Betriebsarzt
der RUB auf internationalen Auslandseinsätzen
Auf Abwegen
Es erst gar nicht zur Krankheit kommen lassen: Prophylaxe
ist die hauptsächliche Tätigkeit des betriebsärztlichen
Dienstes der Ruhr-Universität, der im Eingangsbereich
von NB 04 Nord untergebracht ist. Dort arbeitet der Betriebsarzt
Dr. Dirk Hannemann vom Arbeitsmedizinischen Vorsorgezentrums
Herne (AMVZ), das als übergeordneter arbeitsmedizinischer
Dienstleister die Uni betreut (RUBENS Nr. 51).
Der Arbeitsalltag von Betriebsärzten unterscheidet
sich von denen ihrer Hausarztkollegen nicht nur darin,
dass sie selten weiße Kittel tragen: Im Gegensatz
zum Hausarzt ist meine Arbeit planbar und geregelt. Meistens
entstehen keine Wartezeiten, außer bei Gruppenterminen
wie den Grippeschutzimpfungen im Winter, berichtet
Hannemann aus seinem Arbeitsgeschehen. Einen Teil seiner
Klientel führt ihm die Personalabteilung zu. Sie
lässt Beschäftigte der RUB gemäß
der Bildschirmarbeitslatzverordnung untersuchen oder wenn
sie mit Gentechnik oder Gefahrstoffen umgehen.
Probesitzen
Ab und an verlässt der 38-Jährige seine hellen
und nüchternen Untersuchungsräume, um
in erster Linie Laboratorien der Universität zu
begehen, weniger den Verwaltungsbereich. Aber
wenn Arbeitsplätze verändert werden müssen,
damit Rückenerkrankte oder Schwerbehinderte problemlos
mitarbeiten können, dann kommt er natürlich
auch in die Verwaltung. Häufig erfragt sind seine
Stellungnahmen bei Pilzbefall oder Erkrankungen
durch die Arbeit. Auch Wirbelsäulengeschädigte
suchen ihn auf: In einem separaten Raum können
Beschäftigte auf verschiedenen Bürostühlen
Probesitzen, um für sich die richtige Unterstützung
bei sitzender Tätigkeit zu finden.
Nach seinen Facharztprüfungen hatte Hannemann aber
erst einmal eine Auszeit von Klinik, Arbeit, Verwaltung
und Gewohnheitstrott nötig. Seit über
zehn Jahren habe ich Kontakt zur Organisation Ärzte
für die dritte Welt, erzählt er. Dort
kann er kurzfristig aushelfen und muss nicht
wie sonst bei Entwicklungsarbeit üblich
zu mehrjährigen Arbeitseinsätzen ins Ausland.
Ein weiterer Vorteil von Ärzte für die
dritte Welt: Die Organisation finanziert ihre
Verwaltungstätigkeit gesondert über einen
Förderkreis und garantiert, dass Spenden
zu hundert Prozent ihr Ziel erreichen, weiß
Hannemann.
Sein erster Auslandseinsatz führte ihn von Juli
bis Oktober 2002 direkt in die tristen Slums von Bangladesh,
in die Hauptstadt Dhaka. Dort saß er in einer
kleinen Hütte, halb so groß wie sein Bochumer
Sprechzimmer. Zwei Ärzte, Übersetzter sowie
die Patienten teilten sich die Hütte. Die Patienten
saßen Rücken an Rücken und
wurden parallel behandelt. Nebenbei diente
der Bau auch als Schule und Moschee und war Gott
sei dank meistens regendicht, erinnert sich Hannemann.
Jeder Infekt dort ist prinzipiell gefährlich,
so dass wir ihn aggressiver behandeln, als wir es hier
machen würden, also eher Antibiotika geben. Banale
Erkältungen können sich aufgrund der klimatischen
Voraussetzungen, der Armut und der Unterernährung
schnell zu gefährlichen Lungenentzündungen
entwickeln, erklärt er.
Ende Oktober 2002 war der Einsatz in Dhaka beendet.
Doch bereits von April bis Juni 2004 war Hannemann erneut
für Ärzte für die dritte Welt
unterwegs. Auf den Philippinen behandelte er beispielsweise
Bauern, die aufgrund von Mangelernährung unter
riesigen Kröpfen zu leiden haben.
Zurück in NB
Nun arbeitet Dirk Hannemann schon wieder ein halbes
Jahr in den sauberen Behandlungszimmern in NB 04. Doch
trotz des bekannten Trotts, der sich schnell wieder
einstellte, sind die Erlebnisse aus Bangladesh und von
den Philippinen nicht verblasst. Und sie haben dauerhafte
Spuren beim Betriebsmediziner hinterlassen: Ich
bin intoleranter gegen Jammereien, wenn sich zum Beispiel
jemand kein neues Plasma-TV kaufen kann. Wenn ich miesepetrige
Gesichter sehe, denke ich, die wissen gar nicht, wie
gut es ihnen eigentlich geht. Sie haben ein Dach über
den Kopf, es regnet nicht rein, die Heizung funktioniert,
sie haben genug anzuziehen und zu essen. Das ist das
was man braucht und alles andere ist extra.
Infos: Ärzte für die Dritte Welt
im Internet: www.aerzte3welt.de/.
Spendenkonto: Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01,
Konto 234567. KOBRA hat gemeinsam mit dem Hochschulteam
Bochum der Agentur für Arbeit im Oktober 2004 zum
Thema Non-Profit-Sektor einen Flyer zur
Berufsperspektive heraus gegeben, erhältlich bei
KOBRA, SH 2/208.
Thea
A. Struchtemeier
|