Serie: Medizinhistorische
Sammlung
Auf der
Bergbauroute
Ende 2004 war es soweit: Seitdem ist für jeden Besucher
vor Ort erkennbar, dass der Malakowturm Julius Philipp
Teil der Westfälischen Bergbauroute ist.
Eine neben dem Turm aufgestellte Informationstafel dieser
Themenroute informiert über die Geschichte
des Förderturms und der Zeche, eine historischen
Fotografie zeigt den Turms in den 1920er-Jahren. Damals
war die Zeche Julius Philipp bereits weitgehend stillgelegt.
Bis zur Renovierung des Gebäudes sollten noch rund
70 Jahre vergehen. 70 Jahre, in denen die Aufmerksamkeit
für Industriedenkmäler im Ruhrgebiet
entstand und ihre wichtige Funktion für das Selbstverständnis
der Menschen dieser Region erkannt wurde.
Ästhetische Fördertürme
Die Westfälische Bergbauroute ist
Teil der Route Industriekultur. Nähere
Infos sind über das Internet (www.route-industriekultur.de)
oder über eine Broschüre zugänglich.
Die Broschüre, deren Titelblatt den Malakowturm
Julius Philipp zeigt, kostet 3,50 Euro und kann im Besucherzentrum
der Route Industriekultur (Zeche Zollverein) gekauft
oder online bestellt werden.
Neben dem Malakowturm Julius Philipp gehören einige
weitere Malakowtürme zur Route. Die Schachttürme
stammen fast alle aus den 1850er- bis 1870er-Jahren.
Sie wurden gebaut, weil die zunehmenden Fördertiefen
immer stabilere Konstruktionen notwendig machten, um
die nun auftretenden, großen Kräfte aufzufangen.
Typisch für die Malakowtürme ist daher, dass
sie besonders dicke, aus Natur- oder Ziegelsteinen gemauerte
Wände besitzen. Gusseisen, in dieser Zeit als Bausstoff
etwa für Brücken etabliert,
war zu spröde für die häufigen Lastenwechsel,
wie sie für Fördertürme typisch sind.
Die Bauweise ist nicht nur durch die Funktion als Förderturm
bestimmt. Ästhetische Aspekte flossen ebenfalls
ein, wie die teilweise reich gegliederten Fassaden erkennen
lassen. Die oft hoch über die umliegende Bebauung
aufragenden Türme wurden auch zu Repräsentationszwecken
genutzt. Später verdrängten Konstruktionen
aus hochelastischen Stählen die trutzigen Bauten.
Da der Übergang zu großen Teufen die Großindustrialisierung
im Ruhrgebiet anzeigt, sind die Malakowtürme Zeugnisse
dieses Prozesses, der das Gesicht des Reviers nachhaltig
prägte.
Ehemals gab es wahrscheinlich mehr als 100 Malakowtürme
im Ruhrgebiet, 14 sind noch erhalten. Die Herkunft ihres
Namens ist verwickelt. Letztlich leitet er sich vom
Namen eines Turmes der Festung Sewastopol ab, die im
Krimkrieg eine Schlüsselstellung einnahm. Der Krimkrieg
und besonders die Belagerung von Sewastopol waren damals
ein viel beachtetes Thema in der Presse. Obwohl der
Fall der Befestigungsanlage im September 1855 die Niederlage
der russischen Truppen besiegelte, avancierte der Name
Malakow in der Folgezeit zu einem Synonym
für Stärke, Monumentalität und Belastbarkeit.
Schließlich übertrug man ihn auf die neuen
Fördertürme. Äußere Ähnlichkeiten
zwischen dem Festungsturm und den Schachttürmen
bestanden nicht. Der Name Malakowturm ist
also als Spitzname im Volksmund entstanden. Als Begriff
der Architektur etablierte er sich erst im 20. Jahrhundert.
Körper Form Seele
Heute werden die erhaltenen Türme in fünf
Gruppen unterteilt. Julius Philipp wird zu den Schachttürmen
in Backsteinmauerung mit Strebepfeilern gerechnet. Die
Strebepfeiler fingen die seitlich wirkenden Kräfte
auf, die durch die neben dem Turm stehende Fördermaschine
entstanden. Erbaut wurde der rund 32 m hohe Malakowturm
in den 1870er-Jahren. Bereits 1905 wurde die Zeche Julius
Philipp weitgehend stillgelegt. 1989 begannen die Renovierungsarbeiten,
1990 zogen der Lehrstuhl für Geschichte der Medizin
und die Medizinhistorische Sammlung der RUB in das Gebäude
ein. Heute befindet sich neben den Einrichtungen des
Lehrstuhls eine Dauerausstellung zur Geschichte der
Medizin. Regelmäßig werden auch Sonderausstellungen
gezeigt, momentan: Körper Form
Seele. Visualisierungen des Ungeborenen und die Diskussion
um den Schwangerschaftsabbruch gezeigt. Bis in
den März herein ist der Ausstellungsbereich daher
auch am Wochenende geöffnet.
Info: Körper Form Seele
ist bis zum 13.3.05 zu sehen: Mi 9-12 u. 14-18, Sa 14-18,
So 11-18 h, Malakowturm Julius Philipp, Markstr. 258a,
-23394, Internet: www.rub.de/malakow/
Stefan
Schulz & Melanie Langhans
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