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RUBENS 97

1. Mai 2005

Editorial

Schadenfreude


Ab dem 1. Mai bestraft die Ruhr-Universität Falschparker. Je nach Schwere des Vergehens werden sogar Autos abgeschleppt (S. 6). Das ist gut. Bisher musste die Uni sehr nachsichtig mit Falschparkern umgehen, konnte ihnen nur kleine Nachrichten an die Windschutzscheibe kleben. Darüber machten sich die Verkehrssünder gerne lustig, falls sie überhaupt reagierten.
Doch wer Feuerwehrzufahrten zuparkt, auf Rad- oder Fußgängerwegen steht, der gehört bestraft. Die 40 Euro, die es ihn oder sie kostet, wenn das Auto innerhalb des Campus verschleppt wird, sind leider nur eine sehr geringe Strafe, das könnte gerne etwas mehr sein. Noch schöner wäre es, wenn die Parksünder ihre Autos nicht vom Besucherparkplatz der Ruhr-Uni, sondern vom Anwesen des Abschleppdienstes Klotzbach holen müssten.
Es ist ohnehin kaum nachzuvollziehen, wie jemand angesichts der 8.000 Parkplätze auf dem Campus auf die Idee kommen kann, sein Auto dort abzustellen, wo es nicht erlaubt ist – wo man andere behindert, im schlimmsten Fall das Retten von Leben verhindert. Hier paaren sich Egoismus und Ignoranz.
Seit den zwar populären, aber nicht immer sehr in Tiefe und Breite gehenden Ausführungen des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering zum Kapitalismus scheinen vereinfachte Sichtweisen zurzeit eine Renaissance zu erleben. Das möchten wir uns gerne zunutze machen – und fragen: Wozu brauchen wir eigentlich 8.000 Parkplätze auf dem Campus? Die Uni ist doch hervorragend an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden und prima per Bus und Bahn zu erreichen.
Na gut, einige Menschen wohnen weit weg und sowieso in Gegenden, wo selten Busse fahren und wo es ziemlich umständlich wäre, zur Uni zu kommen: mit viermaligem Umsteigen, zweistündigen Fahrten und so weiter. Aber genau dort möchten diese Menschen wohnen und genau hier, an der Ruhr-Uni, möchten sie gerne arbeiten oder studieren. Man richtet es sich gern bequem ein.
Noch mal „na gut“: Einige Menschen möchten gerne unabhängig sein, sich nicht nach Fahrzeiten richten, lieber Kommen und Gehen, wie es passt. Gerade jetzt, wo man über die Automobilbranche die Volkswirtschaft ankurbeln müsste, darf man nicht aufs Auto verzichten. Und gerade jetzt, wo die Motoren schadstoffärmer werden, ist es nicht mehr so schlimm mit dem Individualverkehr: die paar Abgase, das bisschen Lärm, der geringe Verbrauch von Ressourcen. Macht doch nichts.
Entschuldigung, das macht wohl etwas, denn Abgase, Lärm uns Ressourcenverbrauch gibt es weiterhin mehr als nötig. Und, was sollen eigentlich die armen, verdrängten Raucher sagen? Sie dürfen sich in den riesigen Hallen der Ruhr-Uni keine Zigarette mehr anstecken, weil der Qualm andere belästigen oder gar ihre Gesundheit gefährden könnte. Und das, während draußen zur selben Zeit 10.000 oder mehr Autos die Luft verpesten.

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Letzte Änderung: 29.04.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik