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RUBENS 96

1. April 2005

Systemadministrator mit Stimme

Das Dreifachleben des Karsten Jürgens: Netzwerk, Studium und Gesang



Morgens im Hörsaal oder im Büro, abends im Tonstudio oder auf der Bühne - wer mehrere Leben unter verschiedenen Namen führt, der hat auch viel zu erzählen.


Unter dem Namen Keenan Joyce findet man ihn nicht im Personalverzeichnis. Und doch ist er in mehrfacher Hinsicht an der Ruhr-Uni anzutreffen. Im Flachbau Nordost hat er ein freundliches Büro, in dem sogar die technischen Details aus dem Innenleben eines Computers ästhetisch aufgereiht sind. Kein Kabelwirrwarr, keine nüchterne oder chaotische Tristesse, die oft bei Netzwerkern anzutreffen ist.

Über dem Schreibtisch hängt ein großes Fischskelett, geschenkt von der frisch Angetrauten, einer irischen Künstlerin. Irisch, keltisch Anmutendes findet sich ebenso an der Diensttür. Da steht auch: Karsten Jürgens, Netzwerkadministration. Karsten Jürgens – aber nicht Keenan Joyce. Seit fünf Jahren regelt der 31-jährige Jürgens von hier den Netzbetrieb des Dezernats 2 (Internationale Angelegenheiten, Forschungs- und Studierendenförderung). Anfangs halbtags, nun einmal pro Woche sorgt er für den systemadministrativen Zusammenhalt des Dezernats.

Einen Karsten Jürgens kennen ebenso die Studierenden im Gebäude der Philologen, dem GB, die mit ihm gemeinsam Englisch und Französisch pauken und sich bald auf die anstehenden Prüfungen vorbereiten werden. „Als Student musste ich immer arbeiten, mir fehlte von zu Hause aus das nötige Geld“, erklärt er sein – etwas höheres – Semester.

Neben den beiden Leben als Systemadministrator bzw. Student existiert aber noch ein anderer Karsten Jürgens. Einmal im Monat holt er sein weites weißes Folklorehemd aus dem Schrank, packt seine Westerngitarre und allerlei technisches Equipment ein und fährt mit dem Auto los. Ein paar Stunden später steht er als Keenan Joyce in diversen Pubs der Republik auf der Bühne. Er begrüßt seine Gäste mit einem frischen irischen Südküstenakzent ohne das vornehme Oxford-th, greift in die Saiten und stimmt ein verträumtes „Paddy’s Green Shamrock Shore“ an. Die Ballade entführt weit weg auf grüne Weiden mit plätscherndem, klarem und frischem Wasser, von denen es Abschied („Farethewell“) in ferne Länder zu nehmen gilt. Das Publikum, die meisten sind in den den 60er- und 70er-Jahren geboren, ist bewegt, summt „la-la-la“ mit. Keenan Joyce ist voll in seinem Element.

„Abends auf der Bühne verkaufe ich mich als Barden und biete ein Liederspektrum von Simon and Garfunkel über Leonard Cohen bis zu Cat Stevens an“, beschreibt Joyce seine Auftritte. Wenn ein guter Kontakt zum Publikum besteht, stimmt er auch selbst geschriebene Lieder wie „Paddy’s Green Shamrock Shore“ oder „My Love Lies Waiting“ an. Das sind im Grunde seine stärksten Produktionen, in denen sein Timbre verlockend voll zur Geltung kommt. „Ich singe keine Trinklieder, aber ich bin jemand, der zum Mitsingen animiert“, sagt er.

Schon als Kind bereitete sich Jürgens alias Joyce zielstrebig auf den kommenden Nebenerwerb vor: „Mein damaliger Gitarrenlehrer – ein alternativer Typ – sagte zu mir: ‚Wenn du Western-style-Gitarre spielst, dann sollst du auch singen.’ Ich begann mit american-folk-style aus der schwarzen Blues-Gegend, spielte dann auch Hannes Wader“, erinnert er sich. Als der ältere Bruder mit dem Gitarrenspiel aufhörte und sich die Eltern einen Einzelunterricht nicht mehr leisten konnten, machte er weiter im Alleingang, kaufte sich eine neue Gitarre, lernte in der Schule fleißig Englisch, erweiterte sein Repertoire und akquirierte zäh die Auftritte.

„Was ich verdiene, stecke ich ins Equipment. Jetzt besitze ich ein eigenes kleines Tonstudio, aus dem meine meisten Aufnahmen stammen. Nebenbei lernte ich dadurch, als Toningenieur zu arbeiten und bin jetzt in der Lage, Auftragsarbeiten für Elektronikbands oder andere Folkmusiker auszuführen“, erklärt Joyce. Sein Traum, so sagt er, sei ein großes, komplett eingerichtetes Tonstudio. Er wäre jedoch auch zufrieden, wenn er irgendwann mal all sein sprachliches, pädagogisches und technisches Wissen verbinden könnte, entweder als Selbstständiger oder Beschäftigter in der freien Wirtschaft. „Ich habe viele Interessen, alle mag ich gleich gerne und genieße sie. Die Stunden sind mir wichtiger als die Jahre“, sieht er sich selbst. Dann kann es auch schon mal passieren, dass eines seiner Ziele etwas verschwimmt und für einige Zeit aus dem Blickfeld gerät. Was er gerade macht, das macht er wohl ganz: als Karsten Jürgens tagsüber in der Uni und als Keenan Joyce abends im Pub – nach zweistündigem Auftritt selbstverständlich mit Zugabe.

Infos: www.folkfun.org

 

Thea A. Struchtemeier
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Letzte Änderung: 31.03.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik