RUBIN erschienen
Viva,
MTV - und Bücher lesen
"Rechnen gut, Lesen mangelhaft" - das ergab
in diesen Tagen der erste landesweite Vergleichstest
aller Grundschüler in NRW. Damit setzt sich - zumindest
was das Lesen betrifft - die Reihe der schlechten Botschaften
fort. Führte uns doch bereits PISA die Leseschwächen
der 15-Jährigen vor Augen. Es gibt kaum ein anderes
Land, in dem Kinder und Jugendliche so wenig und so
ungern lesen wie in Deutschland. Doch Lesen ist nicht
zuletzt die Eingangspforte für das Lernen, ohne
Lesekompetenz auch kein Lernerfolg.
Prof. Dr. Gerhard Rupp und Helge Bonholt (Lehrstuhl
für Literaturwissenschaft, Didaktik der Germanistik,
Germanistisches Institut, Fakultät für Philologie)
wollten es genauer wissen, und fragten sich: Wie
gehen Jugendliche - in ihrem Projekt Schülerinnen
und Schüler der Oberstufe in Alter zwischen 17
und 20 Jahren - die durch den Medienwechsel sozialisiert
sind, mit Büchern und anderen Medien um? Fazit:
Es gibt vier verschiedene Gruppen von Mediennutzern,
lediglich bei zweien spielt das Lesen überhaupt
noch eine Rolle, und nur noch ein äußerst
geringer Teil hat Zugang zur klassischen Lesekultur.
"Damit Lehrerinnen und Lehrer darauf reagieren
und ihren Schülern helfen können, den Medienwechsel
kritisch zu verarbeiten", so die Forscher, "müssen
sie für die veränderten intellektuellen Profile
ihrer Schüler sensibilisiert sein." Denn es
heißt, die Schüler dort abzuholen, wo sie
sind. Im aktuellen Wissenschaftsmagazin RUBIN
stellen sie das Konzept einer integrativen und vergleichenden
Medienerziehung vor und geben dabei auch ganz praktische
Tipps für den Unterricht. In einem Lesezentrum
als Forschungs-, Informations- und Dienstleistungszentrum
an der RUB sollen weitere didaktische Konzepte entwickelt
werden, um die Lesekompetenz der vorwiegend durch audiovisuelle
Medien geprägten Jugendlichen zu fördern.
Schüler stehen auch im Mittelpunkt von zwei weiteren
Beiträgen des Magazins: Zum einen geht es um Gewalt
in öffentlichen Verkehrsmitteln und ob sie sich
durch richtiges Verhalten vermeiden lässt (Lehrstuhl
für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft).
Hundert Jahre zurück liegt der Völkermord
an 80.000 Herero. Ein Aufschrei des Empörens (wie
er heute üblich wäre) blieb in Deutschland
damals aus. Mittels Medien und Literatur wurde der Völkermord
gerechtfertigt. Ein Teil der Literatur wurde sogar zur
Pflichtlektüre an Schulen. Diesem Thema widmet
sich ein interdisziplinäres Projekt, an dem u.a.
das Institut für Diaspora- und Genozidforschung
der RUB und das Germanistische Institut beteiligt sind.
Barbara
Kruse
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