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RUBENS 96

1. April 2005

Unterwegs in Afrika


Oliver Schultz überprüft neue Theorien über Heuschrecken


Heuschrecken-Plagen sind für ihn kein Thema: Oliver Schultz promoviert am Lehrstuhl für spezielle Zoologie Uni und untersucht die DNA von Heuschrecken in Ostafrika. Der Biologe kann Rückschlüsse auf Herkunft und Verwandtschaft ziehen. Sechs Wochen lang lebte er auf dem Kilimanjaro, fernab von Touristenpfaden, aber in der Nähe von Leoparden und Was serbüffeln. Mit Schultz sprach Marion Dreischer.

RUBENS: Wie sind Sie auf die Heuschrecken gekommen?

Schultz: Als ich meine Diplomarbeit schreiben wollte, hat mir der damalige Lehrstuhlinhaber Prof. Wägele zwei Themen zur Auswahl gegeben: Tiefseeasseln zeichnen oder Heuschrecken in Afrika erforschen. Da war die Wahl schnell getroffen.

RUBENS: War die Diplomarbeit eine Vorarbeit für Ihre Promotion?

Schultz: Genau, und jetzt knüpfe ich an die Ergebnisse an. Für eine Diplomarbeit wäre das Ganze nicht zu finanzieren gewesen.

RUBENS: Wie ist die Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zustande gekommen?

Schultz: Ich habe den Antrag vor zwei Jahren gestellt. Ich promoviere seit April 2004, das Geld fließt seit Dezember.

RUBENS: Wie lange waren Sie in Afrika? Waren Sie allein dort?

Schultz: Nein, ich war zusammen mit Claudia und Andreas Hemp von der Uni Bayreuth da. Sie leben jeweils ein halbes Jahr lang am Kilimanjaro. Sie haben ein Haus auf 1.400 Metern Höhe. Das war unsere Basis. Ich war dort sechs Wochen und fahre im Dezember noch mal für drei Monate runter. Bislang habe ich nur geschaut, wie man dort arbeiten kann und ein wenig neues Material fürs Labor mitgenommen.

RUBENS: Ist schon klar, was Sie im Dezember in Afrika machen werden?

Schultz: Das erschließt sich aus meiner Arbeit im Labor. Wir haben verschiedene Orte untersucht und Tiere gesammelt. Das Material verarbeiten wir jetzt. Claudia arbeitet morphologisch. Ich arbeite mit DNA. Im Prinzip mache ich „Vaterschaftstests“ und gucke, welche Arten näher miteinander verwandt sind. Andreas ist Vegetationskundler. Alle Daten, so hoffen wir, werden ein schönes Bild ergeben, wie sich die Natur in Ostafrika im Laufe der Erdgeschichte verändert hat.

RUBENS: Sammeln Sie dabei auch Erkenntnisse über die weltweiten Heuschreckenplagen?

Schultz: Nein, unsere Heuschrecken haben damit nichts zu tun, die können noch nicht mal fliegen! Sie sitzen nur in ihren Wäldern. Mich interessieren eher neue Arten oder die Ausbreitung der Heuschrecken.

RUBENS: Haben Sie neue Arten entdeckt?

Schultz: Ja, praktisch auf jedem Gebirgszug. Es interessieren sich nicht so viele Leute für Heuschrecken. Wenn man also in ein Gebiet kommt, wo noch niemand Heuschrecken gesammelt hat, findet man automatisch neue Arten.

RUBENS: Wie steht es mit der Ausbreitung?

Schultz: Es gibt eine Theorie, dass die Heuschrecken die Küstenwälder hoch gekommen sind und sprungsteinmäßig immer weiter gehüpft sind. Durch Ausbreitungen der Wälder haben sich Verbindungen zwischen den Gebirgszügen ergeben. So konnten die Heuschrecken weiterwandern und haben sich, dachte man, bis zum Kilimanjaro hoch gearbeitet. Ich habe allerdings herausgefunden, dass das nicht stimmen kann, denn die ältesten Tiere findet man auf dem Kilimanjaro, nicht an der Küste.

RUBENS: Wie kam das?

Schultz: Es kam im Laufe der Erdgeschichte immer wieder zu Klimaänderungen zwischen trockenen und feuchten Zeiten. Sie führten dazu, dass die Waldbedeckung der Gebirge schrumpfte, so dass man heute tropische Waldbedeckung nur noch in den Höhenlagen findet. Die Heuschrecken mussten dieser schwindenden Waldbedeckung folgen um zu überleben. Anscheinend haben das nur die Tiere auf dem Kilimanjaro und den Nord Pare Bergen geschafft.

RUBENS: Und dann musste sich alles wieder neu entwickeln?

Schultz: Ja, es gab wieder mehr Feuchtigkeit und somit die nächste Wanderungswelle von Heuschrecken in die Gebirge. Das ist die Theorie, die wir jetzt entwickelt haben. Um sie zu untermauern, brauchen wir noch mehr Tiere aus den verschiedenen Gebieten.

RUBENS: Sie haben also tatsächlich eine Theorie widerlegt?

Schultz: Ja, die Theorie hatte Claudia aufgestellt. Jetzt wollen wir gemeinsam Beweise finden, um die neuen Erkenntnisse zu bestätigen. Wir arbeiten mit morphologischen und genetischen Daten. Zusätzlich mache ich Bioakustik. Ich untersuche, wie die Heuschrecken kommunizieren. Die Arten trennen sich durch Zirpen oder ihre Farbe voneinander ab. Wenn die eine Art die Lockrufe der anderen nicht versteht oder sie durch die Farbe nicht wahrnimmt, finden sie nicht zueinander. So bleibt jede Art unter sich.

RUBENS: Wie viele Tiere haben Sie nach Bochum mitgebracht?

Schultz: Etwa 150, darunter mindestens drei neue Arten. Unter anderem haben wir eine Art gefunden, die nachtaktiv ist. Das Problem war, dass man unter Umständen bei nächtlichen Exkursionen auf Wasserbüffel trifft. Wenn die auf einen losrennen, kriegt man schon Panik. Deswegen haben wir nachts immer in die Hände geklatscht, damit die erst mal stiften gehen.

 

Marion Dreischer
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Letzte Änderung: 31.03.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik