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RUBENS 98

1. Juni 2005

Gedächtnisverlust

Nach 42 Jahren verlässt Vera Scheeper die Ruhr-Uni Bochum


Sie ist ein Teil des Gedächtnisses der Uni und geht ihr jetzt verloren: Im Frühjahr 1963 hatte Vera Scheeper (59) als eine von 20 frisch Angestellten ihren ersten Arbeitstag an der Ruhr-Uni und am 19. Mai 2005 ihren allerletzten. Zwischendurch lernte sie ein halbes Dutzend Büros und Gebäude der Uni kennen, sie erlebte alle Rektoren und Kanzler und unzählige Generationen von Studierenden, sie arbeitete beispielsweise für den Pädagogen Joachim Knoll, fürs Studentenwerk und zuletzt in der Pressestelle. Über all das sprach sie kurz vor ihrem Abschied mit Arne Dessaul.


RUBENS: Frau Scheeper, nach 42 Jahren Ruhr-Uni naht Ihr letzter Arbeitstag. Freuen Sie sich oder werden auch eine paar Tränen fließen?

Scheeper: Ich hoffe nicht, aber deswegen mache ich auch keine Abschiedsfeier, sondern verabschiede mich nach und nach.

RUBENS: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag und Ihr erstes Büro?

Scheeper: Ja, das war in der Friederikastraße, im mittlerweile abgerissenen Verwaltungsgebäude der Bochumer Bergbau AG. Dort hatte die Uni eine Etage gemietet.

RUBENS: Die Uni selbst stand ja noch gar nicht?

Scheeper: Eben, das war alles Baustelle hier. In der Friederikastraße waren wir mit 20 oder 25 Leuten, unter anderem mit dem ersten Kanzler Wolfgang Seel, dem Gründungsrektor Hans Wenke und dem Personaldezernenten Heinz Lienkamp; der hat mich damals auch eingestellt. Wir saßen zu dritt im Büro, mit Peter Schröder vom Fahrdienst und mit Marianne Herzog von der Telefonzentrale. Sie hat bis zu ihrer Rente an der Ruhr-Uni gearbeitet. Man hört sie noch heute, sie hat den Text des Anrufbeantworters der Uni besprochen.

RUBENS: Was war schöner: damals mit 20 Leuten in der Verwaltung oder heute mit mehreren hundert?

Scheeper: Jetzt ist es schöner. Früher war man zwar im Aufbruch, aber es fehlte noch das Ergebnis: die Uni selbst und die Studenten.

RUBENS: Können Sie all Ihre Stationen an der Ruhr-Uni aufzählen?

Scheeper: In der Friederikastraße war ich nur ein paar Monate. Dann habe ich mich ein Jahr beurlauben lassen und ging auf die Höhere Handelsschule. Danach habe ich drei Jahre lang bei Prof. Joachim Knoll gearbeitet, erst im Sammelgebäude in der Overbergstraße, dann im IA. IA und IB waren die ersten fertigen Gebäude. Im IB saß die Verwaltung.

RUBENS: War das der Pädagoge Knoll, der gerade das Verdienstkreuz bekommen hat?
Scheeper: Ja, genau. Er hatte den Lehrstuhl für Erwachsenenbildung. Danach war ich ein Jahr lang bei der Spiegelredaktion in Düsseldorf. Aber ich wollte gerne wieder zur Uni und kam für kurze Zeit ins Dekanat Mathematik. Es lag auf Ebene 02 im NA. Diese Ebene war einigermaßen fertig, aber darüber, darunter und daneben war alles Baustelle. Ständig Bagger, Hämmer, Bohrer und sonst was. Noch schlimmer war aber: Die Fakultät hatte noch keine Studenten. Es gab den Dekan, das war damals Prof. Günther Ewald, und ein paar Professoren und Assistenten. Das einzige, was ich zu tun hatte, war, deren Doktorarbeiten abzutippen. Das war keine schöne Arbeit.

RUBENS: Wie viele Seiten hatte so eine Doktorarbeit damals?
Scheeper: Ach, du liebe Zeit, das weiß ich nicht mehr. Das war unterschiedlich. Manche waren so dünn, wie es heute noch die Doktorarbeiten in der Medizin sind. Aber, wie gesagt, lange bin ich nicht geblieben. Stattdessen bin ich zum Studentenwerk, dem Vorläufer des Akafö, gewechselt.

RUBENS: Wo saß das damals?

Scheeper: Damals gab es ein paar Baracken in der Nähe der ganz alten Mensa östlich der I-Gebäude. Dort waren auch jede Menge andere Einrichtungen untergebracht: Asta, konfessionelle Studentenvertreter, Staatshochbauamt, studentische Krankenversicherung, Reisedienst, Wohnheimverwaltung. Das war eine schöne Zeit. Als das Studentenwerk umstrukturiert wurde, ging ich für ein paar Jahre ins ND zum Sonderforschungsbereich BIO-NACH – Biologische Nachrichtenaufnahme. Als abzusehen war, dass BIO-NACH nicht weiterläuft, habe ich mich um eine Stelle in der Zentralverwaltung bemüht. Zufällig gab es damals, Ende der Siebziger, eine Ausschreibung im Rubens-Vorläufer „RUB Aktuell“ für einen Job in der Pressestelle: Zeitungsschnitt, Führungen usw. Da habe ich mich beworben, wurde genommen und bin geblieben.

RUBENS: Wo und bei wem hat es Ihnen am besten gefallen?
Scheeper: Von der Arbeit her hier in der Pressestelle. Hier erfährt man einfach am meisten von dem, was an der Uni passiert, ob nun Forschung, Lehre oder sonst was. Auch die Führungen haben mir immer sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen.

RUBENS: Und bei den Vorgesetzten, würden Sie da jemanden herausheben? Sie haben ja alle Kanzler und Rektoren erlebt ...

Scheeper: Ja, Dr. Seel, das war eine sehr integre und faszinierende Persönlichkeit.

RUBENS: Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen 42 Jahren am meisten an der Ruhr-Uni verändert?

Scheeper: Erst mal natürlich die Größe. Aber auch die Situation der Studenten. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Univerwaltung die Studenten so nebenbei laufen lässt. Hauptsache, die Verwaltung behält ihre Strukturen und das Ministerium wird zufrieden gestellt. Ich bin aber immer der Meinung gewesen, dass wir für die Studenten da sind. Das sind doch – sozusagen – unsere Arbeitgeber. Wenn sie nicht kommen würden, könnten wir hier auch nicht arbeiten.

RUBENS: Zum Schluss etwas Persönliches: Womit werden Sie sich fortan die Zeit vertreiben?

Scheeper: Ich muss zunächst meinen Alltag neu strukturieren, das wird ein bisschen dauern. Aber im Grunde werde ich die Dinge intensiver betreiben, die ich jetzt schon mache: also zum Beispiel Malerei, Klavierspiel und meinen Garten.

RUBENS: Besten Dank und alles Liebe für Ihre Zukunft!

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Letzte Änderung: 31.05.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik