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RUBENS 91 1. Oktober 2004

UTC: Rebellion im Hotel Größenwahn

Gebäudeserie


Jeder von uns kann sich sicher noch an sein erstes Semester an der RUB erinnern. Wer hat sich anfangs nicht in den Kellerräumen verirrt und verzweifelt nach einem Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 02 und mal auf 01? Und warum gibt es nicht überall eine Cafete? RUBENS liefert die Antworten - diesmal zum UTC.

GC den Geisteswissenschaftlern, NC den Naturwissenschaftlern, IC den Ingenieuren - und MC den Medizinern? Nein, ganz so einfach ist es leider nicht. Das Phänomen MC ist eine ungehörte und, so möchte man fast sagen, unendliche Geschichte. Jetzt ist es an der Zeit, die "bauliche" Odyssee des Phänomens MC von Beginn an nachzuzeichnen.
Lange war es das Stiefkind der Uni - heute ist es der verlorene Sohn: das Gebäude MC. Das Gros der Studierenden würde das äußere Gebäude der M-Reihe vermutlich den Medizinern zusprechen, wenn man sie danach fragte. Aber weit gefehlt! Und zwar in gleich zweifacher Hinsicht: Zum einen gehört es eben nicht den Medizinern, zum anderen hat es den Namen "MC" schon lange abgelegt. Doch um das alles zu verstehen, muss man sich erst in die fernen Jugendtage der RUB zurückversetzen:
1962: Euphorische Jahre. Der Bau der RUB wird beschlossen und mit ihm der eines Klinikums, das direkt an der Uni entstehen soll. Alles verheißt groß und toll und wunderbar zu werden. Aber dann kommt das, was schon weit größere Pläne der Menschheit durchkreuzt hat: das Schreckgespenst Finanznot. Keine Uni-Klinik also. Vorerst.
1971: Die drei Gebäudekolosse der M-Reihe sind hochgezogen und die ersten Mediziner beziehen ihr neues Heim in MA. Und der Rest? MB und MC stehen als Rohbauten nutzlos und leer da. Die Pläne für die Institute der Theoretischen Medizin liegen vorerst auf Eis. Stattdessen hofft man weiter auf den Klinikbau. Lange Jahre des Stillstands folgen.

Halbe Mio., ganze Mio.

1977: Nach bewegungslosen Jahren plötzlich hektisches Hin und Her: Die RUB entscheidet sich für das "Bochumer Modell" der Medizinerausbildung, d.h. direkt vor Ort in bestehenden Bochumer Krankenhäusern. Die Pläne für einen Klinikneubau werden komplett gestrichen - die beiden M-Rohbauten stehen endgültig sinnlos am Rande des Campus.
1978: Zwischendurch lässt man hoffnungsschwanger verlauten, die Zahnklinik würde nun doch entstehen und käme ins MC. Aber wieder passiert nichts.
1983: Soll das Bochumer Finanzamt oder die Fernuniversität Hagen ins MC-Gebäude ziehen? Nein, das waren nur letzte verzweifelte Gedanken. Etwas Sinnvolleres fordert das Akafö: Studierendenapartments und Zimmer für ausländische Gastwissenschaftler.
1989, Mai: Das MB-Gebäude findet schließlich seine Bestimmung und wird 1991 zum Entwicklungs- und Technikzentrum der RUB (TZR) ausgebaut.
1989, Oktober: Na, endlich: Ein Göttinger Baulöwe kauft das MC zum Spottpreis von 500.000 DM. Er plant ein Hotel- und Kongresszentrum - mit Tennis, Squash und Ladenzeile. Wie schön. Aber ist das Problem damit wirklich vom Tisch? Das Akafö will noch immer Studierendenwohnungen und sichert sich das Vormietrecht.
1989, November: Es kommt zum großen Showdown: Studierende brechen durch die Mauern des Rohbaus und besetzen den Koloss. Die "Widerstands-AG" verlangt mehr studentischen Wohnraum als im MC-Hotel geplant, denn für die nunmehr 35.000 Studenten wird es schon seit Jahren eng - Uni und Wohnheime waren nur für 16.000 geplant. Wozu ein Kongresszentrum bauen, wenn Studierende bei Freunden auf dem Fußboden schlafen müssen? Die Besetzer lassen den RUB-Kanzler ans Telefon kommen und schlagen ihm vor, eine "Suite" im "Hotel Größenwahn" zu besichtigen.
1990, Januar: Die Gerüchteküche brodelt: Will der Göttinger Baulöwe raus aus dem Vertrag? Platzt der Traum vom Hotel MC? Die ‚Widerstands-AG' sieht einen Erfolg ihrer Besetzung. Und tatsächlich: Das MC wird für 1 Mio. DM weiterverkauft - für das Doppelte des Kaufpreises also. Und was vermuten schlaue Köpfe? Der Unternehmer hatte in das MC investiert, einen Parkplatz auf die Schotterpiste davor gesetzt und sich an der Wertsteigerung eine goldene Nase verdient. Gar nicht so dumm.
1990: Das MC wird - nun endgültig - an eine zweite Baufirma weiterverkauft. Eine Vertragsbedingung: 20% der Fläche für Studierendenapartments. Dem neuen Besitzer ist das zuviel - er will das Gebäude ausschließlich privatwirtschaftlich nutzen und kauft sich von seiner Verpflichtung frei. Die Ablösesumme wird von der Uni benutzt, um am Rande des Uni-Centers das "Europa-Haus" zu bauen und so endlich Pläne zu verwirklichen, die seit Jahren in der Luft hingen: Wohnraum für Studierende und Gastwissenschaftler.

Vollkommen privatwirtschaftlich

1991: Nach 20 Jahren als nackter Rohbau wird MC endlich ausgebaut - von nun an bekannt unter dem wohlklingenden Namen "Uni Tech Center". Heute haben im UTC verschiedene privatwirtschaftliche Firmen Fuß gefasst: Arztpraxen, Gastronomie, ein Unternehmen für Medizintechnik, ein Jura-Repetitorium. Und es läuft gut - Gerüchten zufolge dachte das Unternehmen sogar schon an ein MD-Gebäude ...
Das ist auch schon das Ende der Geschichte. Spannender als erwartet. Fast schon ein Gebäude-Krimi. Ob das MC noch zur Uni gehört oder nicht sollte nun auch geklärt sein: Gehört es nicht. Das Land NRW hat das Heft komplett aus der Hand gegeben und nach zähem Ringen die Privatwirtschaft in die Nachbarschaft der Uni geholt. Nicht die schlechteste Lösung allerdings - wenn man bedenkt, dass in all der Verzweifelung sogar die rabiateste aller Lösungen zur Diskussion stand: der erbarmungslose Abriss.

Katrin Figge
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Letzte Änderung: 01.10.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik