Bestens im Bilde
Der Studierendenmonitor
läutet eine neue Zeitrechnung an der Ruhr-Uni ein
Was hat die neue Uhr auf der Unibrücke mit dem
Studierendenmonitor zu tun? Eigentlich erfüllt
die neue Uhr drei Aufgaben. Während sie zum einen
endlich wieder die exakte Zeit angibt (wenn sie auch
schwer zu erkennen ist) und zum anderen durch
das Siegel das gestärkte Selbstbewusstsein
der Ruhr-Uni wiederspiegelt, steht sie drittens für
eine neue Zeitrechnung. Diese wird geprägt sein
durch ein besseres Verständnis für die Studierenden
der Ruhr-Uni.
Die Uni sammelt deshalb - in Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten
- Daten über ihre Studierenden. Geliefert werden
sie von der Pilotstudie zur Entwicklung eines
Studierendenmonitors Ruhrgebiet des Zentrums für
Interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung; federführend
sind der Sozialwissenschaftler Prof. Peter Strohmeier
und der Diplomgeograf Tobias Terpoorten. Sie haben bei
der Einschreibung zum Wintersemester 04/05 rund 750
(freilwillige) Erstsemester befragt. Mittels zwölf
Fragen sollte deren sozialer Hintergrund ermittelt werden:
Status der Eltern, Finanzierung des Studiums etc.
Diese Daten wurden mit einer Studie des Hochschulinformations-Systems
für Nordrhein-Westfalen verglichen. Dabei wurden
die zuletzt in RUBENS (94) zitierten Ergebnisse erhärtet:
An der Ruhr-Uni studieren vergleichsweise wenig junge
Menschen aus gehobenen bzw. hohen sozialen Herkunftsgruppen;
dafür ist der Anteil aus der niedrigen Gruppe höher
als im Landesdurchschnitt. Zudem finanzieren 90 Prozent
der befragten Erstsemester der Ruhr-Uni ihr Studium
per Nebenjob (landesweit für alle Studierenden:
67 Prozent; bundesweit: 59 Prozent). Da ihnen diese
Zeit fürs Studium fehlt, verwundert es nicht, dass
Bochumer Studierenden länger bis zum Abschluss
brauchen als ihre Kommilitonen in Aachen.
Darüber hinaus haben Strohmeier und Terpoorten
in die Studierendenstammdatei der Ruhr-Uni geschaut.
Basis für ihre anonymisierten Analysen waren laut
Tobias Terpoorten jene knapp 23.000 Studierenden, deren
Heimatanschrift im Ruhrgebiet liegt. Es zeigte sich
zum einen, dass die große Zahl der Studierenden
wie vermutet aus Bochum und den unmittelbaren
Nachbarstädten stammt. Zum anderen wird klar, dass
sich die Herkunft nicht gleichmäßig auf die
sog. Sozialraumtypen verteilt. Grundsätzlich werden
sechs Typen (Cluster) identifiziert: zwischen 1 (beste
Lage wie Stiepel) und 6 (sozialer Brennpunkt
wie Essen Vogelheim). Gerade aus solch extremen Gegenden
kommen die wenigsten der an der Ruhr-Uni Immatrikulierten.
Stattdessen kommen sie zu zwei Dritteln aus den Clustern
2 (wie Linden) und 4 (wie Riemke).
Die Pilotstudie ist laut Prof. Strohmeier natürlich
nur der Beginn eines umfassenden Studierendenmonitors
für die Ruhr-Uni. So sollen die Befragungen von
Neuimmatrikulierten verstetigt und die Datenmenge erhöht
werden. Wenn man z. B. erfährt, dass nur wenige
Studierende der Ruhr-Uni von bestimmten Schulen der
Umgebung kommen, kann der Kontakt zu diesen Schulen
verstärkt werden.
Womöglich soll mit Hilfe des bereits jetzt eingesetzten
Geografischen Informationssystems (GIS) zusätzlich
ein Bildungsmonitor Ruhrgebiet etabliert
werden, der Bewegungen und Biografien von der Grundschule
über die weiterführende Schule bis hin zur
Hochschule festhält. An diesem Bildungsmonitor
sind neben den Hochschulen der Region auch verschiedene
Kommunen sowie der Regionalverband Ruhr interessiert.
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