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RUBENS 95

1. Februar 2005

Editorial

Auch das noch: "Billigesser"


Unser Artikel zur RUB als "Malocheruniversität" in der letzten RUBENS hat für allerhand Wirbel gesorgt. Die beiden Leserbriefe auf Seite 6 geben gewissermaßen nur die Spitze des Eisbergs wieder. Im Gegensatz zu ihnen waren andere Reaktionen durchaus heftig, es fiel gar das böse Wort "Nestbeschmutzung".
Dabei haben wir dort nur Zahlen sprechen lassen - und müssen das an dieser Stelle fortsetzen. Denn mittlerweile steht fest, dass unsere Studierenden nicht nur viel jobben müssen, aus bildungsfernen Familien stammen und unterdurchschnittliche Qualifikationen besitzen (sollen), sie fühlen sich (angeblich) zu allem Überfluss gastronomisch schlecht versorgt.
Das hat der in Bochum ansässige Unicum-Verlag in seinem Wettbewerb "Mensa des Jahres" ermittelt. 21.403 Studierende beteiligten sich vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember 2004 an der bundesweiten Abstimmung. Sie verteilten virtuelle goldene Tabletts in fünf Kategorien: Geschmack, Auswahl, Wartezeit, Service und Atmosphäre. Die Skala reichte von einem Tablett (mensa non grata = schlechteste Wertung) bis fünf Tabletts (mensa cum laude = beste Wertung). Ein Gesamtsieger wurde ermittelt - die Mensa in Vechta, vor Rostock und Wismar - sowie Sieger in den fünf Teildisziplinen.
Veröffentlicht wurden jeweils nur die 20 besten Mensen in jeder Kategorie. Die Mensa an der RUB sucht man stets vergebens in diesen Listen. Dabei hatte das Akafö als Betreiber viel Wirbel um den Wettbewerb gemacht und die Mensagänger ausdrücklich zur virtuellen Wahlurne gebeten - obwohl man zurzeit bekanntlich wegen des Umbaus nur kulinarische Provisorien ins Feld führen kann, insbesondere den notorisch überfüllten Neubau am Querforum West. Doch selbst in den Vorjahren, als die alte Mensa noch in Betrieb war, landete sie niemals unter den Besten.
Da die Hälfte des Pressestellenteams regelmäßig und aus Überzeugung die so genannte Ersatz-Mensa besucht, wird jetzt nicht weiter am dortigen Angebot herumgemäkelt. Dass "gefühlte" Minderversorgung aber auf Dauer Auswirkungen haben soll, kann nur jemand behaupten, der wie Thomas Bernhard in "Die Billigesser" Grotesk-Böses im Schild führt, heißt es doch in seinem Roman: "Billigesser sind aus Überzeugung Billigesser ...", "... was nicht heißt, dass diese Leute weniger gut essen als andere, im Gegenteil." Aber: "Die Physiognomien der Billigesser seien grundlegend und folgerichtig von dem jahrzehntelangen WÖK (‚Wiener Öffentliche Küche')-Besuch geprägt gewesen", sie hätten, "in erster Linie diese WÖK-Physiognomie" und "erst in zweiter Linie ihre ganz persönliche eigene angeborene ..."

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Letzte Änderung: 01.02.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik