Privathochschule
hat Erwartungen nicht erfüllt
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zur RUB
Anne Heinrichs (24) studiert in Bochum Wirtschaftswissenschaft
im fünften Fachsemester. Nach einem kurzen Abstecher
an die private Handelshochschule in Leipzig (HHL) kehrte
sie mit einem Kommilitonen an die RUB zurück. Über
die Gründe sprach sie mit Jens Wylkop.
RUBENS: Warum sind Sie nach Leipzig gegangen?
Heinrichs: Weil mich der Unterricht in motivierten Kleingruppen,
die guten Wirtschaftskontakte und der englischsprachige
Unterricht reizten. Diese Art zu arbeiten habe ich zuvor
in meinem dritten und vierten Semester in Irland und
in den USA kennen gelernt.
RUBENS: Aus welchen Gründen sind Sie wieder nach
Bochum gekommen?
Heinrichs: Meine Erwartungen an den Lehrinhalt wurden
nicht erfüllt und ich habe erkannt, dass mich das
Studium in Bochum besser auf meinen späteren Beruf
im Bereich Accounting vorbereitet. In Leipzig war das
erste Semester größtenteils ein "we
bring you on one level": 42 Leute starteten im
viersemestrigen Hauptstudium und hatten die unterschiedlichsten
Hintergründe - Berufsakademie, Fachhochschule und
Universität. Für meinen erneuten Wechsel war
letztlich die Erkenntnis ausschlaggebend, dass ich meinen
Schwerpunkt hier in Bochum besser vertiefen kann und
mit besseren Voraussetzungen in den Beruf einsteige.
Wir haben hier an der RUB vier stark besetzte Lehrstühle
im Bereich Accounting, dort gibt es nur einen mit zwei
wissenschaftlichen Mitarbeitern.
RUBENS: Welche Unterscheide gibt es noch zwischen
privater und staatlicher Hochschule?
Heinrichs: In Bochum habe ich gelernt, dass man mit
Eigeninitiative sehr viel erreichen kann: Auslandsaufenthalte
sind problemlos möglich, Lehrstühle vermitteln
gerne Praktikumplätze oder stellen Gutachten aus,
außerfachliche Kompetenz und Wirtschaftskontakte
können durch Infoveranstaltungen und den Optionalbereich
erworben werden. Jeder, der bereit ist, Eigeninitiative
aufzubringen, muss nicht an eine Privathochschule gehen
- dort ist zwar alles vorab organisiert, aber eben auch
sehr verschult. Aufgrund des vorgegebenen, engen Stundenplans
bleibt wenig Freiheit im Studium.
RUBENS: Würden Sie die Ausbildung in Bochum einem
Studienanfänger empfehlen?
Heinrichs: Auf jeden Fall. Ich bin zurückgekommen,
das ist wohl der beste Beweis dafür. Ich hatte
mit das beste Vordiplom meines Jahrgangs und hätte
das Studium an der im Spiegel top-gerankten Handelshochschule
sicher auch gut geschafft. Ich bin aber überzeugt,
dass die Bochumer Ausbildung für meinen Berufseinstieg
wertvoller ist.
RUBENS: Wie lautet Ihr Fazit nach dieser "Odyssee"?
Heinrichs: Man sollte sich den Schritt, an eine Privathochschule
zu gehen, sehr gut überlegen. Ich hätte gerne
16.000 Euro für eine hervorragende Ausbildung an
der Handelshochschule investiert. Im Vergleich zu meinen
guten Erfahrungen in Bochum fehlt aber ein entsprechender
Mehrwert, der die höheren Kosten rechtfertigt.
RUBENS: Zum Schluss: Wie verlief die "Wiedereingliederung"
in die RUB?
Heinrichs: Reibungslos. Die Zulassungsstelle hat
mich rückwirkend immatrikuliert. Außerdem
haben sich Prof. Pellens und Prof. Streim sofort dazu
bereit erklärt, mich in diesem Semester frühzeitig
bzw. nachträglich zu prüfen, da ich noch ein
Praktikum in den USA absolviere und die Klausurtermine
im Februar nicht wahrnehmen kann.
jw
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