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RUBENS 94

3. Januar 2005

NC bei Sowis und Germanisten

Entspannte Bedingungen


Man hat die Bilder noch vor Augen: Überfüllte Hörsäle, überforderte Dozenten, orientierungslose Studenten. Zuletzt versuchten einige Fachbereiche per internem Numerus Clausus, den Strom an Studierenden wieder einzudämen. Es waren vor allem geisteswissenschaftliche Fächer wie Pädagogik, Anglistik, Germanistik oder die Sozialwissenschaft, die in den vergangenen Semestern unter den hohen Einschreibungszahlen litten. Wenig verwunderlich daher, dass gerade diese Fächer einen NC beantragten.
„Die Einführung der Beschränkung im letzten Wintersemester war umstritten“, sagt Achim Henkel, Prodekan für Studienangelegenheiten der Fakultät für Sozialwissenschaft, „aber der NC ist ein Muss.“ Die Bedingungen, wie sie vor rund einem Jahr herrschten, waren für ihn nicht tragbar. „Die Lehre muss ein Mindestmaß an Qualität behalten“, sagt Henkel. So war die Fakultät bemüht, mit der Einführung einer Zulassungsbeschränkung auf nahezu alle sozialwissenschaftlichen Teilbereiche die Lehrsituation zu entspannen. „Es wäre so nicht mehr zu machen gewesen“, sagt Henkel, der jedoch auch um die Nachteile dieser Entscheidung weiß. „Der freie Zugang ist nicht mehr gegeben.“
Bei allem kurzfristigen Erfolg sieht der Prodekan die Entwicklung noch nicht am Ende. „Der nächste Schritt wäre die persönliche Auswahl der Studierenden. Das ist allerdings noch nicht praktikabel. Aber es gibt bereits entsprechende Methoden“, sagt Henkel. Zuvor müssten hochschulpolitische Barrieren aus dem Weg geräumt werden.
Am Germanistischen Institut ist der NC ein Novum. Er liegt bei 3,3, doch selbst diese Begrenzung reichte aus, um die Einschreibungszahlen im laufenden Wintersemester im Vergleich zum Vorjahr zu halbieren. So spricht Literaturwissenschaftler Dr. Benedikt Jeßing von „äußerst entspannten Bedingungen.“ Für ihn hat die Maßnahme gleichermaßen einen quantitativen wie qualitativen Aspekt. „Die Studierenden müssen bei Bewerbung und Annahme zweimal aktiv werden. So ergibt sich nicht nur eine Auswahl nach Noten, sondern auch nach dem Willen“, erläutert Jeßing. Dennoch sieht auch er einen Zwiespalt zwischen Attraktivität und Begrenzung. „Das ist eine schizophrene Situation“, sagt Jeßing.
Es bleiben jedoch in allen Bereichen noch ungelöste Probleme. So wirken die hohen Zahlen aus den Vorjahren mittlerweile auf die höheren Fachsemester nach – zu Lasten der praxisorientiert angelegten MA-Phase. „Es gibt Diskussionen, die Übergangsphase ebenfalls zu beschränken“, schildert Achim Henkel die Pläne, deren Umsetzung aber noch längst nicht beschlossen ist.


Felix Guth
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Letzte Änderung: 03.01.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik