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RUBENS 97

1. Mai 2005

Lernen am Ernstfall

Medizinstudierende üben Notfallhilfe mit Profis



Der seit dem Wintersemester 2003/04 laufende Modellstudiengang Medizin besticht durch einen hohen Praxisanteil. Dazu gehört auch das Erwerben von Erste-Hilfe-Maßnahmen, das für die 42 Modellstudierenden Mitte April auf dem Programm stand. Fünf Tage lang waren sie abwechselnd Arzt oder Patient.


Alles erinnert an einen Katastropheneinsatz: An ausgestreckten Armen werden auf dem Flur Infusionszugänge gelegt. Ein Hocker steht bereit, auf den eine rücklings auf dem Boden liegende, ohnmächtige Frau die Füße hochlegt, während ein seitlich Niederkniender ihren Puls ertastet. Nebenan im Raum wird reanimiert und beatmet. Irritierend dabei: Sowohl Opfer als auch Helfende tragen Arm aufwärts, Arm abwärts Verbände und Druckpflaster.
Nachgestellt und doch real: Das ist der Praxisbezug für 42 Studierende im Modellstudiengang Medizin, die fünf Tage lang in Kooperation mit den Bochumer und Gelsenkirchener Berufsfeuerwehren in der Bochumer Rettungsdienstschule Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen. Dr. Clemes Sirtl, Oberarzt für Anästhesie am St. Josef-Hospital und als ärztlicher Leiter des städtischen Rettungsdienstes der Motor der Ausbildung, erklärt: „Das Bochumer Notarztsystem blickt auf eine 15-jährige Zusammenarbeit mit der Feuerwehr zurück, die mit ihrer Ausbildung von Rettungssanitätern und -Assistenten in der Rettungsdienstschule einmalig in Deutschland ist. Dieses Niveau müssen auch Medizinstudierende besitzen. Sie erhalten so Perspektiven für ihr gesamtes Studium.“
Ziel der Ausbildung soll sein, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte wissen, welche Versorgungsqualität derzeit besteht; dort hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Nicht nur, dass ausgebildete Rettungsassistenten wiederbeleben, intubieren, Venenzugänge legen. Sie verfügen auch über spezialisiertes multimediales Wissen, mit dem sie über den Rechner die Rettungsvorgänge an Puppen anschaulich demonstrieren und schrittweise steuern.

42 von 310

Derzeit sind in Bochum 310 Studierende in Medizin eingeschrieben, 42 von ihnen belegen Kurse im Modellstudiengang, der seit dem Wintersemester 2003/04 angebotenen wird. „Die Studierenden bewerben sich nach Vorgesprächen intern dafür und werden per Los ausgewählt. Wir wollen nichts Elitäres schaffen“, so Prof. Herbert Rusche, Fakultätsbeauftragter für den Modellstudiengang sowie Leiter des Büros für Studienreform Medizin an der Ruhr-Uni. Wesentliche Unterschiede: „Im normalen Medizinstudium wird vier Jahre lang Theorie gebüffelt. Der Modellstudiengang ist vom ersten Tag an praxisbezogen. Zudem lernen die Studierenden in Kleingruppen von sieben Personen, es gibt weder Physikum noch Vorlesung, dagegen sind Ausbildung in Kommunikation und Ethik wesentliche Bestandteile.“
Julia Girsche ist eine der Studierenden, die sich von Beginn an für den Modellstudiengang begeisterte. Mit leuchtenden Augen fasst sie mit „Herz-Lungen-Wiederbelebung, Verhalten bei Schock und Umgang mit Verletzten“ das Programm der fünf Tage zusammen, um dann gestenreich beim Intubieren der Lernpuppe zu beschreiben, wie sie „mit einem Spatel die Zunge runter bis zur Sichtweite der Luftröhre“ runter drückt, um dann vorsichtig „mit Hilfe eines Führungsstabes einen Plastikschlauch, den Tubus, hinein zu führen.“ Dagegen schätzt sich Andreas Preber – auch er mit weißem Druckverband im Venenbereich beklebt – „noch nicht ganz sicher“ beim Kanüleneinschub in die Vene des Kommilitonen Magnus Sriepörtner. Dennoch gibt er sich der angehende Mediziner zuversichtlich – mit der fachkundigen Anleitung vom Notarzt Stephan Morholt im Hintergrund und dem ermunternden „ich habe volles Vertrauen“ des soeben Gepieksten.

Thea A. Stuchtemeier
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Letzte Änderung: 29.04.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik