Leserbriefe
Ihre Meinung
Betriebsarzt
der RUB auf internationalen Auslandseinsätzen
Zu Ihrem Artikel über meine Auslandseinsätze
halte ich bei einem Aspekt eine Klarstellung für
erforderlich. Begehungen der Arbeitsplätze an der
RUB führen wir nicht "ab und an" durch,
sie sind ganz im Gegenteil ein besonders wichtiger, integraler
Bestandteil unserer Tätigkeit. So führen wir
gemeinsam mit dem Hauptsicherheitsingenieur und den Personalräten
in regelmäßigen Abständen Begehungen aller
Bereiche der RUB durch. Auch wenn uns natürlich die
verschiedenen Gefährdungen der Mitarbeiter bewusst
sind, so ist doch die Arbeitssicherheit und Gesundheit
eines Verwaltungsmitarbeiters genau so wichtig wie bei
jedem anderen Kollegen. Dr. Dirk Hannemann, Betriebsarzt
für die RUB
Zwei
Anmerkung zu den Beiträgen "Malocheruni"
und "Nachgefragt" (RUBENS 94, 1.1.05)
Das was in den Artikeln zum Spiegel-Ranking steht, kann
ich uneingeschränkt unterstützen. Es gäbe
da aber auch noch Methodisches anzumerken, was dieses
Ranking von einer seriösen Untersuchung unterscheidet.
So gibt es keine Angabe zur Stichprobengröße.
Es wird nur gesagt, wie viele Studierende sich insgesamt
beteiligt haben, nicht wie viele es an den einzelnen
Unis waren. Für mich spielt es schon eine Rolle,
ob es aus Bochum 500 oder 5000 waren.
Zum zweiten erwarte ich von einer seriösen Studie,
dass sie mir Aufschluss gibt, wo wir besonders schwach
sind und was als erstes verbessert werden muss. Es gibt
aber nur eine Angabe, was gefragt wurde, nicht jedoch
wie die Ergebnisse zur letztendlichen Reihung im Ranking
verrechnet wurden. Wenn sie an die Sache einen Statistiker
oder seriösen Meinungsforscher dransetzen, werden
sie vermutlich ein verheerendes Urteil zur Methodik
bekommen, ganz anders als beim Focus-Ranking, wo wir
auch nicht gerade brilliert haben.
Beim Focus-Ranking ist aber klar nachvollziehbar, wo
wir schlecht abgeschnitten haben und wie das zum Gesamtergebnis
geführt hat. Bei Focus sind in der Biologie vergleichsweise
schlecht bewertet worden 1. Die Betreuungsrelation und
2. Die Promotionsquote. Zu Punkt 1 muss gefragt werden,
wie in einem harten NC Fach der Unterschied in der Betreuungsrelation
zustande kommen kann. Eigentlich doch wohl nur, indem
zugelassenen Studierende nicht kommen oder wieder gehen.
Spricht so etwas für die gute Betreuungsrelation
von Göttingen? Zu Punkt 2 ist festzustellen, dass
Universitäten mit mehreren biologischen Großforschungseinrichtungen
oder Max Planck Instituten im Umfeld hohe Quoten aufweisen.
Das ist selbstverständlich und keine Leistung der
Fakultäten und berührt mich als Verantwortlichen
für die Biologie deswegen auch nur peripher.
Beim Spiegel-Ranking kann ich mir solche Gedanken aber
überhaupt nicht machen, da alle relevanten Informationen
fehlen. So gesehen lässt diese Studie (oder die
Art wie sie journalistisch aufbereitet wurde) alles
vermissen, was ein Naturwissenschaftler von einer soliden
Analyse erwarten würde. Prof. Dr. Thomas Stützel,
Lehrstuhl Spezielle Botanik und Botanischer Garten
Niemand sollte erschrocken dreinblicken, wenn Studien
plötzlich zu belegen scheinen, dass die Studierenden
der Ruhr-Universität zu großen Teilen aus
bildungsferneren Schichten stammen. Wenn die Politik
vor allem die Quantität der Absolventen zum Maßstab
ihrer Mittelvergabe erhebt, tritt sie die Gründungsidee
dieser Universität mit Füßen: Sie wurde
geschaffen, um den unterprivilegierten "Kindern
des Ruhrgebiets" eine Bildungsperspektive zu eröffnen.
Und an dieser Notwendigkeit hat sich bis heute wenig
geändert. Das zeigt nicht nur die Studie des Studentenwerks,
sondern auch der hohe Anteil nicht deutschstämmiger
Studenten. Besonders letzterem Aspekt wird bislang kaum
Beachtung geschenkt; die Universität ist in hohem
Maß ein Ort für Integration - mit allen Schwierigkeiten,
die damit verbunden sind.
Wenn im Spiegel nun eine Rangliste veröffentlicht
wird (und man wird unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten
das Ganze wohl kaum "Untersuchung" oder "Studie"
nennen dürfen), dann ist die Platzierung der Ruhr-Universität
angesichts der Kriterien ("Topstudenten")
beinahe schon erwartungsgemäß. Die große
Gefahr besteht bei flüchtiger Betrachtung nun darin,
von der Platzierung auf die Qualität der Lehre
und Forschung zu schließen. Das wäre ebenso
falsch wie fatal.
Falsch, weil etwa an der elitären Bucerius Law
School in Hamburg eine gänzlich andere Betreuung
möglich ist als in überfüllten Hörsälen
oder Seminaren. Aber allein aus diesem Grund ist die
Lehre in Bochum nicht miserabel. Ich behaupte, dass
so genannte Topstudenten von anderswo mit der Bochumer
Ausbildung auch nicht wesentlich schlechter ihr Studium
abschlössen. Denn sie sind sicherlich nicht per
se intelligenter, selbst wenn deren familiäres
Umfeld eine frühzeitige Förderung der vorhandenen
Potenziale begünstigt und ihnen einen Entwicklungsvorsprung
verschafft haben mag.
Verhängnisvoll wäre der Schluss von der Platzierung
auf die Qualität der Ausbildung deshalb, weil viele
genau diesem Irrtum erliegen und die "guten"
Studenten zukünftig einen Bogen um Bochum machen
werden. An dieser Stelle - bei der Qualität der
Lehre - muss die Universität ansetzen: durch umfassende
und strenge Evaluation, Stärkung der Tutoren- und
Mentorenprogramme, Förderung innovativer Lehrangebote
sowie nicht zuletzt kluger und öffentlichkeitswirksamer
Imagepolitik und -pflege. Dr. Holm Putzke (Wissenschaftlicher
Assistent am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik
und Polizeiwissenschaft)
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