|
|
|
 |
RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
|
|
| |
| |
|
 |
|
|
|
|
Editorial
40-Jährige
mit Elan
Von meinem 40. Geburtstag blieb mir eine Karikatur aus
dem Buch Vollkommen fix und Vierzig in Erinnerung.
Sie zeigt drei Männer am Tresen, einen 40-Jährigen
eingerahmt von einem 20-Jährigen und einem 60-Jährigen;
der Jüngere schaut ihn an und denkt Alter Knacker,
auch der Ältere blickt auf ihn, denkt aber Junger
Spritzer.
Nun wird man eine gerade mal 40 Jahre alte Uni kaum mit
einem Mann mittleren Alters vergleichen können. Schließlich
gibt es Universitäten, die 800 und mehr Jahre alt
sind, ein Alter, das meines Wissens noch kein Mensch erreicht
hat.
Obwohl also noch so jung, sieht man unserer Uni das Alter
inzwischen an. Der verwitterte Beton bröckelt, Moniereisen
schimmern durch, die Platten auf dem Boden sind lose und
klacken bei jedem Schritt, nicht alle Dächer sind
mehr dicht und mancher der letzten verbliebenen Alt-68er
hätte damals nicht gedacht, dass der Marsch durch
die Institutionen bis zur Rente dauern könnte ...
Mag die Ruhr-Uni auch in die Jahre gekommen sein und
von außen marode erscheinen, innen ist sie voller
Tatendrang wie eh und je. Ihren Elan bewahrt sie sich
seit ihren Anfängen. Gegründet zu einer Zeit,
als das Ruhrgebiet noch eine Bildungswüste war, entwickelte
sie sich rasch zur wichtigsten Bildungsfabrik
der Region. Bald strahlte sie auch international Forschergeist
gepaart mit Reformwillen aus. Das Interdisziplinäre
wurde in Bochum von der Architektur begünstigt und
ist seit der Gründung tägliche Praxis. So arbeiten
Hirnforscher aus fünf Fakultäten gemeinsam und
bilden die renommierte International Graduate School for
Neuroscience, Medizintechnik führt Ärzte, Hochfrequenztechniker
und Biomechaniker zusammen, und, jüngstes Beispiel,
Geisteswissenschaftler aus neun Fakultäten treffen
sich beim Thema Global Change.
Auch in der Studienreform steht die Ruhr-Uni an der Spitze
der Bewegung: Keine andere Uni in Deutschland ist soweit
wie sie im Bologna-Prozess, selbst die Lehrerausbildung
wird mit den Abschlüssen Bachelor und Master in Bochumer
modellhaft erprobt, dazu gesellen sich neue, innovative
Studiengänge wie IT-Sicherheit oder Ressourcenmanagement.
Dieser Elan ist den Menschen zu verdanken, die in ihr
leben und arbeiten. Mögen sie von noch so fern ins
Ruhrgebiet gezogen sein, bald haben sie sich eines der
typischen Eigenschaften der Menschen dieser Region angeeignet:
den Sinn für Pragmatik. Daher muss uns für die
Zukunft der Ruhr-Uni nicht bange sein, mit dem uns eigenen
Sinn für das Machbare werden wir sie schon meistern.
Und vielleicht können wir nach erfolgreicher Campussanierung
in 10 Jahren die 50 mit frisch geputzten und gebügelten
Kleidern und Anzügen feiern.
jk
|
|
|
|
|
| |
|
|