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RUBENS 95

1. Februar 2005

RUBIN erschienen

Viva, MTV - und Bücher lesen



"Rechnen gut, Lesen mangelhaft" - das ergab in diesen Tagen der erste landesweite Vergleichstest aller Grundschüler in NRW. Damit setzt sich - zumindest was das Lesen betrifft - die Reihe der schlechten Botschaften fort. Führte uns doch bereits PISA die Leseschwächen der 15-Jährigen vor Augen. Es gibt kaum ein anderes Land, in dem Kinder und Jugendliche so wenig und so ungern lesen wie in Deutschland. Doch Lesen ist nicht zuletzt die Eingangspforte für das Lernen, ohne Lesekompetenz auch kein Lernerfolg.
Prof. Dr. Gerhard Rupp und Helge Bonholt (Lehrstuhl für Literaturwissenschaft, Didaktik der Germanistik, Germanistisches Institut, Fakultät für Philologie) wollten es genauer wissen, und fragten sich: Wie gehen Jugendliche - in ihrem Projekt Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Alter zwischen 17 und 20 Jahren - die durch den Medienwechsel sozialisiert sind, mit Büchern und anderen Medien um? Fazit: Es gibt vier verschiedene Gruppen von Mediennutzern, lediglich bei zweien spielt das Lesen überhaupt noch eine Rolle, und nur noch ein äußerst geringer Teil hat Zugang zur klassischen Lesekultur.
"Damit Lehrerinnen und Lehrer darauf reagieren und ihren Schülern helfen können, den Medienwechsel kritisch zu verarbeiten", so die Forscher, "müssen sie für die veränderten intellektuellen Profile ihrer Schüler sensibilisiert sein." Denn es heißt, die Schüler dort abzuholen, wo sie sind. Im aktuellen Wissenschaftsmagazin RUBIN stellen sie das Konzept einer integrativen und vergleichenden Medienerziehung vor und geben dabei auch ganz praktische Tipps für den Unterricht. In einem Lesezentrum als Forschungs-, Informations- und Dienstleistungszentrum an der RUB sollen weitere didaktische Konzepte entwickelt werden, um die Lesekompetenz der vorwiegend durch audiovisuelle Medien geprägten Jugendlichen zu fördern.
Schüler stehen auch im Mittelpunkt von zwei weiteren Beiträgen des Magazins: Zum einen geht es um Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln und ob sie sich durch richtiges Verhalten vermeiden lässt (Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft). Hundert Jahre zurück liegt der Völkermord an 80.000 Herero. Ein Aufschrei des Empörens (wie er heute üblich wäre) blieb in Deutschland damals aus. Mittels Medien und Literatur wurde der Völkermord gerechtfertigt. Ein Teil der Literatur wurde sogar zur Pflichtlektüre an Schulen. Diesem Thema widmet sich ein interdisziplinäres Projekt, an dem u.a. das Institut für Diaspora- und Genozidforschung der RUB und das Germanistische Institut beteiligt sind.



Barbara Kruse
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Letzte Änderung: 01.02.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik