Starker Nachwuchs
Volle
Kraft voraus
Energie an der RUB: Energieforum, Energierecht, Energieverbrauch
Etwa neun Mio. Euro wendet die RUB jährlich
für Energie auf. Auch ansonsten ist Energie ein
wichtiges Thema auf dem Campus. Es gibt Lehrstühle
und Institute, die Energie im Namen tragen,
es gibt sowohl ein Energie- als auch ein Energiesparforum
und ständig brandaktuelle Forschungsprojekte. Zurzeit
beschäftigen sich Juristen, Wirtschaftswissenschaftler
und Ingenieure u.a. mit Emissionshandel und Energiepreisen.
All das beleuchten wir auf dieser Seite.
Die Ruhr-Uni hat das Potenzial, zum führenden
deutschen Standort für Energieforschung zu werden,
erläutert Prof. Johann-Christian Pielow. Der Jurist
und Geschäftsführende Direktor des Instituts
für Berg- und Energierecht (IBE) hat allen Grund
optimistisch zu sein. Schließlich wird Energie
in all ihren Facetten in zehn Fakultäten der RUB
erforscht. Ökonomen, Juristen, Ingenieure, Geologen
etc. arbeiten interdisziplinär, häufig mit
internationalen Partnern und meist an Themen, die Politik
und Gesellschaft direkt betreffen. Die Bedeutung der
Bochumer Energieforschung haben der Wissenschaftsrat
(1999) und der Expertenrat der Landesregierung (2001)
explizit hervorgehoben. Auch Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement hält große Stücke darauf.
Deshalb blieb er nach seinem Wechsel nach Berlin im
Kuratorium des IBE, während er seine sonstigen
Ehrenämter in NRW niederlegte.
Begehrte Zusatzqualifikation
Die symbolische Unterstützung ist also vorhanden.
Auch am Geld dürfte Prof. Pielows Vision nicht
scheitern: Interdisziplinäre und internationale
Forschung wird heutzutage bevorzugt von Bund, Land und
dritten Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) gefördert. Gern gesehen wird ein zusätzliches
Engagement in der Lehre, das man den Bochumer Energieexperten
attestieren kann. Das IBE vergibt sogar ein Zertifikat.
Die Zusatzqualifikation Energiewirtschaft und
Bergbau ist unter Juristen, Ökonomen und
Ingenieuren heiß begehrt. Wer sie bekommen möchte,
besucht neben dem eigentlichen Studium
vier Vorlesungen und ein Seminar inkl. Hausarbeit. Ebenfalls
beurkundet wird die Teilnahme am ERASMUS-/SOKRATES-Programm
International Energy Law. Hier arbeitet
das IBE mit acht Partnerunis zusammen, u.a. in Rom,
Madrid und Kopenhagen. Zurzeit wird ein Ausbau der Aktivitäten
in der Lehre anvisiert: Beispielsweise könnte die
Zusatzqualifikation Energiewirtschaft und Bergbau
zu einem Masterstudium ausgebaut werden. Die Bündelung
aller Aktivitäten in der Energielehre könnte
in einen grundständigen Energie-Studiengang an
der RUB münden.
Schon jetzt wird die Forschung gebündelt: im Energieforum
der RUB. Zu ihm gehören etwa 130 Wissenschaftler
aus den Ingenieur-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften
sowie das Rheinisch-Westfälische Institut für
Wirtschaftsforschung (RWI) und die Energieforschung
Ruhr (ef.Ruhr). Das Energieforum versteht sich nicht
nur als Plattform zur gemeinsamen Energieforschung,
es möchte zudem den Erfahrungs- und Wissensaustausch
zwischen den Fakultäten stärken und andere
Einrichtungen in Fragen der Energieumwandlung und Energieversorgung
beraten. Zu den aktuellen fachübergreifenden Projekten
gehören die photobiologische Wasserstofferzeugung
durch Mikroalgen (RUBENS 84), die Geothermische Wärmeversorgung
der RUB (s. Kasten Energieverbrauch) oder
die Brennstoffzelle (u.a. RUBENS 70).
Energietag
Einmal im Jahr lädt das Energieforum zum Energietag.
2004 stand er unter dem Motto CO2 und Klimaschutz:
Wechselwirkungen und Minderungspotenziale. Das
Thema lockte 150 Interessierte aus Industrie, Politik
und Wissenschaft an die RUB. Sie hörten u.a. Referate
zum Stand der Technik bei CO2-Reduktionspotenzialen
in industriellen Produktionsprozessen. Analysiert wurde
auch das Handelssystem für Emissionsrechte, um
das sich die Bundesminister Clement und Trittin lange
gestritten hatten.
Organisiert wurde der Energietag 2004 vom Institut für
Berg- und Energierecht, das auch zum Energieforum gehört.
Das 1987 gegründete Institut wurde 1992 zur zentralen
wissenschaftlichen Einrichtung der RUB. Zurzeit sind
dort acht Jurist/innen beschäftigt, die meisten
von ihnen arbeiten projektbezogen. Wir sind zu
drei Vierteln von Drittmitteln abhängig,
konkretisiert der Geschäftsführende Direktor
Prof. Pielow. Einer der wichtigsten Drittmittelgeber
ist der Förderverein des IBE. Aber auch die DFG
und das Land fördern die Arbeit des IBE, zuletzt
eine fachübergreifende Forschung zu unterirdischen
Bau- und Pilotprojekten, wie dem an der RUB entwickelten
Cargocap-System zum Güterverkehr unter der Erde.
Auch die weiteren Forschungsarbeiten des IBE (z. B.
zu Atomrecht, Erneuerbaren Energien oder Emissionshandel)
behandeln die Energie interdisziplinär.
Neben Forschung und Lehre bilden Tagungen ein weiteres
Standbein des IBE. Auf einer Fachtagung im Oktober beschäftigten
sich Wissenschaftler und Praktika mit der brandaktuellen
Energiemarktregulierung, mit Preiserhöhungen für
Strom und Gas und der Rolle der von der Bundesregierung
geplanten Kartellbehörden, die den Markt regulieren
sollen. Zu guter Letzt verfügt das IBE über
eine gut bestückte Präsenzbibliothek mit Literatur
rund ums Thema Energierecht.
Energieverbrauch an der RUB
Neun Mio. Euro hat die RUB 2003 für Wärme,
Strom, Gas und Wasser ausgegeben. Mit einem Verbrauchsanteil
von 64 Prozent (rund 111.000 Megawattstunden) liegt
die Wärme an der Spitze. Lieferant ist die RWE
AG, sie versorgt die RUB (wie auch Hustadt und Opel)
über das Kraftwerk Prinz-Regent mit Fernwärme.
Der Energiefaktor Strom folgt mit 34 Prozent. Zuletzt
lag der Stromverbrauch der RUB stets knapp über
60.000 Megawattstunden. Zum Vergleich: Ein deutscher
Vierpersonen-Haushalt verbraucht jährlich durchschnittlich
4,5 Megawattstunden Strom. Aktueller Stromlieferant
ist die Energie Nordrhein-Westfalen GmbH. Der Strom
kommt mit 30.000 Volt an der RUB an, er wird im Technischen
Zentrum (TZ) auf 10.000 Volt herunter gespannt und weiter
auf die Gebäude und Endverbraucher verteilt, wo
der Strom schließlich mit 380 Volt ankommt.
Das TZ auf dem Kalwes ist zugleich energetisches Zentrum
der RUB, es beinhaltet auch ein Kältewerk. Kälte
ist mit einem zweiprozentigen Anteil am Gesamtverbrauch
der dritte wichtige Energieträger der RUB. Benötigt
wird Fernkälte überall dort, wo Dinge extrem
gekühlt werden müssen, sei es Maschinen oder
organische Proben.
Möglicherweise wird sich die Wärmeversorgung
der RUB bald grundlegend ändern. Zurzeit läuft
eine Studie zur Versorgung mit Erdwärme. Beteiligt
sind Geowissenschaftler und Ingenieure der RUB. Mit
Großverbrauchern wie RUB und FH sowie dem vorhandenen
Fernwärmeversorgungsnetz bieten sich gute Voraussetzungen,
die umweltfreundliche Technik zu erproben. In einer
Tiefe von drei, vier Kilometern herrschen Temperaturen
bis zu 125 Grad Celsius, entsprechend heiß sind
die Gesteine. Um ihre Hitze als Heizwärme zu nutzen,
müssen zwei Löcher gebohrt werden. In das
eine wird kaltes Wasser gepumpt, das sich an den Gesteinen
erwärmt und als Warmwasser durch die zweite Bohrung
nach oben gelangt.
Ansprechpartner:
Institut für Berg- und Energierecht: Prof. Johann-Christian
Pielow, Tel. 27333, E-Mail: ibe@rub.de,
Internet: www.rub.de/ibe
Energieforum: Prof. Victor Scherer, Tel. -26328, E-Mail:
scherer@leat.rub.de,
Internet: www.energieforum.rub.de/
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