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RUBENS 96

1. April 2005

Beobachtet

Strichfestes Alibi


Als 1949 der Barcode bzw. Strichcode erfunden wurde, ging es in erster Linie darum, möglichst viele Informationen auf wenig Platz unterzubringen. Genau wie beim Chip klappte das ganz wunderbar: Hier sorgen die „Nullen“ und „Einsen“, dort die dicken und dünnen Striche für die kleinen, aber entscheidenden Unterschiede. Deshalb ist es heutzutage kein Problem, alles Wissenswerte über – beispielsweise – einen Streifen Kaugummi auf dessen Verpackung zu platzieren. Ein paar Striche genügen.
Dabei verhält es ähnlich wie beim menschlichen Fingerabdruck. Für uns Laien sehen alle Fingerabdrücke (wie auch alle Strichcodes) gleich aus, und dennoch sind sie unverwechselbar. So könnte aus mir kein Mörder werden, nur weil ich zufällig denselben Fingerabdruck wie ein solcher aufs Papier drücke. Denn diesen Zufall hat die Natur eindeutig ausgeschlossen. Und so wird aus dem Kaugummi kein 40-kg-Sack Mörtel, wenn die Kassiererin mit dem Infrarot-Scanner über den Barcode huscht. Diesen Zufall hat die Industrie ausgeschlossen. Dass wir dennoch auf dem Kassenzettel die gedruckten Resultate des Scans kontrollieren, ist eine andere Geschichte.
Diese Geschichte soll nicht fortgeführt werden. Das Thema Mörtel jedoch bringt uns zwangsläufig zu Türen und zu dem, was auch auf unserem Campus gemeinhin dahinter liegt: Räume. Irgendwo, meist oben links, kleben seit einiger Zeit an den Türen oder Türzargen der Ruhr-Uni Barcodes. Sie werden dort ihrer 1949 erdachten Bestimmung gerecht und beinhalten Strich für Strich komprimierte Informationen - in diesem Fall „reinigungsrelevante Daten, wie Nutzungsart, Bodenbelagsart, Reinigungshäufigkeit“ für die Reinigungskraft, die den Raum zu putzen hat. So steht es in einem Papier zur „Optimierung der Unterhaltsreinigung“ des Technischen Hochschulbetriebs.
Zur gewünschten „Optimierung“ zählt ausdrücklich auch die „Qualitätskontrolle“. Das heißt: Wenn die Reinigungskraft nun auch noch einen Infrarot-Scanner in die Hand gedrückt bekommt (unsere, für die wir, nebenbei gesagt, in jeder Hinsicht die Hand ins Feuer legen, hat noch keinen) und über den Strichcode an der Tür huscht, hat sie die reinigungsrelevanten Daten sofort parat und weiß zum Beispiel, welchen Bodenbelag der unverwechselbare Raum aufweist, den sie betritt. Außerdem weiß die Reinigungskraft, ob es sich bei dem Raum um ein Büro handelt, eine Küche oder ein Labor.
Ganz nebenbei kann sie mit demselben Husch hieb- und stichfest dokumentieren, dass sie in diesem Raum tatsächlich gewesen ist. Und das ist gewiss der eigentliche Fortschritt des Barcodes an der Ruhr-Uni: Früher wusste niemand, wo die Reinigungskraft gewesen ist, um zu putzen oder nicht zu putzen. Heute wissen wir ganz eindeutig, wo die Reinigungskraft gewesen ist, um zu putzen oder nicht zu putzen.

 

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Letzte Änderung: 31.03.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik