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RUBENS 91 1. Oktober 2004


Überzeugungstäter


Umbruchphase an der RUB: Zwischen Bakkalaureus und Bachelor


Früher gab es in den meisten geisteswissenschaftlichen Fächer ausschließlich den Abschluss Magister, dann kam im Rahmen des Magister-Reformmodells der Bakkalaureus Artium hinzu und schließlich noch der Bachelor und der Master. Bachelor und Master sind bald der alleinige Standard an der RUB, doch in der momentanen Übergangsphase konkurrieren die Abschlüsse miteinander. Wenn es um Plätze in den Seminaren geht, konkurrieren bisweilen auch die Studierenden. RUBENS gibt einen Überblick.

"Sie fühlen sich allein gelassen mit scheinbar undurchsichtigen Studien- und Prüfungsordnungen und klagen immer häufiger über mangelnde Beratung, Orientierungslosigkeit und Prüfungsängste. Erfahrungsgemäß verlängern sich dadurch die Studienzeiten. [...] Um Wege zu finden, die solchen Mißständen entgegenwirken können, hat die Ruhr-Universität im Wintersemester 1993/94 ein Reformmodell zur Neustrukturierung des Magisterstudiums eingerichtet." So heißt es in einem Vorwort zum Magister-Reformmodell vom damaligen RUB-Rektor Prof. Dietmar Petzina.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Argumente entschieden sich zwischen 1993 und 2001 viele Studierende für das reformierte Studium. Die RUB war seinerzeit die erste Uni in NRW, die den Bakkalaureus Artium als ersten berufsqualifizierenden Abschluss anbot. Pro Wintersemester wurden rund 150 Studienplätze auf die Bewerber verteilt. Es gab ein ausführliches Beratungsangebot und Hilfe bei der Erstellung eines Stundenplans für Erstsemester. Bis zum Sommersemester 2004 erwarben rund 650 Studierende den Bakkalaureus Artium.

Alles auf den Bachelor

Im Wintersemester 2001/02 wurde vieles anders: Die RUB führte flächendeckend die gestuften Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master ein. Seitdem kann man sich nicht mehr für das MA-Reformmodell einschreiben, zum März 2005 endet es ganz. Doch schon jetzt treten die alten Studienformen (neben dem Bakkalaureus auch der herkömmliche Magister) zunehmend in den Hintergrund. Schließlich setzt die RUB hauptsächlich auf Bachelor und Master. Diese strukturelle, finanzielle und personelle Fokussierung ist gut nachvollziehbar und bringt der RUB als Reformuniversität viel Lob ein. Gleichwohl haben die verbliebenen Studierenden des MA-Reformmodells darunter zu leiden. Konkret müssen sie vor allem auf die früher so umfangreiche Beratung verzichten. Ein scheinbar ewiges Hinterherlaufen ist stattdessen nötig, um an die wichtigsten Informationen zu gelangen. "Man erreicht so gut wie niemanden mehr. Wenn doch, dann ist sie oder er nicht zuständig. Auch das Internet hilft nur noch sehr begrenzt", erklärt die Reformstudentin Nina Lange. In der Tat weisen die Internetseiten des MA-Reformmodells teilweise den Stand von 1999 auf. Dahinter steckt ein Personalproblem. Bis März 2005 sind lediglich zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, für jeweils zwölf Stunden, und eine studentische Hilfskraft für neun Stunden zur Organisation des MA-Reformmodells eingestellt.
"Ich kann mir vorstellen, wie die Studenten zu Hause manchmal verzweifelt in ihr Kissen beißen, aber die Möglichkeiten sind leider sehr begrenzt", sagt Astrid Steger. Sie ist Projektmanagerin sowohl des Reformmodells als auch des Optionalbereichs für die gestuften Studiengänge. Steger und einige Kollegen beraten die Reformmodeller auch weiterhin, allerdings vollkommen freiwillig. "Das klappt nur, weil wir Überzeugungstäter sind", und das möchte Steger auch bis zur letzten Prüfung bleiben; etwa 150 Studierende wollen noch ihren Bakkalaureus Artium erwerben.

Studiengebühren im Nacken

Geleitet und organisiert werden die Prüfungen in diesem Wintersemester jedoch zum letzten Mal vom Reformmodell. Danach sind die jeweiligen Fächer und Prüfungsämter zuständig. Nach Erwerb des Bakkalaureus Artium können die "Reformmodeller" wählen, ob sie noch den alten Magister erwerben wollen oder aber in einen neuen Masterstudiengang wechseln. Natürlich bleibt auch die Möglichkeit, mit dem Bakkalaureus direkt einen Beruf zu ergreifen. Das war zu Beginn des Reformmodells nicht ganz einfach. Damals erhielten viele Bewerber Absagen, weil die Personalmanager sie für zu jung hielten. Mittlerweile zeichnet sich allerdings eine deutlich höhere Akzeptanz junger Hochschulabsolventen ab. Das war und ist bekanntlich auch Ziel der Studienreformen: Europaweit soll eine allgemeine Studiendauer von maximal fünf Jahren erzielt werden. Laut Projektmanagerin Steger ist das schnellere Durchkommen mit gestuften Studiengängen allerdings nicht automatisch gewährleistet. Angesichts der zusätzlich zu erwerbenden Berufserfahrungen, finanzieller Knappheit und "mit den Studiengebühren im Nacken" sei das nicht leicht, so Steger.
Für die Reformmodeller der RUB ergaben sich nach der Etablierung von Bachelor und Master noch ganz andere Schwierigkeiten im Studienalltag. z. B. die explodierenden Zahlen in den Veranstaltungen. Auf einmal galten zudem Anmeldepflichten für Seminare. Die schnell gefüllten Listen treiben die Studenten noch heute oft zur Weißglut. Außerdem haben in zahlreichen Seminaren Studierende mit der Absicht eines Scheinerwerbs Vorrang, während die sog. "Examensthemensammler" verzweifelt nach Plätzen suchen. "In dieser Übergangsphase gibt es leider zahlreiche Wenn und Abers", räumt auch Astrid Steger ein.
Noch bis Dezember 2004 läuft eine Befragung der Reformmodell-Absolventen. Darin wird ermittelt, welche Wege die Studierenden nach dem jeweiligen Abschluss eingeschlagen haben. Auch die Homepage soll auf Hochglanz gebracht werden. Bis Ende März 2005 wird sie zu einer historischen Page gestaltet. Sie soll die Geschichte des "Reformmodells zur Neustrukturierung des Magisterstudiums" erzählen.


INFO: B.A. IST NICHT GLEICH B.A.
Sowohl der Bakkalaureus Artium als auch der Bachelor of Arts werden mit "B.A." abgekürzt. Es gibt dennoch einige inhaltliche Unterschiede zwischen ihnen, ebenso zwischen dem MA-Reformmodell und den gestuften Studiengängen. Das MA-Reformmodell diente ausschließlich zur Neustrukturierung der Magisterordnung. Darin wurden für den Bakkalaureus Artium (auch Grundlagenstudium genannt) drei Fächer gleichwertig studiert. Die obligatorischen Zusatzqualifikationen bestanden aus drei vorgegebenen Gebieten, die nicht in die Examensbenotung einflossen. Nach dem Bakkalaureus startete man sein Berufsleben oder machte in einem der drei Fächer seinen Magister. Dieser wiederum unterschied sich vom herkömmlichen Magister, bei dem man bis zum Schluss ein Haupt- und zwei Nebenfächer studierte.
In den gestuften Studiengängen werden innerhalb des BA Studiums zwei Fächer gleichwertig studiert und mindestens drei Module aus fünf frei wählbaren Gebieten des Optionalbereichs belegt (z. B. Fremdsprache oder EDV). Ein Modul fließt in die Examensnote ein. Der Optionalbereich erfüllt damit im Prinzip die Rolle der Zusatzqualifikationen aus dem Reformmodell. Entgegen verbreiteter Ansichten, vor allem unter den Lehrenden, stellt der Optionalbereich aber keinen Fachersatz da. Nach dem Bachelor kann man einen Beruf ergreifen oder weiterstudieren. Seinen Master muss man nicht notwenig in einem der Bachelorfächer machen.
Die gestuften Studiengänge wurden an der RUB mittlerweile auf das Lehramtsstudium (Master of Education) und die Naturwissenschaften (1- oder 2-Fach-Bachelor / Master of Science) ausgedehnt.


Kristin Sporbeck
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Letzte Änderung: 01.10.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik