Starker Nachwuchs
Krönung
der Frauenforschung
Zehn Jahre Marie-Jahoda-Gastprofessur
Als Krönung der Frauenforschung bezeichnete
Anke Brunn die Marie-Jahoda-Gastprofessur am 4. November
1994. Die damalige Ministerin für Wissenschaft
und Forschung NRW eröffnete an diesem Tag die erste
internationale Gastprofessur für Frauenforschung
an einer deutschen Universität. Neben der ersten
Gastprofessorin Mari Osawa und dem damaligen Rektor
Prof. Manfred Bormann nahm auch die Namensgeberin Marie
Jahoda teil. Seitdem waren 23 Professor/innen (s.u.),
vor allem aus den Kultur- und Sozialwissenschaften,
in Bochum zu Gast. Sie kamen aus zwölf Ländern.
Im November feiert die Jahoda-Professur mit einer internationalen
Konferenz (s.u.) und einer Ausstellung ihr zehnjähriges
Bestehen.
Rückblick
Die Gastprofessur wurde vom NRW-Wissenschaftsministerium
(MWF) ins Leben gerufen und im WS 1994/95 erstmals besetzt.
Sie ist Bestandteil des Netzwerks Frauenforschung NRW.
An der RUB ist sie im Kontext der sechs Lehrstühle
für Geschlechterforschung in Geschichte, Kunstgeschichte,
Medienwissenschaft (2), Politikwissenschaft und Soziologie
angesiedelt. Organisiert wird die Professur vom Lehrstuhl
für Soziologie, Frauen- und Sozialstrukturforschung
(Prof. Dr. Ilse Lenz). Ziel war und ist es, die internationale
Ausrichtung und Kooperation durch grundlegende Impulse
in Forschung und Lehre in der Geschlechterforschung
voranzutreiben.
Marie Jahoda war eine der bekanntesten Sozialwissenschaftlerinnen
des letzten Jahrhunderts. 1907 in Wien geboren und aufgewachsen
musste sie 1936 wegen ihrer jüdischen Abstammung
vor den Nazis nach England fliehen. Später emigrierte
sie in die USA, wo sie Professorin wurde. Ende der 50er-Jahre
kehrte sie nach England zurück, arbeitete an den
Universitäten Brunel bzw. Sussex und lebte bis
zu ihrem Tode im April 2001 bei Brighton. Bekannt wurde
Jahoda als erste Sozialwissenschaftlerin, die
zusammen mit Paul Lazarsfeld die psychologischen
und subjektiven Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf
den Einzelnen untersucht hat. Ihre Arbeit über
die Arbeitslosigkeit im Marienthal gilt
in der sozialwissenschaftlichen Forschung als bahnbrechend.
Nicht zuletzt ihr methodisches Vorgehen darin ähnelt
dem der Frauenforschung.
Ausblick
Die bisherigen 23 Gastprofessor/innen haben häufig
die Gelegenheit genutzt, internationale Kolleginnen
und Kollegen nach Bochum einzuladen, so dass sich Forschungsnetzwerke
entwickelten. Beinahe in jedem Semester fand neben den
üblichen Seminaren auch ein Workshop statt. Zu
den größeren Veranstaltungen zählte
1997 das Festkolloquium zum 90. Geburtstag von Marie
Jahoda.
Die Marie-Jahoda-Gastprofessur hat sich längst
zu einem festen Bestandteil der bundesweiten Frauen
und Geschlechterforschung entwickelt. Das große
wissenschaftliche und öffentliche Interesse an
den Gastprofessor/innen zeugt vom Erfolg und von der
Notwendigkeit internationaler und interdisziplinärer
Perspektiven. Die Ziele der Gastprofessur sind in den
letzten zehn Jahren ähnlich geblieben: Als Teil
des Netzwerks Frauenforschung NRW will sie renommierte
ausländische Wissenschaftler/innen einladen, die
für die Weiterentwicklung und Vernetzung der Frauen-
und Geschlechterforschung von besonderer Bedeutung sind.
Die Gastprofessur wirkte zudem als Anstoß und
Vorbild für viele, auch internationale, Kooperationen.
Weiteres Standbein der Professur ist die Internationalisierung
von Lehre und Forschung. Mit Veranstaltungen im Rahmen
von Vings (Virtuelle Internationale Gender Studies)
wurde die Integration in die Lehre verstärkt. Sie
soll mit dem MA-Studiengang Gender Studies
an der RUB (ab WS 04/05) fortgesetzt werden.
Die inhaltliche Schwerpunktsetzung indes hat sich verschoben.
In den kommenden Jahren lauten die Ziele, verstärkt
einen interdisziplinären Bezug zwischen Sozial-,
Kultur- und Naturwissenschaften herzustellen, Globalisierungsherausforderungen
unter besonderer Berücksichtigung des Transformationspotentials
von Frauenbewegungen anzugehen und die Geschlechterordnungen
anderer kultureller Kontexte zu beleuchten. Zudem sollen
Theorieentwicklungen eingeführt werden, wie sie
sich im asiatischen, afrikanischen, lateinamerikanischen
und osteuropäischen Raum jenseits des Mainstream
entwickeln.
Jubiläumskonferenz
Zum zehnjährigem Jubiläum der Marie-Jahoda-Gastprofessur
findet am 24. und 25. November im Haus der Geschichte
des Ruhrgebiets die Konferenz Geschlechterwelten
in Veränderung: Gleichheit, Reziprozität,
Solidarität statt. Neben der aktuellen Gastprofessorin
Diane Elson aus England werden einige der ehemaligen
Gastprofessor/innen wie Robert W. Connell, Heide Gottfried
oder Mari Osawa Vorträge halten.
Infos: Kristin.Schwierz@rub.de,
www.rub.de/sowi
Bisherige Gastprofessor/innen
WS 94/95, Winnie Wanzala (Sowi), Namibia, und Mari
Osawa (Sowi), Japan
SoSe 95, Gertrude Robinson (Medien), Kanada
WS 95/96, Anne Witz, (Soziologie), UK
SoSe 96, Patricia McFadden, (Soziologie), Zimbabwe
WS 96/97, Irit Rogoff (Kunstgeschichte), USA
SoSe 97, Judith Lorber, (Soziologie), USA
WS 97/98, Ruth Roach Pierson (Geschichte), Kanada
SoSe 98, Yelena A. Zdravomyslova, (Soziologie), Russland
WS 98/99, Toshiko Himeoka (Soziologie), Japan
SoSe 99, Robert W. Connell (Soziologie), Australien
WS 99/00, Mirjana Morokvasic (Soziologie), Frankreich
SoSe 00, Joan Acker (Soziologie), USA
WS 00/01, Heidi Gottfried (Soziologie), USA, und Alison
Woodward (Soziologie), Belgien
SoSe 01, Zoe Sofoulis (Medien), Australien
WS 01/02, Amy Mazur (Politik), USA
SoSe 02, Agneta Stark (Soziologie), Schweden
WS 02/03, Sue Lafky (Medien), USA
SoSe 03, Nadje Al-Ali (Soziologie), UK, und Nira Yuval-Davis
(Soziologie), UK
WS 03/04, Edith Kuiper (Wirtschaft), NL
SoSe 04, Myra Marx Ferree (Soziologie), USA
WS 04/05, Diane Elson (Soziologie), UK
Charlotte
Ullrich
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