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RUBENS 94

3. Januar 2005

Editorial

Sciene sells


Zwei neue Zeitschriften bereichern seit Dezember den Markt: „ZEIT Wissen“ und „Süddeutsche Zeitung Wissen“. Fast zeitgleich erschienen diese jeweils etwa 100 bis 120-seitigen Magazine gleichen Formats in äußerst attraktiver Aufmachung aus den führenden deutschen Zeitungshäusern. Beide Hefte glänzen durch selbstrecherchierte Beiträge, wobei das der SZ tendenziell stärker naturwissenschaftlich orientiert ist. Das der ZEIT fehlt diese Strenge; wie die wöchentliche großformatige Ausgabe enthält es auch Beiträge aus der Geschichte oder Psychologie. ZEIT Wissen soll vier Mal im Jahr erscheinen, das Heft der Süddeutschen je nach verkaufter Auflage drei bis vier Mal jährlich.
Kein Zweifel: Zumindest Wissenschaftsjournalismus und -events boomen. Dem Gejammer der frühen 90er-Jahre bot der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft im Verein mit den großen Wissenschaftsinstitutionen Mitte der 90er erfolgreich Einhalt: Auf die Tage der Forschung folgten das Jahr der Physik (2000), der Lebenswissenschaften (2001), der Geowissenschaften (2002), der Chemie (2003), der Technik (2004). Wissenschaftssendungen in Fernsehen schossen wie Pilze aus dem Boden, ob „Quarks und Co“, „w-wie-wissen“, „nano“, „galileo“ und viele mehr. Einen regelrechten Quizboom löste die Sendung „Wer wird Millionär“ aus. Es gibt kaum einen Sender, der nicht das Format kopiert hat. Auch die großen Stiftungen von Bertelsmann und Volkswagen griffen das Thema auf und entwickelten zusammen mit der Bayer AG ein Programm zur Aus- und Weiterbildung im Wissenschaftsjournalismus. Auf der „WissensWerte“ Ende November in Bremen, einer Tagung anlässlich des Auftakts „Stadt der Wissenschaft“, zeigten sich die versammelten Journalisten zufrieden: Sie sind überzeugt, dass die Kurve des Wissenschaftsjournalismus kontinuierlich nach oben zeige, dass der Boom anhalten werde.
Das alles geschieht merkwürdigerweise vor dem Hintergrund verheerender Pisa-Ergebnisse, die deutschen Schülerinnen und Schülern allenfalls Mittelmaß bescheinigen. Dieses Prädikat wird auch den deutschen Hochschulen seit langem um die Ohren gehauen, während Politiker – gefangen im Streit um Bund-Länder-Kompetenzen – zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück von einer Elite- und Innovationsidee zur nächsten stolpern.
Entwickelt sich Wissenschaft trotzdem zum Verkaufsschlager? Es steht zu befürchten, dass es noch doch etwas länger dauern wird, bis Wissenschaftler von der Werbung entdeckt und als „Pin ups“ eingesetzt werden. Nötig wär’s nach diesen Pisa-Ergebnissen; nötig wär’s in NRW, das Bundesland, das laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft an vorletzter Stelle steht bei den öffentlichen Ausgaben je Student, nötig wär’s erst recht im Ruhrgebiet, das noch zusätzlich einer schwierigen demografischen Entwicklung entgegensieht.

jk
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Letzte Änderung: 03.01.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik