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RUBENS 95

1. Februar 2005

Gebäudeserie: NB

Per aspera ad astra



Jeder von uns kann sich sicher noch an sein erstes Semester an der RUB erinnern. Wer hat sich anfangs nicht in den Kellerräumen verirrt und verzweifelt einen Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 02 und mal auf 01? Und warum gibt es nicht überall eine Cafete? RUBENS liefert die Antworten - diesmal zum NB.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Diese Redensart gerät angesichts der Verbindung der Campusgebäude NA und NB schon beim A ins Stocken. Wenn jemand den direkten Weg von NA nach NB nimmt, dem bleibt - steinwurfweit nah - sein Ziel verbaut. Baukräne, Planen und hochgezogene Gitter versperren den Weg. Wer NB und die in ihm beheimateten Abteilungen aufsuchen will, gekrönt hoch oben von Astronomie und Astrophysik, erreicht das Haus folglich nur auf Umwegen - per aspera ad astra (in etwa: "Über raue Pfade steigt man empor zu den Sternen").
Die derzeitige Erscheinung des NB-Gebäudes weckt manche Erinnerungen an die Zeit, als in ihm die Fakultät für Physik und Astronomie im Wintersemester 1968/69 ihren Lehrbetrieb aufnahm. Obwohl NB im Oktober 1968 fertig gestellt wurde, steckte es quasi immer noch in den Kinderschuhen, besser gesagt: Schlammstiefeln der Baubeginnperiode von 1965, aus der sämtliche Institutsgebäude für die Naturwissenschaften (NA, NB, NC, ND) hervor gingen. Waren zu jenen Zeiten ursprünglich drei Lehrstühle (Experimentalphysik I und III, Theoretische Physik I) geplant, so kamen bis heute 13 weitere - zuzüglich acht Arbeitsgruppen - hinzu.
Im NB erklimmt sich etagenweise die große Vielfalt der Forschungsgebiete von Physik und Astronomie. Sie reicht über Astronomie und Astrophysik bis hin zu Biophysik, Festkörperphysik, Kern- und Teilchenphysik, Neuroinformatik, Plasma- und Atomphysik sowie der Fachdidaktik Physik. Die meisten Lehrstühle sind als "experimentelle" und "theoretische" vertreten. Zudem wurden der Fakultät die Lehrstühle für Biophysik (Fakultät für Biologie) und für Systembiophysik (Institut für Neuroinformatik) angegliedert. In NB 03 hat außerdem das Alfried Krupp-Schülerlabor seine Heimat.

Bauvisionen

Aber auch andere Einheiten haben mittlerweile ihren Sitz in NB: In der untersten Etage im Norden liegen die Räume der Betriebsärzte (s. RUBENS 94), in Etage 02 und 1 die vom Institut für Arbeitswissenschaft. Eine weitere Besonderheit: Im Raum 73 von Etage 02 schiebt Hans Möller, durch Rufbereitschaft rund um die Uhr erreichbar, für die lokal ansässige Umzugsfirma Uhe seinen Dienst. Hauptsächlich mit uniinternen Umzügen beschäftigt, kommt er auch im Notfall zu Hilfe - zuletzt beim Wassereinbruch, der durch die Dachsanierung von NA verursacht wurde. Der Mann mit dem breiten Kreuz und der schwarzen Kappe ist schon seit den 70er-Jahren dabei, wenn es an der Uni was zu packen und zu räumen gibt. Auf "50 Prozent Können, 50 Prozent Routine" summiert das Faktotum seine Dienstjahre, bevor es - nicht ohne dem Wachdienst zur Sicherheit eine dicke Rolle Plastikplanen unter den Arm zu klemmen - zum nächsten Umzug entschwindet.
Umzüge und Plastikplanen - beides begleitete die Geschichte von NB kontinuierlich. Eine Telefonnotiz vom Gespräch mit dem Kultusministerium vom 8.4.1970 macht deutlich, dass interne Verschiebungen innerhalb der Raumgruppen schon damals empfohlen wurden, um zukünftige Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Weitere acht Jahre davor (30.3.1962) hatte der Vorstand des Sonderbauamtes für Universitätsplanungen eine auf die Physik bezogene Brutto-Geschossfläche von 228.900 qm errechnet, zu der der Direktor des Physikalischen Instituts der Uni Marburg, Prof. W. Walcher, dem Staatssekretär Ludwig Adenauer im Kultusministerium in Düsseldorf am 12.1.1962 seine Vorschläge fürs Raumprogramm lieferte. Dort heißt es, dass das Zentralgebäude ein Hochhaus sein sollte, in dem "standardisierte Laborräume beinhaltet sind." Hinzu sollte ein Flachhaus kommen, flankiert von "Garderobe, Praktikum- und Hörsaalgebäude mit zwei großen Hörsälen". Im Mitteltrakt der Garderobe stellte sich Walcher die "Unterbringung einer Zentralverwaltung aller technischen Dienste vor, unabhängig davon, dass jeder Institutsdirektor sein eigenes Sekretariat für wissenschaftliche Belange haben sollte. Darüber hinaus empfahl er "ein möglichst großes Gelände für Erweiterungs- und Sonderbauten vorzubehalten", z. B. für Laboratorien oder Experimentierhallen. Auch wenn sich in der Vergangenheit nicht alle Pläne Walchers durchsetzten, so ließen sie dennoch Raum für weitere bauliche Improvisationen.

Beton in all seiner Echtheit

Allein, nach siebeneinhalbjähriger Benutzung der Flachbereiche war der erste Lack schon ab. Aus einem auf den 8.1.1975 datierten Aktenvermerk des Staatshochbauamtes geht hervor, dass die Dächer, bei denen man von einer 30-jährigen Lebensdauer ausging, "an den Dehnungsfugen mangelhaft waren." Ein Jahr lang testete man Bleistreifen zur Fugendichtung. Weil sich in diesem Zeitraum in den Bleischlaufen Bewegungen zeigten, ging man allerdings davon aus, "dass sich die Baukörper verschoben haben müssten." Nun wurden jedoch sämtliche N-Gebäude in einem aufeinander abgestimmten Rhythmus gleichzeitig hochgezogen: Hat das eine Haus eine Kinderkrankheit, so folgt das andere nach. Die Professoren damals waren alarmiert und pochten auf die Sicherheit. In der folgenden Auseinandersetzung um die Mängelbeseitigung entwickelte sich ein konkreter Forschungsauftrag, der die Sanierungsvorschläge experimentell begleitete, dabei Haftungsfragen jedoch ausdrücklich ausklammerte.
Im Unterschied zu den I-Gebäuden der ersten Stunde "brach" dem äußeren Erscheinungsbild nach bei den N-Bauten "der Beton aus", wie es in der kunsthistorischen Untersuchung von Alexandra von Cube heißt. Baumaterial offen zu legen war dem Prinzip eines "ehrlichen Bauens" verpflichtet. Einem Gespräch der Uni-Architekten Rüdiger Thoma und Michael Zotter sei, so Cube, zu entnehmen gewesen, dass beide in der Tat bezweckten, "den Beton in seiner Echtheit zu zeigen."

Info: Das passende Buch zur Gründung der RUB ist letzten Sommer erschienen: Hans Stallmann, "Euphorische Jahre. Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum", Klartext Verlag, Essen 2004, 320 S., 19,90 Euro.

Thea A. Stuchtemeier
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