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RUBENS 92

2. November 2004

Starker Nachwuchs

Volle Kraft voraus

Energie an der RUB: Energieforum, Energierecht, Energieverbrauch



Etwa neun Mio. Euro wendet die RUB jährlich für Energie auf. Auch ansonsten ist Energie ein wichtiges Thema auf dem Campus. Es gibt Lehrstühle und Institute, die „Energie“ im Namen tragen, es gibt sowohl ein Energie- als auch ein Energiesparforum und ständig brandaktuelle Forschungsprojekte. Zurzeit beschäftigen sich Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure u.a. mit Emissionshandel und Energiepreisen. All das beleuchten wir auf dieser Seite.

„Die Ruhr-Uni hat das Potenzial, zum führenden deutschen Standort für Energieforschung zu werden“, erläutert Prof. Johann-Christian Pielow. Der Jurist und Geschäftsführende Direktor des Instituts für Berg- und Energierecht (IBE) hat allen Grund optimistisch zu sein. Schließlich wird Energie in all ihren Facetten in zehn Fakultäten der RUB erforscht. Ökonomen, Juristen, Ingenieure, Geologen etc. arbeiten interdisziplinär, häufig mit internationalen Partnern und meist an Themen, die Politik und Gesellschaft direkt betreffen. Die Bedeutung der Bochumer Energieforschung haben der Wissenschaftsrat (1999) und der Expertenrat der Landesregierung (2001) explizit hervorgehoben. Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hält große Stücke darauf. Deshalb blieb er nach seinem Wechsel nach Berlin im Kuratorium des IBE, während er seine sonstigen Ehrenämter in NRW niederlegte.

Begehrte Zusatzqualifikation

Die symbolische Unterstützung ist also vorhanden. Auch am Geld dürfte Prof. Pielows Vision nicht scheitern: Interdisziplinäre und internationale Forschung wird heutzutage bevorzugt von Bund, Land und dritten Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Gern gesehen wird ein zusätzliches Engagement in der Lehre, das man den Bochumer Energieexperten attestieren kann. Das IBE vergibt sogar ein Zertifikat. Die Zusatzqualifikation „Energiewirtschaft und Bergbau“ ist unter Juristen, Ökonomen und Ingenieuren heiß begehrt. Wer sie bekommen möchte, besucht – neben dem eigentlichen Studium – vier Vorlesungen und ein Seminar inkl. Hausarbeit. Ebenfalls beurkundet wird die Teilnahme am ERASMUS-/SOKRATES-Programm „International Energy Law“. Hier arbeitet das IBE mit acht Partnerunis zusammen, u.a. in Rom, Madrid und Kopenhagen. Zurzeit wird ein Ausbau der Aktivitäten in der Lehre anvisiert: Beispielsweise könnte die Zusatzqualifikation „Energiewirtschaft und Bergbau“ zu einem Masterstudium ausgebaut werden. Die Bündelung aller Aktivitäten in der Energielehre könnte in einen grundständigen Energie-Studiengang an der RUB münden.
Schon jetzt wird die Forschung gebündelt: im Energieforum der RUB. Zu ihm gehören etwa 130 Wissenschaftler aus den Ingenieur-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und die Energieforschung Ruhr (ef.Ruhr). Das Energieforum versteht sich nicht nur als Plattform zur gemeinsamen Energieforschung, es möchte zudem den Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen den Fakultäten stärken und andere Einrichtungen in Fragen der Energieumwandlung und Energieversorgung beraten. Zu den aktuellen fachübergreifenden Projekten gehören die photobiologische Wasserstofferzeugung durch Mikroalgen (RUBENS 84), die Geothermische Wärmeversorgung der RUB (s. Kasten „Energieverbrauch“) oder die Brennstoffzelle (u.a. RUBENS 70).

Energietag

Einmal im Jahr lädt das Energieforum zum Energietag. 2004 stand er unter dem Motto „CO2 und Klimaschutz: Wechselwirkungen und Minderungspotenziale“. Das Thema lockte 150 Interessierte aus Industrie, Politik und Wissenschaft an die RUB. Sie hörten u.a. Referate zum Stand der Technik bei CO2-Reduktionspotenzialen in industriellen Produktionsprozessen. Analysiert wurde auch das Handelssystem für Emissionsrechte, um das sich die Bundesminister Clement und Trittin lange gestritten hatten.
Organisiert wurde der Energietag 2004 vom Institut für Berg- und Energierecht, das auch zum Energieforum gehört. Das 1987 gegründete Institut wurde 1992 zur zentralen wissenschaftlichen Einrichtung der RUB. Zurzeit sind dort acht Jurist/innen beschäftigt, die meisten von ihnen arbeiten projektbezogen. „Wir sind zu drei Vierteln von Drittmitteln abhängig“, konkretisiert der Geschäftsführende Direktor Prof. Pielow. Einer der wichtigsten Drittmittelgeber ist der Förderverein des IBE. Aber auch die DFG und das Land fördern die Arbeit des IBE, zuletzt eine fachübergreifende Forschung zu unterirdischen Bau- und Pilotprojekten, wie dem an der RUB entwickelten Cargocap-System zum Güterverkehr unter der Erde. Auch die weiteren Forschungsarbeiten des IBE (z. B. zu Atomrecht, Erneuerbaren Energien oder Emissionshandel) behandeln die Energie interdisziplinär.
Neben Forschung und Lehre bilden Tagungen ein weiteres Standbein des IBE. Auf einer Fachtagung im Oktober beschäftigten sich Wissenschaftler und Praktika mit der brandaktuellen Energiemarktregulierung, mit Preiserhöhungen für Strom und Gas und der Rolle der von der Bundesregierung geplanten Kartellbehörden, die den Markt regulieren sollen. Zu guter Letzt verfügt das IBE über eine gut bestückte Präsenzbibliothek mit Literatur rund ums Thema Energierecht.

Energieverbrauch an der RUB

Neun Mio. Euro hat die RUB 2003 für Wärme, Strom, Gas und Wasser ausgegeben. Mit einem Verbrauchsanteil von 64 Prozent (rund 111.000 Megawattstunden) liegt die Wärme an der Spitze. Lieferant ist die RWE AG, sie versorgt die RUB (wie auch Hustadt und Opel) über das Kraftwerk Prinz-Regent mit Fernwärme.
Der Energiefaktor Strom folgt mit 34 Prozent. Zuletzt lag der Stromverbrauch der RUB stets knapp über 60.000 Megawattstunden. Zum Vergleich: Ein deutscher Vierpersonen-Haushalt verbraucht jährlich durchschnittlich 4,5 Megawattstunden Strom. Aktueller Stromlieferant ist die Energie Nordrhein-Westfalen GmbH. Der Strom kommt mit 30.000 Volt an der RUB an, er wird im Technischen Zentrum (TZ) auf 10.000 Volt herunter gespannt und weiter auf die Gebäude und Endverbraucher verteilt, wo der Strom schließlich mit 380 Volt ankommt.
Das TZ auf dem Kalwes ist zugleich energetisches Zentrum der RUB, es beinhaltet auch ein Kältewerk. Kälte ist mit einem zweiprozentigen Anteil am Gesamtverbrauch der dritte wichtige Energieträger der RUB. Benötigt wird Fernkälte überall dort, wo Dinge extrem gekühlt werden müssen, sei es Maschinen oder organische Proben.
Möglicherweise wird sich die Wärmeversorgung der RUB bald grundlegend ändern. Zurzeit läuft eine Studie zur Versorgung mit Erdwärme. Beteiligt sind Geowissenschaftler und Ingenieure der RUB. Mit Großverbrauchern wie RUB und FH sowie dem vorhandenen Fernwärmeversorgungsnetz bieten sich gute Voraussetzungen, die umweltfreundliche Technik zu erproben. In einer Tiefe von drei, vier Kilometern herrschen Temperaturen bis zu 125 Grad Celsius, entsprechend heiß sind die Gesteine. Um ihre Hitze als Heizwärme zu nutzen, müssen zwei Löcher gebohrt werden. In das eine wird kaltes Wasser gepumpt, das sich an den Gesteinen erwärmt und als Warmwasser durch die zweite Bohrung nach oben gelangt.

Ansprechpartner:
Institut für Berg- und Energierecht: Prof. Johann-Christian Pielow, Tel. –27333, E-Mail: ibe@rub.de, Internet: www.rub.de/ibe
Energieforum: Prof. Victor Scherer, Tel. -26328, E-Mail: scherer@leat.rub.de, Internet: www.energieforum.rub.de/

 

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Letzte Änderung: 30.10.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik