Editorial
Auch das
noch: "Billigesser"
Unser Artikel zur RUB als "Malocheruniversität"
in der letzten RUBENS hat für allerhand Wirbel
gesorgt. Die beiden Leserbriefe auf Seite 6 geben gewissermaßen
nur die Spitze des Eisbergs wieder. Im Gegensatz zu
ihnen waren andere Reaktionen durchaus heftig, es fiel
gar das böse Wort "Nestbeschmutzung".
Dabei haben wir dort nur Zahlen sprechen lassen -
und müssen das an dieser Stelle fortsetzen. Denn
mittlerweile steht fest, dass unsere Studierenden nicht
nur viel jobben müssen, aus bildungsfernen Familien
stammen und unterdurchschnittliche Qualifikationen besitzen
(sollen), sie fühlen sich (angeblich) zu allem
Überfluss gastronomisch schlecht versorgt.
Das hat der in Bochum ansässige Unicum-Verlag in
seinem Wettbewerb "Mensa des Jahres" ermittelt.
21.403 Studierende beteiligten sich vom 1. Oktober bis
zum 15. Dezember 2004 an der bundesweiten Abstimmung.
Sie verteilten virtuelle goldene Tabletts in fünf
Kategorien: Geschmack, Auswahl, Wartezeit, Service und
Atmosphäre. Die Skala reichte von einem Tablett
(mensa non grata = schlechteste Wertung) bis fünf
Tabletts (mensa cum laude = beste Wertung). Ein Gesamtsieger
wurde ermittelt - die Mensa in Vechta, vor Rostock und
Wismar - sowie Sieger in den fünf Teildisziplinen.
Veröffentlicht wurden jeweils nur die 20 besten
Mensen in jeder Kategorie. Die Mensa an der RUB sucht
man stets vergebens in diesen Listen. Dabei hatte
das Akafö als Betreiber viel Wirbel um den Wettbewerb
gemacht und die Mensagänger ausdrücklich zur
virtuellen Wahlurne gebeten - obwohl man zurzeit bekanntlich
wegen des Umbaus nur kulinarische Provisorien ins Feld
führen kann, insbesondere den notorisch überfüllten
Neubau am Querforum West. Doch selbst in den Vorjahren,
als die alte Mensa noch in Betrieb war, landete sie
niemals unter den Besten.
Da die Hälfte des Pressestellenteams regelmäßig
und aus Überzeugung die so genannte Ersatz-Mensa
besucht, wird jetzt nicht weiter am dortigen Angebot
herumgemäkelt. Dass "gefühlte" Minderversorgung
aber auf Dauer Auswirkungen haben soll, kann nur jemand
behaupten, der wie Thomas Bernhard in "Die Billigesser"
Grotesk-Böses im Schild führt, heißt
es doch in seinem Roman: "Billigesser sind aus
Überzeugung Billigesser ...", "... was
nicht heißt, dass diese Leute weniger gut essen
als andere, im Gegenteil." Aber: "Die Physiognomien
der Billigesser seien grundlegend und folgerichtig von
dem jahrzehntelangen WÖK (Wiener Öffentliche
Küche')-Besuch geprägt gewesen", sie
hätten, "in erster Linie diese WÖK-Physiognomie"
und "erst in zweiter Linie ihre ganz persönliche
eigene angeborene ..."
ad/jk
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