U 19-Weltmeisterin
Annike Krahn im Gespräch
Nachsichtige
Dozenten
Zwischen Uni-Alltag und Weltmeister-Rausch, zwischen
Bibliothek und Trainingsplatz turbulente Zeiten
durchlebt derzeit Annike Krahn (19), Sportstudentin
an der RUB. Vor rund einem Monat reckte sie mit der
U 19-Frauenfußball-Nationalmannschaft im Finale
gegen China (2:0) den Weltmeister-Pokal in den thailändischen
Himmel. Mit der Spielführerin des deutschen Erfolgsteams
sprach Rubens-Mitarbeiter Felix Guth.
Rubens: Wie ordnest du diese Erfahrung persönlich
ein?
Annike Krahn: Das war ein Supererlebnis. Das Land war
toll, aber die Spiele standen natürlich im Vordergrund.
Dass wir so weit kommen, hätten wir nicht gedacht.
Wir waren ja im Viertelfinale schon fast ausgeschieden.
Aber dann die USA zu schlagen und das Endspiel zu gewinnen,
das war was Besonderes. Man arbeitet ja schließlich
das ganze Jahr darauf hin. Es gehörte aber auch
ein bisschen Glück dazu. Für mich war so ein
großes Turnier nicht neu. Ich habe vorher schon
zwei Europameisterschaften gespielt.
Rubens: Wie siehst du deine sportliche Perspektive?
Annike Krahn: Jetzt muss ich mich erst mal wieder in
der Bundesliga beweisen. Ich habe im letzten Jahr schon
mal bei der Nationalmannschaft hereingeschnuppert. Da
will ich auf jeden Fall wieder hin. Die nächste
Juniorinnen-Klasse, die U 21, hat nicht so einen hohen
Stellenwert.
Rubens: Wie gelingt dir der Spagat zwischen Leistungssport
und Uni-Alltag?
Annike Krahn: Ich habe ja erst im Oktober mit meinem
Studium angefangen, aber bislang litt es schon unter
dem Aufwand. Zum Glück waren einige Dozenten während
der WM-Zeit sehr nachsichtig. Als Frauenfußballerin
braucht man ein zweites Standbein, die Alternative Profi
gibt es nicht. Deshalb will ich mein Sportwissenschafts-Diplom
schaffen. Aber es ist schwierig, fast jeden Tag zu trainieren
oder zu spielen und gleichzeitig die Uni-Sachen zu meistern.
Rubens: Wie siehst du die öffentliche Wahrnehmung
deiner Sportart?
Annike Krahn: Es ist etwas schwierig. Wenn so wie im
Moment der Erfolg da ist, wird Frauenfußball hoch
gelobt. Wir konnten die Euphorie aus dem letzten Jahr,
als die Frauennationalmannschaft Weltmeister wurde,
vielleicht wieder etwas auffrischen. Aber insgesamt
würde man sich schon etwas mehr Aufmerksamkeit
wünschen.
Felix
Guth
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