Tagung zum Zuwanderungsgesetz
Uneinig
Einwanderungsland
Kann der Staat eigentlich vorschreiben, in welcher Sprache
die Predigt in einer Moschee in Deutschland zu halten
ist? Noch während Mitte November eine neue Diskussion
über die vermeintliche (Selbst-)Ausgrenzung von
Ausländern in Deutschland aufkeimte, beleuchteten
Wissenschaftler am 16.11. das neue deutsche Zuwanderungsgesetz
auf der Bochumer Tagung Zuwanderungsgesetz und
nun?
Veranstalter waren der Lehrstuhl für Organisationssoziologie
und Mitbestimmungsforschung der RUB und NAVEND, das
Zentrum für kurdische Studien. Der Tenor der Tagung:
Das Zuwanderungsgesetz geht in die richtige Richtung,
erkenne es doch endlich an, dass Deutschland ein Einwanderungsland
ist. Auch gäbe es Verbesserungen wie die Vereinfachung
der verschiedenen Aufenthaltstitel und bessere Einwanderungsmöglichkeiten
für Hochqualifizierte und Studierende. Überfällig
sei in Deutschland jedoch noch immer ein Diskriminierungsgesetz.
Der Bochumer Soziologe Prof. Ludger Pries erläuterte
in seinem Vortrag, wie eine gute Integrationspolitik
aussehen müsse: Sie solle eine angemessene Mischung
sein aus Assimilation im Sinne von Anpassung
an bestimmte Basisnormen, von Integration
in dem Sinne, dass sie Chancengleichheit ermöglicht,
und von Inkorporation, indem sie auch dauerhafte
grenzüberschreitende Identitäten und Loyalitäten
zulässt.
An der Tagung nahmen insgesamt etwa 70 Mitarbeiter von
Sozial- und Betroffenenorganisationen, kommunalen und
anderen öffentlichen Verwaltungen sowie Studierende
und Wissenschaftler teil. Alle waren sich darin einig,
den nun angestoßenen Dialog weiterzuführen.
Während also Deutschland weiter debattiert, heißt
es von Seiten der Wissenschaft: Fortsetzung folgt.
jw
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