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RUBENS 97

1. Mai 2005

Farbbomben


Graffiti auf dem Campus – Kunst oder Schmiererei?



Das Konzept, legale Flächen für Sprayer zur Verfügung zu stellen (z. B. unter der Unibrücke), um damit wilde Schmierereien einzudämmen, ist gescheitert. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Gegen Graffiti helfen einzig dessen sofortiges Beseitigen oder begrünte Wände.

Es dürfte kaum eine Stadt in Deutschland geben, wo Graffiti nicht das Stadtbild prägt. Auch die Ruhr-Uni kommt daran nicht vorbei. Die Hauptzufahrt wird davon (freilich legal) flankiert, und auch so manche Fläche auf dem Campus trägt Spuren aus der Sprühdose.
Gewiss, die Uni gleicht noch lange nicht den Problemzonen vieler Großstädte. Offensichtlich ist aber, dass sich die Sprayer nicht mehr auf die frei gegebenen Flächen unter der Unibrücke beschränken: Bordsteinkanten, Verkehrs- und Hinweisschilder sowie jede noch so kleine Betonfläche in der Umgebung der Unterführung sind inzwischen diversen Verzierungen zum Opfer gefallen.
Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die schlummernden Potenziale der Gebäudeflächen auf dem Campus erkannt und genutzt werden. Um dem üblichen Einwand, lieber bunt und peppig als grau und langweilig, gleich zu begegnen: Mag Graffiti für manche Kunst sein, ist es doch für viele nicht mehr als Schmiererei und wird als Zeichen der Verwahrlosung verstanden.

Zeichen der Verwahrlosung

Genau an dieser Stelle bedarf es allerdings der Differenzierung zwischen den Bildern unter der Unibrücke und den einfallslosen Schmierereien, die auf dem Campus zu finden sind: Mögen die durchaus kunstvollen Bilder unter der Unibrücke dem grauen Beton gut tun, so stehen besprühte Hinweisschilder etc. dem Portal einer Universität einfach schlecht zu Gesicht. Wer die Ruhr-Uni anfährt, bekommt sogleich einen denkbar schlechten Eindruck. Verlässt er den Campus, bleiben die beschmierten Hinweis- und Verkehrsschilder in Erinnerung. Hiergegen muss die Uni etwas tun – und zwar schnell. Gegenmaßnahmen erfordern mitnichten ein totales Verbot, die bisher zur Verfügung gestellten Flächen weiter zu besprühen. Es ist durchaus sinnvoll, derartige Möglichkeiten anzubieten.
Gegen den Wildwuchs könnten klare örtliche Begrenzungen Abhilfe schaffen. Hierzu müssten Univerwaltung, Stadt Bochum und Polizei auf die Akteure zugehen und klare Grenzen setzen. Erfolg versprechend ist das Ganze nur, wenn illegale Graffitis unverzüglich beseitigt und dadurch die Grenzen unmissverständlich verdeutlicht werden. Absprachen bringen gar nichts, denn davon erfahren und daran halten sich in der Regel nur wenige Sprüher. Es wird immer Sprüher geben, die gerade das Überschreiten der Grenzen reizt.
Grenzen vertragen sich schwerlich mit Graffiti, wo in der Szene gemeinhin das Motto gilt: „Getting Fame is the Name of the Game“. Erst durch das sog. Bombing, das illegale Besprühen von Wänden oder Gegenständen, wird Ruhm („Fame“) erlangt. Auf klar abgegrenzten Flächen lässt er sich kaum erwerben.
Während der Tunnel unter der Unibrücke durch die Graffitibilder gewinnt, sind wahllos auf Mauern, in Fahrstühlen, Toiletten oder am neuen Campus Center vor GA platzierte „Tags“ (Signaturen), „Throw-Ups“ (aufgeblasen wirkenden Buchstaben, die meist ein- oder zweifarbig gestaltet und mit wenig Zeitaufwand erstellt werden) oder „Pieces“ (Bilder) schlicht ein Graus und haben gar nichts zu tun mit „Jugendkultur“, womit derartiges Graffiti-Unwesen teilweise euphemistisch entschuldigt wird.

Null Toleranz

Noch kann sich die Uni glücklich schätzen angesichts der eher spärlichen Schmierereien (auch wenn sie die ohnehin meist schmuddeligen Aufzüge noch schmuddeliger machen). Damit dies so bleibt, ist aber Prävention in Form von rascher Reaktion unerlässlich. Als wirkungsvoll herausgestellt hat sich andernorts das schnelle Entfernen des Graffitis, mit anderen Worten: „Null Toleranz“. Das hat auch der Erfahrungsaustausch auf dem kürzlich in Berlin durchgeführten 1. Internationalen Anti-Graffiti-Kongress gezeigt.
Die Strategie fußt auf der „Broken-Window-Theorie“: Wenn in einem Gebäude eine Fensterscheibe nicht schnell repariert wird, sind bald alle Scheiben kaputt. Das kann man auf Graffiti übertragen: Wo eine Schmiererei ist, wird es bald mehrere geben. Frühe Intervention könnte einer solchen Verwahrlosung Einhalt gebieten. Erfahrungsgemäß nehmen bei beharrlichem Gegensteuern die Schmierereien ab, weil der Ruhm ausbleibt, wenn man seine Tags nicht wieder findet.
Das sofortige Entfernen mag anfänglich die Reinigungskosten erhöhen. Aber längerfristig dürfte es sich rechnen; nicht nur finanziell, sondern auch mit Blick auf das Image der Uni. Und falls am Ende doch noch Geld übrig bleibt, könnte es in Farbe investiert werden, um gezielt dem Grau des Betons zu Leibe zu rücken.

Dr. Holm Putzke (Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft)
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Letzte Änderung: 29.04.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik