, "dem Herrn Klein", erwartet wurde. "Hier waren auch die Poststelle und die Kasse untergebracht", erinnert sich Marianne Melzig und fügt lächelnd hinzu, "dass wir für alles zuständig waren."
Später zog es den gelernten "Einzelhandelskaufmann" (Marianne Melzig: "So hieß das früher noch") mit Chef und Maschine in die südliche Garderobe des gerade errichteten IB-Gebäudes - "Garderobe deshalb, weil sie den Maschinen den meisten Platz bot", erklärt sie und streift in Gedanken "die alten Nasskopierer, für die wir immer verdunkeln mussten." Mit dem Chef und den Maschinen kam die agile Mitarbeiterin auf dem Campus rum: "Bevor die Vervielfältigung ins neu gebaute Verwaltungsgebäude kam, zog sie von IB nach GC. Ein Umzug war immer schnell erledigt. Ich freute mich jedes Mal auf die neue Umgebung und die neuen Kollegen", blickt sie zurück.

Auto als Leidenschaft

Vier Jahre und vier Monate nach dem ersten Arbeitstag von Marianne warf ihr junger Ehemann Rudolf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, bevor er sich zum Dienstantritt im Botanischen Garten, "damals unter Leitung von Prof. Karl Esser", meldete. Ein Jahr lang transportierte er per LKW Pflanzen zum Versuchsfeld, das sich 1969 auf dem Gelände der heutigen Fachhochschule befand. Auch die Verwaltung ("damals in IB") griff zuweilen auf ihn zurück. Der ausgebildete Bergmann - mit 14 Jahren auf der Zeche, später sieben Jahre lang bei Opel - war ohnehin Autoliebhaber und machte nun sein Hobby zum Beruf. 1970 wechselte Melzig in die Fahrbereitschaft, wo er mit vier Kollegen im VW-Bus Professoren und Studierende zu Exkursionen brachte. Von 1971 bis zum Rentenbeginn im Mai 2005 war er fürs Rektorat zuständig und fuhr in dieser Zeit neun verschiedene Rektoren.
So wie sich die Melzigs für die Uni interessierten, so engagierte sich die Uni für ihre Mitarbeiter, erinnern sich beide voller Freude. "In den ersten Jahren bestand ein großer Zusammenhalt. Die Bochumer Verwaltung war sozial und half den Familien mit Wohnungen. Wir alle bauten diese Universität gemeinsam auf. Bei den zentralen Betriebsausflügen aller Fakultäten trafen wir abends mit den Kindern, den Eltern, den Partnern zusammen und feierten in der alten Mensa gegenüber der heutigen FH ein großes Fest", erzählt Rudolf Melzig, fügt aber an: "Als die Uni größer wurde, wurde das Familiäre weniger. Schließlich machte jede Abteilung ihren eigenen Betriebsausflug." Als Marianne Melzig vor einem Jahr in Rente ging, fragte sie sich: "Gehöre ich da noch hin? Vor 40 Jahren ging man nicht aneinander vorbei wie heute."

Soziale Uni

Im siebten Ehejahr regte sich auch privat das Familienleben der Melzigs. Kurz vor der Geburt der Tochter rief der damalige Kanzler Dr. Wolfgang Seel die hochschwangere Marianne zu sich, um sie persönlich bei einer Tasse Kaffee zu verabschieden. Das rührt die werdende Mutter bis heute. Drei Jahre darauf saß sie wieder am alten Arbeitsplatz, und der Tochter hat sie die Ruhr-Uni offenbar mit der Muttermilch eingeflößt. Die Tochter schloss ihr Medizinstudium an der RUB ab und arbeitet seit Dezember 2000 als Kinderärztin im Uniklinikum St. Josef-Hospital.
Drei Melzigs waren der Uni aber immer noch zu wenig. Sigrid Widerek, die zehn Jahre ältere Schwester von Rudolf Melzig, sorgte bis Ende der 90er-Jahre als Servicekraft für den ordentlichen Ablauf des Putzbetriebs; bei größeren Anlässen schmierte sie den Gästen schmackhafte Brötchen und schenkte duftenden Kaffee ein.
Rudolf Melzig betrachtet "die ersten Uni-Jahre als schönste Uni-Erinnerung", schaut aber mit klarem Blick nach vorn: Kürzlich kaufte er sich mit der Ehefrau zwei neue Tourenräder. "Wir planen entlang der Flusstäler eine Radtour von Bochum nach München. Dort wohnen Freunde und die Kinder meiner Schwester. Die glauben es noch nicht. Aber nach einer Woche Radeln Woche sind wir da."

Thea A. Struchtemeier
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Letzte Änderung: 31.05.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik