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RUBENS 92

2. November 2004

Starker Nachwuchs

Krönung der Frauenforschung

Zehn Jahre Marie-Jahoda-Gastprofessur


Als „Krönung der Frauenforschung“ bezeichnete Anke Brunn die Marie-Jahoda-Gastprofessur am 4. November 1994. Die damalige Ministerin für Wissenschaft und Forschung NRW eröffnete an diesem Tag die erste internationale Gastprofessur für Frauenforschung an einer deutschen Universität. Neben der ersten Gastprofessorin Mari Osawa und dem damaligen Rektor Prof. Manfred Bormann nahm auch die Namensgeberin Marie Jahoda teil. Seitdem waren 23 Professor/innen (s.u.), vor allem aus den Kultur- und Sozialwissenschaften, in Bochum zu Gast. Sie kamen aus zwölf Ländern. Im November feiert die Jahoda-Professur mit einer internationalen Konferenz (s.u.) und einer Ausstellung ihr zehnjähriges Bestehen.

Rückblick

Die Gastprofessur wurde vom NRW-Wissenschaftsministerium (MWF) ins Leben gerufen und im WS 1994/95 erstmals besetzt. Sie ist Bestandteil des Netzwerks Frauenforschung NRW. An der RUB ist sie im Kontext der sechs Lehrstühle für Geschlechterforschung in Geschichte, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft (2), Politikwissenschaft und Soziologie angesiedelt. Organisiert wird die Professur vom Lehrstuhl für Soziologie, Frauen- und Sozialstrukturforschung (Prof. Dr. Ilse Lenz). Ziel war und ist es, die internationale Ausrichtung und Kooperation durch grundlegende Impulse in Forschung und Lehre in der Geschlechterforschung voranzutreiben.
Marie Jahoda war eine der bekanntesten Sozialwissenschaftlerinnen des letzten Jahrhunderts. 1907 in Wien geboren und aufgewachsen musste sie 1936 wegen ihrer jüdischen Abstammung vor den Nazis nach England fliehen. Später emigrierte sie in die USA, wo sie Professorin wurde. Ende der 50er-Jahre kehrte sie nach England zurück, arbeitete an den Universitäten Brunel bzw. Sussex und lebte bis zu ihrem Tode im April 2001 bei Brighton. Bekannt wurde Jahoda als erste Sozialwissenschaftlerin, die – zusammen mit Paul Lazarsfeld – die psychologischen und subjektiven Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf den Einzelnen untersucht hat. Ihre Arbeit über die „Arbeitslosigkeit im Marienthal“ gilt in der sozialwissenschaftlichen Forschung als bahnbrechend. Nicht zuletzt ihr methodisches Vorgehen darin ähnelt dem der Frauenforschung.

Ausblick

Die bisherigen 23 Gastprofessor/innen haben häufig die Gelegenheit genutzt, internationale Kolleginnen und Kollegen nach Bochum einzuladen, so dass sich Forschungsnetzwerke entwickelten. Beinahe in jedem Semester fand neben den üblichen Seminaren auch ein Workshop statt. Zu den größeren Veranstaltungen zählte 1997 das Festkolloquium zum 90. Geburtstag von Marie Jahoda.
Die Marie-Jahoda-Gastprofessur hat sich längst zu einem festen Bestandteil der bundesweiten Frauen und Geschlechterforschung entwickelt. Das große wissenschaftliche und öffentliche Interesse an den Gastprofessor/innen zeugt vom Erfolg und von der Notwendigkeit internationaler und interdisziplinärer Perspektiven. Die Ziele der Gastprofessur sind in den letzten zehn Jahren ähnlich geblieben: Als Teil des Netzwerks Frauenforschung NRW will sie renommierte ausländische Wissenschaftler/innen einladen, die für die Weiterentwicklung und Vernetzung der Frauen- und Geschlechterforschung von besonderer Bedeutung sind. Die Gastprofessur wirkte zudem als Anstoß und Vorbild für viele, auch internationale, Kooperationen.
Weiteres Standbein der Professur ist die Internationalisierung von Lehre und Forschung. Mit Veranstaltungen im Rahmen von Vings (Virtuelle Internationale Gender Studies) wurde die Integration in die Lehre verstärkt. Sie soll mit dem MA-Studiengang „Gender Studies“ an der RUB (ab WS 04/05) fortgesetzt werden.
Die inhaltliche Schwerpunktsetzung indes hat sich verschoben. In den kommenden Jahren lauten die Ziele, verstärkt einen interdisziplinären Bezug zwischen Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften herzustellen, Globalisierungsherausforderungen unter besonderer Berücksichtigung des Transformationspotentials von Frauenbewegungen anzugehen und die Geschlechterordnungen anderer kultureller Kontexte zu beleuchten. Zudem sollen Theorieentwicklungen eingeführt werden, wie sie sich im asiatischen, afrikanischen, lateinamerikanischen und osteuropäischen Raum jenseits des Mainstream entwickeln.

Jubiläumskonferenz

Zum zehnjährigem Jubiläum der Marie-Jahoda-Gastprofessur findet am 24. und 25. November im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets die Konferenz „Geschlechterwelten in Veränderung: Gleichheit, Reziprozität, Solidarität“ statt. Neben der aktuellen Gastprofessorin Diane Elson aus England werden einige der ehemaligen Gastprofessor/innen wie Robert W. Connell, Heide Gottfried oder Mari Osawa Vorträge halten.

Infos: Kristin.Schwierz@rub.de, www.rub.de/sowi

Bisherige Gastprofessor/innen

WS 94/95, Winnie Wanzala (Sowi), Namibia, und Mari Osawa (Sowi), Japan
SoSe 95, Gertrude Robinson (Medien), Kanada
WS 95/96, Anne Witz, (Soziologie), UK
SoSe 96, Patricia McFadden, (Soziologie), Zimbabwe
WS 96/97, Irit Rogoff (Kunstgeschichte), USA
SoSe 97, Judith Lorber, (Soziologie), USA
WS 97/98, Ruth Roach Pierson (Geschichte), Kanada
SoSe 98, Yelena A. Zdravomyslova, (Soziologie), Russland
WS 98/99, Toshiko Himeoka (Soziologie), Japan
SoSe 99, Robert W. Connell (Soziologie), Australien
WS 99/00, Mirjana Morokvasic (Soziologie), Frankreich
SoSe 00, Joan Acker (Soziologie), USA
WS 00/01, Heidi Gottfried (Soziologie), USA, und Alison Woodward (Soziologie), Belgien
SoSe 01, Zoe Sofoulis (Medien), Australien
WS 01/02, Amy Mazur (Politik), USA
SoSe 02, Agneta Stark (Soziologie), Schweden
WS 02/03, Sue Lafky (Medien), USA
SoSe 03, Nadje Al-Ali (Soziologie), UK, und Nira Yuval-Davis (Soziologie), UK
WS 03/04, Edith Kuiper (Wirtschaft), NL
SoSe 04, Myra Marx Ferree (Soziologie), USA
WS 04/05, Diane Elson (Soziologie), UK

 

Charlotte Ullrich
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Letzte Änderung: 30.10.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik