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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Unterwegs in
Afrika
Oliver Schultz überprüft neue Theorien über
Heuschrecken
Heuschrecken-Plagen sind für ihn kein Thema: Oliver
Schultz promoviert am Lehrstuhl für spezielle Zoologie
Uni und untersucht die DNA von Heuschrecken in Ostafrika.
Der Biologe kann Rückschlüsse auf Herkunft und
Verwandtschaft ziehen. Sechs Wochen lang lebte er auf
dem Kilimanjaro, fernab von Touristenpfaden, aber in der
Nähe von Leoparden und Was serbüffeln. Mit Schultz
sprach Marion Dreischer.
RUBENS: Wie sind Sie auf die Heuschrecken gekommen?
Schultz: Als ich meine Diplomarbeit schreiben wollte,
hat mir der damalige Lehrstuhlinhaber Prof. Wägele
zwei Themen zur Auswahl gegeben: Tiefseeasseln zeichnen
oder Heuschrecken in Afrika erforschen. Da war die Wahl
schnell getroffen.
RUBENS: War die Diplomarbeit eine Vorarbeit für Ihre
Promotion?
Schultz: Genau, und jetzt knüpfe ich an die Ergebnisse
an. Für eine Diplomarbeit wäre das Ganze nicht
zu finanzieren gewesen.
RUBENS: Wie ist die Unterstützung durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft zustande gekommen?
Schultz: Ich habe den Antrag vor zwei Jahren gestellt.
Ich promoviere seit April 2004, das Geld fließt
seit Dezember.
RUBENS: Wie lange waren Sie in Afrika? Waren Sie allein
dort?
Schultz: Nein, ich war zusammen mit Claudia und Andreas
Hemp von der Uni Bayreuth da. Sie leben jeweils ein halbes
Jahr lang am Kilimanjaro. Sie haben ein Haus auf 1.400
Metern Höhe. Das war unsere Basis. Ich war dort sechs
Wochen und fahre im Dezember noch mal für drei Monate
runter. Bislang habe ich nur geschaut, wie man dort arbeiten
kann und ein wenig neues Material fürs Labor mitgenommen.
RUBENS: Ist schon klar, was Sie im Dezember in Afrika
machen werden?
Schultz: Das erschließt sich aus meiner Arbeit im
Labor. Wir haben verschiedene Orte untersucht und Tiere
gesammelt. Das Material verarbeiten wir jetzt. Claudia
arbeitet morphologisch. Ich arbeite mit DNA. Im Prinzip
mache ich Vaterschaftstests und gucke, welche
Arten näher miteinander verwandt sind. Andreas ist
Vegetationskundler. Alle Daten, so hoffen wir, werden
ein schönes Bild ergeben, wie sich die Natur in Ostafrika
im Laufe der Erdgeschichte verändert hat.
RUBENS: Sammeln Sie dabei auch Erkenntnisse über
die weltweiten Heuschreckenplagen?
Schultz: Nein, unsere Heuschrecken haben damit nichts
zu tun, die können noch nicht mal fliegen! Sie sitzen
nur in ihren Wäldern. Mich interessieren eher neue
Arten oder die Ausbreitung der Heuschrecken.
RUBENS: Haben Sie neue Arten entdeckt?
Schultz: Ja, praktisch auf jedem Gebirgszug. Es interessieren
sich nicht so viele Leute für Heuschrecken. Wenn
man also in ein Gebiet kommt, wo noch niemand Heuschrecken
gesammelt hat, findet man automatisch neue Arten.
RUBENS: Wie steht es mit der Ausbreitung?
Schultz: Es gibt eine Theorie, dass die Heuschrecken die
Küstenwälder hoch gekommen sind und sprungsteinmäßig
immer weiter gehüpft sind. Durch Ausbreitungen der
Wälder haben sich Verbindungen zwischen den Gebirgszügen
ergeben. So konnten die Heuschrecken weiterwandern und
haben sich, dachte man, bis zum Kilimanjaro hoch gearbeitet.
Ich habe allerdings herausgefunden, dass das nicht stimmen
kann, denn die ältesten Tiere findet man auf dem
Kilimanjaro, nicht an der Küste.
RUBENS: Wie kam das?
Schultz: Es kam im Laufe der Erdgeschichte immer wieder
zu Klimaänderungen zwischen trockenen und feuchten
Zeiten. Sie führten dazu, dass die Waldbedeckung
der Gebirge schrumpfte, so dass man heute tropische Waldbedeckung
nur noch in den Höhenlagen findet. Die Heuschrecken
mussten dieser schwindenden Waldbedeckung folgen um zu
überleben. Anscheinend haben das nur die Tiere auf
dem Kilimanjaro und den Nord Pare Bergen geschafft.
RUBENS: Und dann musste sich alles wieder neu entwickeln?
Schultz: Ja, es gab wieder mehr Feuchtigkeit und somit
die nächste Wanderungswelle von Heuschrecken in die
Gebirge. Das ist die Theorie, die wir jetzt entwickelt
haben. Um sie zu untermauern, brauchen wir noch mehr Tiere
aus den verschiedenen Gebieten.
RUBENS: Sie haben also tatsächlich eine Theorie widerlegt?
Schultz: Ja, die Theorie hatte Claudia aufgestellt. Jetzt
wollen wir gemeinsam Beweise finden, um die neuen Erkenntnisse
zu bestätigen. Wir arbeiten mit morphologischen und
genetischen Daten. Zusätzlich mache ich Bioakustik.
Ich untersuche, wie die Heuschrecken kommunizieren. Die
Arten trennen sich durch Zirpen oder ihre Farbe voneinander
ab. Wenn die eine Art die Lockrufe der anderen nicht versteht
oder sie durch die Farbe nicht wahrnimmt, finden sie nicht
zueinander. So bleibt jede Art unter sich.
RUBENS: Wie viele Tiere haben Sie nach Bochum mitgebracht?
Schultz: Etwa 150, darunter mindestens drei neue Arten.
Unter anderem haben wir eine Art gefunden, die nachtaktiv
ist. Das Problem war, dass man unter Umständen bei
nächtlichen Exkursionen auf Wasserbüffel trifft.
Wenn die auf einen losrennen, kriegt man schon Panik.
Deswegen haben wir nachts immer in die Hände geklatscht,
damit die erst mal stiften gehen.
Marion
Dreischer
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