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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Beobachtet
Strichfestes
Alibi
Als 1949 der Barcode bzw. Strichcode erfunden wurde, ging
es in erster Linie darum, möglichst viele Informationen
auf wenig Platz unterzubringen. Genau wie beim Chip klappte
das ganz wunderbar: Hier sorgen die Nullen
und Einsen, dort die dicken und dünnen
Striche für die kleinen, aber entscheidenden Unterschiede.
Deshalb ist es heutzutage kein Problem, alles Wissenswerte
über beispielsweise einen Streifen
Kaugummi auf dessen Verpackung zu platzieren. Ein paar
Striche genügen.
Dabei verhält es ähnlich wie beim menschlichen
Fingerabdruck. Für uns Laien sehen alle Fingerabdrücke
(wie auch alle Strichcodes) gleich aus, und dennoch sind
sie unverwechselbar. So könnte aus mir kein Mörder
werden, nur weil ich zufällig denselben Fingerabdruck
wie ein solcher aufs Papier drücke. Denn diesen Zufall
hat die Natur eindeutig ausgeschlossen. Und so wird aus
dem Kaugummi kein 40-kg-Sack Mörtel, wenn die Kassiererin
mit dem Infrarot-Scanner über den Barcode huscht.
Diesen Zufall hat die Industrie ausgeschlossen. Dass wir
dennoch auf dem Kassenzettel die gedruckten Resultate
des Scans kontrollieren, ist eine andere Geschichte.
Diese Geschichte soll nicht fortgeführt werden. Das
Thema Mörtel jedoch bringt uns zwangsläufig
zu Türen und zu dem, was auch auf unserem Campus
gemeinhin dahinter liegt: Räume. Irgendwo, meist
oben links, kleben seit einiger Zeit an den Türen
oder Türzargen der Ruhr-Uni Barcodes. Sie werden
dort ihrer 1949 erdachten Bestimmung gerecht und beinhalten
Strich für Strich komprimierte Informationen - in
diesem Fall reinigungsrelevante Daten, wie Nutzungsart,
Bodenbelagsart, Reinigungshäufigkeit für
die Reinigungskraft, die den Raum zu putzen hat. So steht
es in einem Papier zur Optimierung der Unterhaltsreinigung
des Technischen Hochschulbetriebs.
Zur gewünschten Optimierung zählt
ausdrücklich auch die Qualitätskontrolle.
Das heißt: Wenn die Reinigungskraft nun auch noch
einen Infrarot-Scanner in die Hand gedrückt bekommt
(unsere, für die wir, nebenbei gesagt, in jeder Hinsicht
die Hand ins Feuer legen, hat noch keinen) und über
den Strichcode an der Tür huscht, hat sie die reinigungsrelevanten
Daten sofort parat und weiß zum Beispiel, welchen
Bodenbelag der unverwechselbare Raum aufweist, den sie
betritt. Außerdem weiß die Reinigungskraft,
ob es sich bei dem Raum um ein Büro handelt, eine
Küche oder ein Labor.
Ganz nebenbei kann sie mit demselben Husch hieb- und stichfest
dokumentieren, dass sie in diesem Raum tatsächlich
gewesen ist. Und das ist gewiss der eigentliche Fortschritt
des Barcodes an der Ruhr-Uni: Früher wusste niemand,
wo die Reinigungskraft gewesen ist, um zu putzen oder
nicht zu putzen. Heute wissen wir ganz eindeutig, wo die
Reinigungskraft gewesen ist, um zu putzen oder nicht zu
putzen.
ad
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