Prof. Weidners
Doppelfunktion: Lehrstuhl plus Fraunhofer-Institut
Mit Umsicht
arbeiten
Seit November 2004 ist Prof. Dr.-Ing. Eckhard Weidner
Leiter des Oberhausener Fraunhofer-Instituts für
Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT).
Gleichzeitig bleibt Prof. Weidner Inhaber des Lehrstuhls
für Verfahrenstechnische Transportprozesse (Fakultät
für Maschinenbau der RUB). Wie er beide Jobs zugleich
erledigt und welche Vorteile sich für die RUB daraus
ergeben, verrät er im Gespräch mit Arne Dessaul.
RUBENS: Herr Prof. Weidner, herzlichen Glückwunsch
zu Ihrer Ernennung. Wann haben Sie erfahren, dass Sie
neuer Chef von UMSICHT werden und wie lange werden Sie
das Institut leiten?
Prof. Weidner: Das war im Frühjahr letzten Jahres,
die Verträge wurden im Oktober unterschrieben und
offizieller Beginn war der 1. November 2004. Der Vertrag
ist auf Dauer angelegt, das heißt, solange alle
zufrieden sind, sehe ich da kein Ende.
RUBENS: Wie liefen die ersten Wochen in Oberhausen?
Prof. Weidner: Sehr spannend. UMSICHT ist ein relativ
großes Institut, mit 125 festen Stellen. Mit Gastwissenschaftlern,
Doktoranden, Diplomanden, Hilfskräften und Auszubildenden
kommen wir auf stattliche 270 Personen. Natürlich
ist es zu Anfang eine vordringliche Aufgabe, die neuen
Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen. Dieses Knüpfen
von Kontakten hat die ersten Wochen geprägt, und
ich muss sagen: Das Team bei UMSICHT ist hochmotiviert
und begeistert von dem, was es tut. Wir gehen mit großem
Optimismus ins Jahr 2005.
RUBENS: Hat sich Ihr neues Zeitmanagement schon bewährt,
Sie müssen ja nun zwischen Bochum und Oberhausen
pendeln?
Prof. Weidner: Vieles hängt vom Verkehr auf der
A 40 und der A 42 ab. Ohne Stau bin ich in 20, 25 Minuten
in Oberhausen. Speziell im November gab es aber kaum
einen Tag ohne Stau. Immerhin kann ich die Zeit, in
der das Auto steht, zum Telefonieren nutzen. Andererseits
dachte ich immer, mein Terminkalender wäre allein
durch den Lehrstuhl bereits voll. Jetzt weiß ich,
was ein wirklich voller Terminkalender ist.
RUBENS: Welche Vorteile ergeben sich für die
RUB und für UMSICHT durch die personelle Verknüpfung?
Prof. Weidner: Rein formal gesehen ist es für die
RUB die erste Anbindung an ein Fraunhofer-Institut.
Damit wird auch eine Forderung der Politik erfüllt,
die Forschungsinstitute und Universitäten zu enger
Kooperation und wissenschaftlicher Vernetzung bewegen
möchte. Eine Stärke der Fraunhofer-Institute
ist die wissenschaftlich-technische Begleitung der Umsetzung
von Grundlagenforschung in Anwendungen. Die RUB und
insbesondere die Fakultät für Maschinenbau
erhoffen sich von der Kooperation, dass die manchmal
eher grundlagenorientierten Arbeiten an der Universität
durch gemeinsame Projekte mit UMSICHT (noch) schneller
nutzbar gemacht werden als bisher.
Von der Zusammenarbeit profitieren bereits heute mein
Lehrstuhl und der Lehrstuhl für Partikeltechnologie
und -design, zuletzt bei der Herstellung pulverförmiger
Schokolade, in die flüssige Aromastoffe eingearbeitet
werden, um die Schokolade geschmacklich zu verfeinern.
RUBENS: Das erinnert an Ihren pulverförmigen
Whisky, der vor ein paar Jahren für Furore sorgte.
Prof. Weidner: Ja, genau. Wir sind allerdings mittlerweile
einen entscheidenden Schritt weiter: Die Aromatröpfchen
sind nun völlig von Schokolade eingeschlossen und
verdampfen nicht mehr. Aber diese Vorteile detailliert
zu erklären, würde jetzt wohl zu weit führen.
Wir waren doch bei den Vorteilen, die sich aus der Kooperation
ergeben.
RUBENS: Vielleicht gibt es auch Nachteile, zum Beispiel
für Ihre Studierenden? Die müssen jetzt häufiger
auf Sie verzichten, oder?
Prof. Weidner: Das ist im Moment leider wahr. In diesem
Semester bin ich häufiger in Oberhausen, um mich
einarbeiten zu können. Darunter leidet die Lehre
an der Ruhr-Uni. Zurzeit konzentriere ich mich auf die
Grundvorlesungen, die Spezialvorlesungen kann ich nur
zusammen mit den anderen Wissenschaftlern am Lehrstuhl
anbieten. Ich lehre sehr gern und freue mich, wenn ich
im nächsten Semester wieder häufiger im Hörsaal
stehe und meine Studierenden sehe. Das gilt genauso
für meine Doktoranden.
RUBENS: Ergeben sich für die Studierenden auch
Vorteile, z. B. bei Forschungsprojekten?
Prof. Weidner: Ganz gewiss, das gilt insbesondere für
die Studierenden in Umwelttechnik und Ressourcenmanagement
und der Vertiefungsrichtung Energie- und Verfahrenstechnik.
Hier existiert die Kooperation mit UMSICHT schon länger
und es kommen regelmäßig Wissenschaftler
aus Oberhausen mit Lehraufträgen zur Ruhr-Uni.
Die enge Anbindung an UMSICHT verbessert zudem für
alle Studierenden der Fakultät die Situation, wenn
es um Studien-, Diplom- oder Doktorarbeiten geht.
RUBENS: Können Sie eines der aktuellen Projekte
bei UMSICHT skizzieren?
Prof. Weidner: Aktuell sind dort alle Projekte (lacht).
Ein Schwerpunkt betrifft die Nutzung von nachwachsenden
Rohstoffen und hier speziell unser Konzept der Bioraffinerie,
bei dem es um die Energiegewinnung aus Biomasse wie
Holz oder Reststoffen aus der Landwirtschaft geht. Bekannt
ist auch der Biodiesel. Uns geht es aber nicht nur um
energetische Nutzung, sondern auch um die stoffliche:
für mittelständische Unternehmen haben wir
Rezepturen auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt,
die zu Cateringprodukten wie Besteck und Geschirr, Folien
für Einkaufstüten und Selbstklebebändern
verarbeitet werden. Nach Gebrauch wandern diese Produkte
auf den Kompost, um dort biologisch abgebaut zu werden.
Vita
Eckhard Weidner, 1956 in Stuttgart geboren, studierte
zwischen 1975 und 1981 Chemieingenieurwesen in Erlangen.
Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als
Entwicklungsingenieur, bevor er nach Erlangen zurückkehrte
und 1985 promoviert wurde; 1996 habilitierte er sich.
Seit Mai 1998 leitet Weidner den Lehrstuhl für
Verfahrenstechnische Transportprozesse. Seine Hauptarbeitsgebiete
sind Thermo- und Fluiddynamik komplexer Hochdrucksysteme
sowie die Entwicklung von Verfahren zur schonenden Gewinnung
und Verarbeitung von Natur-, Aroma- und Arzneistoffen
und von Verfahren zur Herstellung mikrofeiner Pulver
(s. den Artikel "Wenn der Whisky ins Glas rieselt"
im Wissenschaftsmagazin RUBIN, Ausgabe 2/2000).
ad
|