Studiobühne
im Januar
Vier starke
Stücke
Gleich vier neue Werke sind im Januar auf der Studiobühne
des Musischen Zentrums zu sehen. Los gehts am 8.
und 9. Januar (je 19.30 h) mit einer Produktion der Theatergruppe
Modern Prometheus. Sie zeigt das Stück Frankenstein.
Mary W. Shelleys moderner Mythos gehört zu den Klassikern
der Literatur nicht erst seit der legendären
Verfilmung mit Boris Karloff als missverstandene Kreatur.
Die Bochumer Inszenierung kehrt zu den Ursprüngen
zurück und haucht dem faszinierenden Stück neues
Leben ein. Mit einer neuen Textfassung und der düster-romantischen
Musik des Gothic rückt die Figur des ehrgeizigen
Wissenschaftlers Viktor Frankenstein in den Mittelpunkt,
der sich seinem finstersten Alptraum stellen muss: Seiner
eigenen Schöpfung, die er verstoßen hat und
die nun droht, alles zu vernichten, was Viktor lieb und
teuer ist. Er alleine könnte den Wahnsinn aufhalten
doch dafür müsste er die Verantwortung
für das Übernehmen, was er getan hat. (weitere
Infos: www.modern-prometheus.de.vu).
Eine Woche später (15./16. Januar, je 19.30 h) zeigt
das Theater c2pq Das Kaffeehaus, das
ursprünglich (1750) von Carlo Goldoni geschrieben
und später (1970) von Rainer Werner Fassbinder bearbeitet
wurde. Der Kaffeehausklatsch ist Teil der Stadtgespräche
Venedigs. Es wird getrunken, weil getrunken werden muss.
Es gibt keine Ehrlichkeit, und wenn es sie gibt, wird
sie durch reine Gehässigkeit auf dem realen Boden
der zwielichtigen Wirklichkeit gestoßen. Während
bei Goldoni noch das Gute siegt, verliert das moralische
Gerüst des Menschlichen bei Fassbinder jede Gültigkeit.
Der Mensch ist fies und gemein, dennoch ist die Kraft
der Liebe stärker als alles andere.
Todessehnsucht
Weiter gehts im Wochenrhythmus. Am 22. und 23.
Januar (wie gehabt um 19.30 h) präsentiert das
Mords Theater das Stück Roberto Zucco
von Bernard M. Koltés. Es zeigt den verzweifelten
Ausbruch eines normalen Studenten, der versucht durchsichtig
zu sein wie eine Fensterscheibe, damit ihn die Leute
nicht sehen. Er ist unsichtbar unter Unsichtbaren, hat
Angst vor den Leuten um sich herum, vor den Menschen,
die er als potentielle Mörder bezeichnet. Der junge
Mann flieht angesichts der schizophrenen Gesellschaft
selbst in die Schizophrenie, inszeniert sich seine eigene
Utopie und spricht sie heilig. Den eigenen Tod herbeisehnend
bringt er ihn anderen auf seiner Flucht (weitere Infos:
www.mords-theater.de).
Am letzten Januarwochenende (29./30./31. Januar, je
19.30 h) schließlich steht eine Produktion der
Studiobühne auf dem Programm: Die Räuber
von Friedrich Schiller. Franz setzt alles daran, seinen
Bruder Karl zu enterben und zu verstoßen. Karl,
der nach seiner Verbannung nichts mehr zu verlieren
hat, schließt sich einer Räuberbande an und
lässt sich zum Hauptmann ernennen. Er will Gutes
in der Welt bewirken, Gerechtigkeit zwischen Arm und
Reich schaffen. Das Böse aber nimmt seinen Lauf.
Die Inszenierung des Klassikers verspricht auch im 200.
Todesjahr des Dichters alles andere als klassisch zu
werden. Als gemischt-geschlechtliche und multiethnische
Gruppe werden die Räuber zum Spiegel der heutigen
Jugend, des Campus und der Gesellschaft. Zum ersten
Mal sind im 13-köpfigen Ensemble Studierende aller
Fachrichtungen vertreten.
Infos: Alle Stücke im Überblick: www.rub.de/mz-theater/sites/programm.htm
ád
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