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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Beobachtet
Frisch
frisiert
Kürzlich war am Samstagabend bei Wetten, dass
eine Friseurin, die gleichzeitig in Normal- und in Spiegelschrift
schreiben konnte. Thomas Gottschalk, ganz der Lehrer,
diktierte einen Text, die Friseurin schrieb mit rechts
von links nach rechts und mit links spiegelverkehrt. Hinterher
kontrollierten Gottschalk und Millionen von TV-Zuschauern
aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam,
ob alles seine Richtigkeit hat. Bei der Spiegelschrift
wurde dem Text vorsichtshalber ein Spiegel vorgehalten.
Und siehe da: Die talentierte Friseurin hatte zweimal
null Fehler gemacht. Wette gewonnen. Sie wurde zurecht
Wettkönigin.
Die Spiegelschrift gilt, da sie ohne Spiegel schwer zu
lesen ist, nicht erst seit Leonardo da Vinci als Geheimschrift.
Als Verkehrsteilnehmer erleben wir sie, wenn wir im Auto
sitzen und hinter uns der Notarzt fährt. Dann steht
Notarzt in Spiegelschrift auf dem Notarztwagen,
damit wir es im Rückspiegel lesen können und
Platz machen, falls der Notarzt im Einsatz ist.
Nun lernen wir auch auf dem Campus die Spiegelschrift
näher kennen: Nachdem das Gebäude der Unibibliothek
schon länger von hinten beschriftet ist, soll nun
auch vorn drauf stehen, was vorn drin ist. Hinten, also
am Forum, steht seit Oktober 2003 das Wort KUNSTSAMMLUNGENDERRUHRUNIVERSITÄTBOCHUM,
was nichts anderes heißt als Kunstsammlungen
der Ruhr-Universität Bochum. Das trifft den
Kern, denn der hintere Teil des Gebäudes beherbergt
im Keller in der Tat die Kunstsammlungen. Die schnörkellosen
Buchstaben leuchten nach Einbruch der Dunkelheit unregelmäßig
auf: mal einzeln, mal mehrere Buchstaben gleichzeitig,
mal das ganze Wort computergesteuert. Das Programm
schrieb der Künstler Mischa Kuball.
Doch zurück zur Vorderseite des Gebäudes, das
von vielen, die über die Unibrücke kommen, als
erstes wahrgenommen wird. Seit April ist die Vorderseite
nicht mehr blank, sondern wird von den gleichen schnörkellosen
Leuchtbuchstaben verziert, die auch die Rückseite
schmücken. Auch diese Leuchtbuchstaben bilden ein
Wort, das wir hier leider nicht abbilden können,
da Mischa Kuball es in Spiegelschrift schreiben ließ.
Immerhin ist die Botschaft nicht vollkommen geheim: Wenn
wir den Buchstaben einen großen imaginären
Spiegel vorhalten, lesen wir UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEKBOCHUM,
was nichts anderes heißt als Universitätsbibliothek
Bochum. Auch das trifft den Kern, denn der vordere
Teil des Gebäudes beherbergt in der Tat die Universitätsbibliothek.
Noch weit vor der offiziellen Einweihung der Leuchtschrift
am 19. Mai haben wir erfahren, was wirklich dahinter steckt:
Weil ursprünglich die heutige Rückseite der
Unibibliothek die Vorderseite sein sollte und nun also
am Gebäude alles irgendwie verkehrt herum ist, ist
es die Leuchtschrift vorne auch - zumindest diese eine.
Zugegeben, unser Kunstverständnis ist beschränkt,
wir gucken ja auch Wetten, dass - und fragen
uns deshalb: Wird am 19. Mai auch der große Spiegel
angebracht? Oder kommt die Friseurin?
ad
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