Editorial
Schadenfreude
Ab dem 1. Mai bestraft die Ruhr-Universität Falschparker.
Je nach Schwere des Vergehens werden sogar Autos abgeschleppt
(S. 6). Das ist gut. Bisher musste die Uni sehr nachsichtig
mit Falschparkern umgehen, konnte ihnen nur kleine Nachrichten
an die Windschutzscheibe kleben. Darüber machten
sich die Verkehrssünder gerne lustig, falls sie
überhaupt reagierten.
Doch wer Feuerwehrzufahrten zuparkt, auf Rad- oder Fußgängerwegen
steht, der gehört bestraft. Die 40 Euro, die es
ihn oder sie kostet, wenn das Auto innerhalb des Campus
verschleppt wird, sind leider nur eine sehr geringe
Strafe, das könnte gerne etwas mehr sein. Noch
schöner wäre es, wenn die Parksünder
ihre Autos nicht vom Besucherparkplatz der Ruhr-Uni,
sondern vom Anwesen des Abschleppdienstes Klotzbach
holen müssten.
Es ist ohnehin kaum nachzuvollziehen, wie jemand angesichts
der 8.000 Parkplätze auf dem Campus auf die Idee
kommen kann, sein Auto dort abzustellen, wo es nicht
erlaubt ist wo man andere behindert, im schlimmsten
Fall das Retten von Leben verhindert. Hier paaren sich
Egoismus und Ignoranz.
Seit den zwar populären, aber nicht immer sehr
in Tiefe und Breite gehenden Ausführungen des SPD-Vorsitzenden
Franz Müntefering zum Kapitalismus scheinen vereinfachte
Sichtweisen zurzeit eine Renaissance zu erleben. Das
möchten wir uns gerne zunutze machen und
fragen: Wozu brauchen wir eigentlich 8.000 Parkplätze
auf dem Campus? Die Uni ist doch hervorragend an den
Öffentlichen Personennahverkehr angebunden und
prima per Bus und Bahn zu erreichen.
Na gut, einige Menschen wohnen weit weg und sowieso
in Gegenden, wo selten Busse fahren und wo es ziemlich
umständlich wäre, zur Uni zu kommen: mit viermaligem
Umsteigen, zweistündigen Fahrten und so weiter.
Aber genau dort möchten diese Menschen wohnen und
genau hier, an der Ruhr-Uni, möchten sie gerne
arbeiten oder studieren. Man richtet es sich gern bequem
ein.
Noch mal na gut: Einige Menschen möchten
gerne unabhängig sein, sich nicht nach Fahrzeiten
richten, lieber Kommen und Gehen, wie es passt. Gerade
jetzt, wo man über die Automobilbranche die Volkswirtschaft
ankurbeln müsste, darf man nicht aufs Auto verzichten.
Und gerade jetzt, wo die Motoren schadstoffärmer
werden, ist es nicht mehr so schlimm mit dem Individualverkehr:
die paar Abgase, das bisschen Lärm, der geringe
Verbrauch von Ressourcen. Macht doch nichts.
Entschuldigung, das macht wohl etwas, denn Abgase, Lärm
uns Ressourcenverbrauch gibt es weiterhin mehr als nötig.
Und, was sollen eigentlich die armen, verdrängten
Raucher sagen? Sie dürfen sich in den riesigen
Hallen der Ruhr-Uni keine Zigarette mehr anstecken,
weil der Qualm andere belästigen oder gar ihre
Gesundheit gefährden könnte. Und das, während
draußen zur selben Zeit 10.000 oder mehr Autos
die Luft verpesten.
ad
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