Starker Nachwuchs
Das Tempo
des Lebens
Der neue russische Tutor im Gespräch
Das Kulturbüro Boskop hat Anfang Oktober Zuwachs
bekommen. Voller Tatendrang und Energie stand Evgeni
Tankov (31) vor der Tür und präsentierte seine
Ideen. Als neuer russischer Tutor der Robert-Bosch-Stiftung
wird er zehn Monate lang Studierenden der RUB die russische
Kultur, Sprache und Mentalität näher bringen.
Was genau Evgeni vorhat und was ihn an Deutschland besonders
reizt, erzählte er Janine Wagner von Boskop.
Boskop: Du bist frisch in Bochum eingetroffen.
Erzähl uns doch, was dir hier als erstes aufgefallen
ist?
Tankov: Die Menschen sind freundlich und offen und vor
allem ist alles ausgeschildert. Wenn man die deutsche
Sprache kennt, findet man sich schnell zurecht, obwohl
in dieser großen Stadt die Möglichkeit besteht,
sich schnell zu verlaufen.
Boskop: Das ist nicht verwunderlich, denn du lebst
in einer wahnsinnig kleinen Stadt. Abakan, das liegt
in der Nähe von Krasnojarsk, hat nur 160 Einwohner.
Ist Bochum dann nicht erschreckend groß für
dich?
Tankov: Ich war ja schon in Berlin und vor sechs Jahren
in Bielefeld. Mich fasziniert das Ruhrgebiet, es ist
so ein Energiebündel, hier findet ein schneller
Informationsaustausch statt. Das gibt es in Russland
gar nicht. Die Intensität des Lebens ist interessant,
und ich kann lernen unter Stress zu leben und zu arbeiten.
Boskop: Apropos arbeiten. Was hast du vor mit den
Studierenden? Worauf können sie sich einstellen?
Tankov: Vor allem möchte ich verhindern, dass das
Interesse an der Slawistik weiter sinkt. Ich möchte
die Freude daran wieder erhöhen. Russland hat viel
Interessantes zu bieten. Das möchte ich zeigen.
Ich werde möglicherweise ein Seminar über
Anton Tschechov machen. Auch eine Reise ist in Planung,
sowie Filmabende und Diskussionsrunden. Meine Arbeit
soll sehr publikumsorientiert sein.
Boskop: Du möchtest während deiner Zeit
hier in Bochum dein Land präsentieren und viel
über die russische Kultur preisgeben. Da stellt
sich natürlich noch die Frage, was du selbst aus
Deutschland mit zurück in deine Heimat nehmen möchtest?
Tankov: Ich habe ein großes linguistisches Interesse
und möchte hier meine Untersuchungen zur Ethno-Linguistik
weiterführen. Dies beinhaltet auch viel von der
Kultur Deutschlands, auch die Mentalität möchte
ich besser kennen lernen. Das Lebenstempo ist faszinierend.
Ich möchte aber auch herausbekommen, wie sich andere
Russen hier einleben oder ob sie eher mit ihrer Heimat
verbunden bleiben. Ich muss lernen, in den kommenden
Monaten beide Kulturen miteinander zu verbinden und
in beiden zu leben. Ich freue mich sehr auf die Arbeit
hier, auf die Menschen, die ich kennen lerne und was
ich mit ihnen unternehmen werde.
Info: Wer Evgeni Tankov mit Fragen löchern
möchte, erreicht ihn im Boskop-Büro, Sumperkamp
9-15, Tel. 0234-702651, E-Mail: boskop@akafoe.de
Janine
Wagner
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