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RUBENS 95

1. Februar 2005

Prof. Weidners Doppelfunktion: Lehrstuhl plus Fraunhofer-Institut

Mit Umsicht arbeiten




Seit November 2004 ist Prof. Dr.-Ing. Eckhard Weidner Leiter des Oberhausener Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT). Gleichzeitig bleibt Prof. Weidner Inhaber des Lehrstuhls für Verfahrenstechnische Transportprozesse (Fakultät für Maschinenbau der RUB). Wie er beide Jobs zugleich erledigt und welche Vorteile sich für die RUB daraus ergeben, verrät er im Gespräch mit Arne Dessaul.

RUBENS: Herr Prof. Weidner, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung. Wann haben Sie erfahren, dass Sie neuer Chef von UMSICHT werden und wie lange werden Sie das Institut leiten?
Prof. Weidner: Das war im Frühjahr letzten Jahres, die Verträge wurden im Oktober unterschrieben und offizieller Beginn war der 1. November 2004. Der Vertrag ist auf Dauer angelegt, das heißt, solange alle zufrieden sind, sehe ich da kein Ende.

RUBENS: Wie liefen die ersten Wochen in Oberhausen?

Prof. Weidner: Sehr spannend. UMSICHT ist ein relativ großes Institut, mit 125 festen Stellen. Mit Gastwissenschaftlern, Doktoranden, Diplomanden, Hilfskräften und Auszubildenden kommen wir auf stattliche 270 Personen. Natürlich ist es zu Anfang eine vordringliche Aufgabe, die neuen Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen. Dieses Knüpfen von Kontakten hat die ersten Wochen geprägt, und ich muss sagen: Das Team bei UMSICHT ist hochmotiviert und begeistert von dem, was es tut. Wir gehen mit großem Optimismus ins Jahr 2005.

RUBENS: Hat sich Ihr neues Zeitmanagement schon bewährt, Sie müssen ja nun zwischen Bochum und Oberhausen pendeln?
Prof. Weidner: Vieles hängt vom Verkehr auf der A 40 und der A 42 ab. Ohne Stau bin ich in 20, 25 Minuten in Oberhausen. Speziell im November gab es aber kaum einen Tag ohne Stau. Immerhin kann ich die Zeit, in der das Auto steht, zum Telefonieren nutzen. Andererseits dachte ich immer, mein Terminkalender wäre allein durch den Lehrstuhl bereits voll. Jetzt weiß ich, was ein wirklich voller Terminkalender ist.

RUBENS: Welche Vorteile ergeben sich für die RUB und für UMSICHT durch die personelle Verknüpfung?
Prof. Weidner: Rein formal gesehen ist es für die RUB die erste Anbindung an ein Fraunhofer-Institut. Damit wird auch eine Forderung der Politik erfüllt, die Forschungsinstitute und Universitäten zu enger Kooperation und wissenschaftlicher Vernetzung bewegen möchte. Eine Stärke der Fraunhofer-Institute ist die wissenschaftlich-technische Begleitung der Umsetzung von Grundlagenforschung in Anwendungen. Die RUB und insbesondere die Fakultät für Maschinenbau erhoffen sich von der Kooperation, dass die manchmal eher grundlagenorientierten Arbeiten an der Universität durch gemeinsame Projekte mit UMSICHT (noch) schneller nutzbar gemacht werden als bisher.
Von der Zusammenarbeit profitieren bereits heute mein Lehrstuhl und der Lehrstuhl für Partikeltechnologie und -design, zuletzt bei der Herstellung pulverförmiger Schokolade, in die flüssige Aromastoffe eingearbeitet werden, um die Schokolade geschmacklich zu verfeinern.

RUBENS: Das erinnert an Ihren pulverförmigen Whisky, der vor ein paar Jahren für Furore sorgte.
Prof. Weidner: Ja, genau. Wir sind allerdings mittlerweile einen entscheidenden Schritt weiter: Die Aromatröpfchen sind nun völlig von Schokolade eingeschlossen und verdampfen nicht mehr. Aber diese Vorteile detailliert zu erklären, würde jetzt wohl zu weit führen. Wir waren doch bei den Vorteilen, die sich aus der Kooperation ergeben.

RUBENS: Vielleicht gibt es auch Nachteile, zum Beispiel für Ihre Studierenden? Die müssen jetzt häufiger auf Sie verzichten, oder?

Prof. Weidner: Das ist im Moment leider wahr. In diesem Semester bin ich häufiger in Oberhausen, um mich einarbeiten zu können. Darunter leidet die Lehre an der Ruhr-Uni. Zurzeit konzentriere ich mich auf die Grundvorlesungen, die Spezialvorlesungen kann ich nur zusammen mit den anderen Wissenschaftlern am Lehrstuhl anbieten. Ich lehre sehr gern und freue mich, wenn ich im nächsten Semester wieder häufiger im Hörsaal stehe und meine Studierenden sehe. Das gilt genauso für meine Doktoranden.

RUBENS: Ergeben sich für die Studierenden auch Vorteile, z. B. bei Forschungsprojekten?

Prof. Weidner: Ganz gewiss, das gilt insbesondere für die Studierenden in Umwelttechnik und Ressourcenmanagement und der Vertiefungsrichtung Energie- und Verfahrenstechnik. Hier existiert die Kooperation mit UMSICHT schon länger und es kommen regelmäßig Wissenschaftler aus Oberhausen mit Lehraufträgen zur Ruhr-Uni. Die enge Anbindung an UMSICHT verbessert zudem für alle Studierenden der Fakultät die Situation, wenn es um Studien-, Diplom- oder Doktorarbeiten geht.

RUBENS: Können Sie eines der aktuellen Projekte bei UMSICHT skizzieren?
Prof. Weidner: Aktuell sind dort alle Projekte
(lacht). Ein Schwerpunkt betrifft die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und hier speziell unser Konzept der Bioraffinerie, bei dem es um die Energiegewinnung aus Biomasse wie Holz oder Reststoffen aus der Landwirtschaft geht. Bekannt ist auch der Biodiesel. Uns geht es aber nicht nur um energetische Nutzung, sondern auch um die stoffliche: für mittelständische Unternehmen haben wir Rezepturen auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt, die zu Cateringprodukten wie Besteck und Geschirr, Folien für Einkaufstüten und Selbstklebebändern verarbeitet werden. Nach Gebrauch wandern diese Produkte auf den Kompost, um dort biologisch abgebaut zu werden.

Vita
Eckhard Weidner, 1956 in Stuttgart geboren, studierte zwischen 1975 und 1981 Chemieingenieurwesen in Erlangen. Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als Entwicklungsingenieur, bevor er nach Erlangen zurückkehrte und 1985 promoviert wurde; 1996 habilitierte er sich. Seit Mai 1998 leitet Weidner den Lehrstuhl für Verfahrenstechnische Transportprozesse. Seine Hauptarbeitsgebiete sind Thermo- und Fluiddynamik komplexer Hochdrucksysteme sowie die Entwicklung von Verfahren zur schonenden Gewinnung und Verarbeitung von Natur-, Aroma- und Arzneistoffen und von Verfahren zur Herstellung mikrofeiner Pulver (s. den Artikel "Wenn der Whisky ins Glas rieselt" im Wissenschaftsmagazin RUBIN, Ausgabe 2/2000).


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Letzte Änderung: 01.02.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik